Avatar (2009)
Avatar - Aufbruch nach Pandora
Interview mit Stephen Lang
Der 57jährige New Yorker Stephen Lang ist im Zusammenhang mit der Europapremiere von Avatar nach Berlin gekommen und hat sich den Fragen der Journalisten gestellt. OutNow.CH hatte dabei die Gelegenheit dem Schauspieler auch ein paar Fragen zu seiner Rolle und den Dreharbeiten von Avatar zu stellen.
OutNow.CH (ON): In Avatar spielst du die Figur des Colonel Miles Quaritch. Welche Rolle spielt er in dieser Geschichte? Und ergibt sich daraus eine tiefere Bedeutung?
Stephen Lang (SL): Qauritch’s Job ist, für die Sicherheit in Hell’s Gate zu sorgen. Er kämpft gegen die Bedrohungen dieser wilden Umgebung auf Pandora und gegen jene, die von den aus seiner Sicht unzivilisierten Bewohnern ausgehen. Was sich daraus für eine tiefere Bedeutung ergibt, kann ich so nicht sagen. Ich weiss nicht, wie man Bedeutung spielt. Diese ergibt sich bei jedem Zuschauer individuell.
Was ich als Schauspieler tue, ist mit dem Regisseur den Charakter, eingebettet in seine Vergangenheit, zu entwickeln. Und das muss mit der Vision, die der Regisseur von der Geschichte hat, übereinstimmen. In der Story von Avatar nimmt Quaritch deshalb den Part des Bösewichts ein. Er verkörpert die agressiven, militärischen Elemente in der Geschichte.
ON: Was faszinierte dich daran, die Rolle Quaritch’s zu spielen?
SL: Nun, das sind verschiedene Aspekte. Zum einen die physische Herausforderung: Ich musste mir einiges an Muskeln antrainieren, um diese Figur auch körperlich glaubhaft darstellen zu können. Eine Figur, die Kraft und Stärke alleine nur schon durch die physische Erscheinung ausdrückt. Quaritch ist sich seines Images und dessen Wichtigkeit sehr bewusst. Wenn er das Vertrauen in seine Stärke und somit auch in jene des Militärs, das er schliesslich anführt, verliert, gibt es wenig Hoffnung für die Menschen, auf Pandora überleben zu können.
Daraus ergab sich allerdings eine interessante Herausforderung beim Entwickeln dieser Figur: Mit seiner Stärke und Agressivität ruft Quaritch, sobald er einen Raum betritt, auch eine ge-wisse Anspannung unter den Anwesenden hervor; sie sind nervös, vielleicht sogar etwas ängstlich. Und dies steht ja im Widerspruch zum Ziel, für Sicherheit zu sorgen. Die Menschen fühlen sich schliesslich nicht sicher, wenn sie ängstlich sind. Diese Dramaturgie in der Figur Quaritch’s zu spielen, fand ich sehr interessant.
ON: Am Ende allerdings versagt Colonel Quaritch, aus seiner Sicht kann er die Sicherheit von Hell’s Gate nicht mehr aufrechterhalten, das Militär verliert gegen die mit primitiven Kriegs-mitteln ausgestatteten Ureinwohner. Quaritch verliert im letzten Kampf sogar sein Leben. Wie interpretierst du das?
SL: Die Message dahinter ist eine sehr existenzielle. Das Ende von Quaritch erinnert mich an die Worte, welche Shakespeare seine Figur MacBeth im Dritten Akt sagen lässt: "I am in blood. Stepped in so far that, should I wade no more, returning were as tedious as go o'er." Diese Zeilen drücken aus, dass es weder für MacBeth noch Quaritch darauf ankommt, welchen Weg sie weiter gehen. Jener, der hinter ihnen liegt, ist genauso mit Blut übergossen wie jener, der noch vor ihnen liegt.
Quaritchs Weg also geht über die Grenzen des Nachdenkens, des Verstandes hinaus. Daraus ergibt sich für ihn eine klare Konsequenz, welche er auch akzeptiert: Nämlich die unausweichliche, finale Konfrontation mit seinem Feind. Für ihn ist das weder gut noch schlecht, sondern lediglich das, was er als Soldat, als Krieger tun muss. Am Ende also wird er genauso primitiv wie die Kräfte, die er bekämpft.
ON: Du hast den grössten Teil vor Green Screens gespielt. War es schwierig, mit etwas zu spielen, das gar nicht da war?
SL: Es ist eine Herausforderung. Aber es ist nicht schwieriger, als wenn etwas vorhanden ist. Es ist lediglich anders. Und es verlangt von einem als Schauspieler, auf die fundamentalen Werkzeuge zurückzugreifen. Das Werkzeug Nummer eins, über das jeder Schauspieler verfügt, ist seine Vorstellungskraft. Eigentlich haben wir alle diese Fähigkeit. Nur verlieren sie viele, wenn sie Erwachsen werden. Sie hören auf, sich ihrer Vorstellungskraft zu bedienen. Ein Schauspieler aber hört niemals damit auf. Dafür werden wir schliesslich auch bezahlt.
