Schweizer Filmpreis 2009
Bericht zur Preisverleihung im KKL Luzern
Eine Brass-Formation spielt auf, der Teppich ist breiter und es sind keine Sponsorenwände in Sichtweite. Es gibt einige Unterschiede beim neuerdings aufgemotzten Schweizer Filmpreis im Vergleich zum bisherigen Glamourgipfel in Sachen Filmsause, dem Zurich Film Festival. Doch damit nicht genug: viel mehr Leute, eine massiv geräumigere Lokalität, schöneres Panorama, hochklassigere Medienvertreter vor Ort, weniger Ex-Missen im Getümmel (Sogar Stress kam alleine), fast keine Deutschen, alle Schweizer Filmemacher kommen vorbei (zum Beispiel auch aus dem Welschland nicht nur Carlos Leal). In Sachen Vorgeplänkel zum eigentlichen Hauptevent schlägt QUARTZ das ZFF in etwa 13:1.
Doch nach dem roten Teppich geht bekanntlich die eigentliche Verleihung los, und der Vorsprung von Luzern auf Zürich schmolz, in diesem Fall zumindest, dahin. Vielleicht gibt es eine Regel, dass ein Anlass im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) nur mit Orchesterbegleitung von statten gehen darf. Das würde erklären, warum ca. 7/8 der Bühne bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises vom Luzerner Sinfonieorchester besetzt waren. Unter der Leitung von Matthias Bamert spielte sich die vielköpfige Kombo ein bisschen gar oft in den Vordergrund der Preisverleihung. Dabei kam es zu witzigen Stilblüten, als die Melodie zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ just dann ertönte, als der Spruch „Es lebe der Schweizer Film“ in allen Landessprachen an die Wand projeziert wurde. Ausserdem mussten alle Gewinner sich ein Zwischenspiel anhören, nachdem sie ihre Trophäe in Empfang nehmen durften. Das war von gesucht lustig (Henry Mancinis „Pink Panther“ nach dem besten Trickfilm) bis einfach nur noch seltsam (Extra Komponiertes für den Komponisten der besten Filmmusik mit eigens hergekarrten Opernsängerin). Die musikalische Umrahmung an der Quartz-Verleihung ist schlicht missglückt. Orchester an Awards-Shows gehören unter die Bühne und sollten im wesentlichen nur eingesetzt werden, um Dankesreden bei Bedarf zu kürzen.
Beim Schweizer Filmpreis arten Dankesreden aber selten aus. Die beste Trinkfilmerin Jadwiga Kowalska brachte kein Wort heraus. Der Spickzettel der besten Nachwuchshoffnung Kacey Mottet Klein war nur im Format A4, weil 11-Jährige wohl eine etwas grössere Handschrift haben. Etwas Gesellschaftskritik gabs von der Dokumentarfilmerin Fanny Bräuning und von Celine Bolomey, die als beste Schauspielerin gewann. Ansonsten artiges Dankesagen und danach andächtig der aufgezwungenen Musik lauschen. Nur Bruno Cathomas sorgte für witzige Auflockerung. Er war notfallmässig als Laudator eingesprungen, weil ein ein Grossteil der angekündigten Namen (Geraldine Chaplin, Maurice Jarre und Luc Bondy fehlten alle) aus verschiedenen Gründen nicht erschienen.
So war der Schweizer Filmpreis Ausgabe 01 nach Solothurn eine ziemlich zähe Angelegenheit, um nicht zu sagen langweilig. Glamour en masse in Vorfeld, der genug Stoff für Sondersendungen für Society-Reporterinnen bot und dabei den heimlichen Konkurrenten, das Festival von Zürich, locker schlug. Danach eine Preisverleihung, die näher bei der FIFA-Wahl zum Weltfussballer des Jahres anzusiedeln ist, als bei der Oscar-Verleihung - geschweige denn den MTV Movie Awards. Aber sowas fetziges wollen die Beamten des Bundesamtes für Kultur als Organisatoren ja gar nicht.




