65a Mostra Internazionale dell'Arte Cinematografica

Das OutNow.CH-Interview mit Ivana Lalovic

Der Kurzfilm Ich träume nicht auf Deutsch war der einzige Schweizer Beitrag am Filmfestival Venedig 2008. Auch OutNow.CH entkam der professionellen PR-Maschinerie der Regisseurin Ivana Lalovic nicht, denn eines schönen Morgens fand sich eine nette Postkarte mit Einladung an die Filmvorführung im Pressefach der Venedig-Delegation. Diese Möglichkeit liessen sich die star- und sternchengeilen Autoren nicht entgehen und haben sich kurzerhand zum Interview mit der netten Dame verabredet. Im Aurora-Beachclub sass man champagnerschlürfend zusammen und plauderte, was das Zeug hält. Im folgenden die Aufzeichnung, unbeschönigt, unzensiert.

OutNow.CH (ON): Zuerst einmal Gratulation zu deinem Film. Wie hast du es geschafft, damit bis nach Venedig zu kommen?

Ivana Lalovic (IL): Ich habe meinen Film zuerst einmal in Locarno, Venedig und auch Sarajewo eingereicht. Es war mir wichtig, dass er in beiden Herkunftsländern eine Premiere feiern kann. Damit die Leute, die mitgearbeitet haben, auch dementsprechend entlohnt werden. In Locarno habe ich eine Absage bekommen und von Sarajewo gar nichts gehört, worauf ich recht enttäuscht war. Und dann kam das mit Venedig, was mich völlig überrascht hat. Es ist der Traum eines jeden Filmmachers, einmal mit einem Werk nach Venedig zu kommen.

ON: Wie ist das genau abgelaufen?

IL: Ich habe einfach eine Mail bekommen. Ich hatte meinen Film zuvor über die Website www.filmfestivals.com eingereicht. Normalerweise kann man da seinen Film für ungefähr zwanzig Festivals einreichen und bekommt dann im besten Fall fünf Zusagen. Das ist auch eine Glücksache.

ON: Zu deinem Film zuerst eine klassische Frage: Wie kam dir die Idee dazu?

IL: Die ursprüngliche Geschichte war anders, sie spielte in einem Waschsalon in Belgien, die Figuren waren dabei gleich alt und es ging um ein gebrochenes Herz. Aber dann kam eine Kritik eines deutschen Drehbuchautors, der meinte, ich solle die Altersdifferenz zwischen den Figuren vergrössern. Mit Lisa Blatte habe ich dann das Drehbuch entwickelt und immer wieder umgeschrieben. Die dritte Person kam am erst Tag vor Drehbeginn dazu.

ON: Du hast sicher schon oft den Vergleich mit Lost in Translation gehört?

IL: Jaaaaa...!

ON: War das unbewusste oder bewusste Absicht, oder einfach Zufall?

IL: Ich glaube, es war schon ein bisschen bewusste Absicht dahinter. Ästhetisch zumindest, vom Thema eher nicht, obwohl es in einem Hotel spielt: Doch ist dieses nicht in Japan, und mein Film hat auch ein klares Thema, im Gegensatz zu Sofia Coppolas Film, wo's ja primär um Stimmungen geht

ON: Aber in beiden Filmen geht es um die Liebe zwischen Alt und Jung?

IL: Ja das stimmt, aber bei ihr wird nur angedeutet und nichts radikal umgesetzt. Und ich muss ehrlich sagen, ich finde Lost in Translation wunderschön von der Ästhetik her, aber vom Inhalt her gefällt mir der Film nicht so. Aber ich finde Virgin Suicides super!

ON: Haben dich andere Filme besonders bewegt oder inspiriert?

IL: Jaa! Vor allem zwei Filme. Der erste ist Me and You and Everyone we know, weil er atmosphärisch, poetisch und originell ist. Und der andere ist Ko to tamo peva ein bosnischer Film aus den achtziger Jahren. Aber es gibt noch viele andere...

ON: Was war denn das Schwierigste beim Dreh?

IL: Die grösste Herausforderung war es, die beiden Mentalitäten, die schweizerische und die bosnische, zusammenzubringen. Aber das war recht lustig und hat gut funktioniert. Aber die Sprache war schon ein Problem, wir musste den ganzen Dreh mit "Action", "Cut" und auf Englisch führen.

ON: Wie bist du an Hauptdarstellerin Luna Mijovic aus Grbavica rangekommen?

IL: Ich hab sie einfach angerufen, mich mit ihr zusammengesetzt, ihr das Drehbuch gezeigt, und dann haben wir uns schnell geeinigt. Auch bezüglich Honorar.

ON: Ok, letzte Frage, wie siehts mit der Zukunft aus bei dir, hast du neue Projekte?

IL: Ja, einen Langspielfilm. Ich bin an einem Drehbuch, kläre im Moment aber noch die Rechte ab, denn es geht um die Verfilmung eines bestimmten Buches...

ON: ...das du hier nicht nennen willst?

IL: Genau!

ON: Kannst du uns einen Tipp geben?

IL: Es hat auch was mit Sarajewo zu tun, der Name kommt sogar im Titel vor. Aber ich werde sehen, ob das klappt. Sarajewo bleibt jedenfalls das grosse Thema, weil ich aus dieser Stadt komme und meine Kindheit dort verbracht habe, oder zumindest die Hälfte davon. Und ich habe auch immer noch das Bedürfnis, Filme über Krieg zu machen oder über Heimat und Identität.

14.09.2008 / han