Fast & Furious (2009)
Interview mit Michelle Rodriguez

Michelle Rodriguez
Michelle Rodriguez ist die etwas andere heissblütige Latina Hollywoods. Ihr Blut scheint eher bei Fäustkämpfen zu kochen als in sexy Unterwäsche zwischen nett hergerichteter Bettwäsche. So trat sie denn auch zum Interview mit OutNow.CH in Köln eher kämpferisch auf. Das Männerunterhemd gab freien Blick auf braun gebrannte Arme, und die Jeans waren mit grossen Löchern versehen.
Wie ihr Auftritt in Fast & Furious waren auch die Fragen zum Film, für den man sich eigentlich getroffen hatte, eher kurz gehalten. Viel mehr interessierte uns die Zusammenarbeit mit dem King of the World James Cameron. Mit schrillen Lachern gab Michelle Auskunft darüber.
OutNow.CH (ON): Warum nochmal Fast and Furious?
Michelle Rodriguez (MR): The Team is back. I smell something hot, when I smell something hot. Ich mach vielleicht nicht immer grosse Blockbusterfilme, aber ich habe einen guten Geschmack. Ich wusste einfach, dass es toll werden würde. Ausserdem schulde ich Vin Diesel etwas. Er hatte mich damals für den ersten Teil geholt, nachdem er mich in Girlfight gesehen hatte.
ON: Es ist beeindruckend, wie du in Fast and Furious an einem fahrenden Lastwagen herumturnst. Wie viele deiner Stunts hast du selber gemacht?
MR: Immer wenn gesprungen wurde, war's nicht ich. Salto rückwärts und dergleichen lassen sie mich aus versicherungstechnischen Gründen nicht machen. Aber bei den Szenen bei 20 Meilen die Stunde durfte ich ran - verkabelt. Ab 40 Mph war meine Stuntfrau dran. Sie hatte den Spass, ich versuchte gut auszusehen.
ON: Du spielst aber gerne das starke Mädchen?
MR: Ich möchte, dass die Mädchen stark sind. Ich wuchs als burschikoses Mädchen auf. Ich fand Barbies langweilig und ergötzte mich an G.I. Joe, weil der eine Waffe hatte, mit der er schiessen konnte. Ich wuchs einfach anders auf, und es gibt da draussen Tausende von Mädchen, die auch so sind wie ich. Ich möchte mich einfach für diese Girls einsetzen
ON: Mit James Camerons Avatar hast du bald einen weiteren Blockbuster am Start.
MR: Ja. Auch James Cameron sah mich in Girlfight und hat mich seither im Auge behalten, bis er mir von dieser Rolle erzählt hat, die ich sehr mögen würde. Da bin ich ausgeflippt. Ich bin selber Autorin, das ist es, was mich zu diesem Beruf gebracht hat, und dann darf ich mit dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeit zusammenarbeiten. Ein sehr ansprechendes Projekt. Eine Mischung aus Mythologie, Wissenschaft und einer gut erzählten Geschichte.
ON: Avatar wird auch ein grosse 3D-Geschichte werden.
MR: Ich seh das so. Nach dem Übergang von Schwarz-Weiss- zum Farbilm hat man sich über die neuen Möglichkeiten gefreut. Ok, jetzt ist's halt farbig. Aber erst als man so etwas aussergewöhnliches wie West Side Story gesehen hat, merkte man: "Wow! FARBE!" Cameron macht beides: Er bringt eine neue Technologie in die Gänge, und er hat dir auch eine qualitativ hochwertige Geschichte um die Ohren.
ON: Merkt man einen Unterschied am Set eines 3D-Films im Vergleich zum herkömmlichen Film?
MR: Es gibt einfach viel mehr Levels. Da arbeiten Hunderte von Leuten für Jahre an einer Welt. Erst dann komm ich ins Spiel und betrete diese virtuelle Welt als Schauspielerin. Dabei interagiere ich mit richtigen Utensilien. Ich spiele eine Helikopter-Pilotin, und ich durfte richtige Lektionen nehmen. Denn auch wenn das die Helikopter der Zukunft sind, sind es trotzdem immer noch Helikopter. Ich sitz das also nicht in einer grünen Kammer mit einem Stuhl und einem Stab. Und gleich danach kann ich mir die komplette virtuelle Welt, die innerhalb mehrerer Monate erbaut wurde, am Compi-Bildschirm anschauen. Wenn man sich überlegt, wie weit wir technisch heute sind, kann man nur staunen.
ON: Es ist Camerons erster Spielfilm seit Titanic. Hast du ihn mal nach dem Grund seiner langen Pause gefragt?
MR: Das musste ich nicht. Er folgt einfach seinem Bauchgefühl. Das merkte ich erstmals, als er mich genau dann anfragte, als ich in der Scheisse steckte wegen meiner Probleme mit der Polizei. Inmitten dieses Chaos, wo soviel Schlechtes über mich geschrieben wurde, sagte er zu mir, es sei ihm egal, was die anderen denken. Er sehe, was in mir stecke.
ON: Hat dich die negative Presse bedrückt, als du wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt wurdest?
MR: Nein, darauf habe ich gar nicht reagiert. Ich hab schon an der High School gelernt, dass man alles noch verschlimmert, wenn man auf solche Sachen reagiert. (Sie lacht). Ich lass mich nicht auf das Level herab und sag auch nur alle paar Schaltjahre was zu den Paparazzi, welche in L.A. überall auflauern.
ON: Wie muss man sich die Arbeit mit James Cameron vorstellen?
MR: Er ist wie ein verrückter Wissenschaftler. Da redet man mit ihm. Dann stoppt er dich. Danach schreit er ein paar Befehle rum, und das ganze Projekt ist quasi wie neu inspiriert. (Sie lacht laut.) Unglaublich. Ich liebe das. Ich könnte buchstäblich seine Assistentin werden, und ich würde den Job lieben. Ich glaub nicht, dass ich es schaffen würde, denn seine Assistentin zu sein, muss ein Mörderjob sein. Aber ich würde ein Jahr für ihn frei nehmen. Das wäre wie Schule.



