The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)
Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia
Interview mit Ben Barnes

Ben Barnes
Mit seinen 26 Jahren ist Ben Barnes bereits ein altgedienter britischer Bühnendarsteller. Er studierte Schauspiel an der Kingston University und spielte zusammen mit dem National Youth Music Theatre in verschiedenen Produktionen mit. Vor kurzem feierte Barnes einen neuen Bühnentriumph und erhielt begeisterte Rezensionen für seine Rolle in Bennetts preisgekrönten Drama "The History Boys", das seine West End Premiere im Londoner Wyndhams Theatre feierte. In The Chronicles of Narnia: Prince Caspian spielt Barnes seine erste Hauptrolle in einem Hollywoodfilm.
OutNow.CH (ON): Wie war es für dich, die Welt von Narnia zu betreten? Hast du den ersten Film gesehen, bevor du mit dem Projekt konfrontiert wurdest?
Ben Barnes (BB): Ich sah ihn während ich vorsprach, es war beängstigend da es so riesig war und ich wusste, falls ich die Rolle kriege, wird es eine grosse Sache. Aber es war auch ein Ansporn, da alles so grossartig aussah.
ON: Wie fühlt es sich an ein Star zu sein?
BB: Es gehört zu einem Film wie diesem, man muss es nebenbei lernen. Es gibt Dinge, die man das nächste Mal wieder tun wird und andere nicht mehr. Es macht keinen Sinn etwas zu bereuen, denn das macht uns ja alles zu dem was wir sind. Aber natürlich will man, dass sich die Menschen den Film ansehen und sehen können, wie hart man dafür gearbeitet hat. Deshalb muss man es anpreisen, man sollte aber den Leuten, die das machen vertrauen können.
ON: Als du auf der Bühne warst, hast du darüber nachgedacht wie es wäre, vor der Kamera zu stehen?
BB: Ich habe aktiv jede Art von Schauspieljob verfolgt, den ich kriegen konnte. Ich habe für viel andere Filme vorgesprochen, nur nie die Rollen gekriegt (lacht). Und ich habe schon Filme gemacht, aber keiner hat sie gesehen. Einen davon werde ich bald am Edinburgh Filmfestival promoten, gedreht wurde er aber schon vor zweieinhalb Jahren.
ON: Wie waren der Casting-Prozess und das Vorsprechen?
BB: Es ging sehr schnell, ich war am Theater in London wo mich der Casting-Direktor sah und mich fragte, ob ich nicht vorsprechen will. Eine Woche später war ich bereits beim Screen-Test und noch eine Woche später hatte ich die Rolle. Sie riefen mich mitten in der Nacht an und ich war zuerst ziemlich verwirrt, rannte dann aber die Treppen rauf und runter so glücklich wie ich war.
ON: Klingt einfach, aber wie hast du sie überzeugt?
BB: Ich weiss nicht, mein genereller Enthusiasmus? Und ehrlich gesagt denke ich, dass ihnen die Zeit davon lief, sie brauchten einfach jemanden. Sie suchten ja nach einem mediterranen Typ, wieso sie also mich ausgewählt haben, keine Ahnung, aber ich bin froh, dass es der Fall war.
ON: Passt du ihn die Filmfamilie?
BB: Ja, ich habe eine Weile gebraucht, aber als sie feststellten, dass sie mich aufziehen und nerven können, war es lustig.
ON: Du scheinst wie die perfekte Besetzung?
BB: Oh, es gibt viele Leute die damit nicht einverstanden sind. Und besonders am Anfang habe ich sehr auf so was geachtet. Man erhält Kritiken und die Hälfte davon ist fantastisch, man wird gelobt und als wundervoll und bezaubernd bezeichnet und die andere Hälfte sagt, dass man Narnia ruiniert hat, schlecht und langweilig ist. Da fragt man sich die ganze Zeit: Wer hat Recht? Man muss an sich selber glauben und Vetrauen haben. Ich kam vor zwei Tagen von der Promotion des Films nach Hause und dort stapelt sich dieser riesige Posthaufen, das ist es was zählt, denn es bedeutet, dass sich die Menschen den Film anschauen. Es gab da dieses 14jährige Kind, das schrieb es hätte den Film zweimal gesehen und ihn geliebt und deshalb tut man es. Nicht wegen eines Kritikers irgendwo in Mittelamerika, der den Film sowieso nicht geniessen will.
ON: Was wirst du mit all der Fanpost machen?
BB: Nun, ich werde sicherlich einiges davon öffnen müssen, Fotos schicken oder keine Ahnung. Ich denke solche Sachen werde ich auch noch lernen.
ON: Gibt es jemanden, der dich auf solche Dinge vorbereitet?
BB: Ich habe ein sehr gutes Team von Leuten, einen Agenten und einen Manager mit dem ich mich sehr gut verstehe. Sie sind beide super indem was sie tun und kümmern sich sehr gut um mich. Schliesslich gibt es auch noch meine Familie
ON: Hast du dich daran gewöhnt dich auf riesigen Postern zu sehen?
BB: Nein, Skandars Mutter gab mir die Kopie des gestrigen Telegraphs mit einem Bild von mir auf der Titelseite und es fühlte sich so komisch an. Ich erinnere als ich meine Eltern und meinen Bruder mit an die Premiere in New York nahm und sie mich auf jedes Billboard aufmerksam machten an dem wir vorbei fuhren, wurden sie deswegen richtig aufgeregt.
ON: Wie steht es um die Spielsachen?
BB: Nun, das Videospiel kam gerade heraus und alle meine Freunde rufen mich an und sagen mir, oh ich habe dich schon wieder getötet, sogar Georgie macht das. Das Gleiche gilt für die Aktionfiguren, Leute machen sie kaputt und werfen sie im Zimmer herum, also ist das wohl mein Schicksal, irgendwo in einem Mülleimer zu landen, mit einem Arm.
ON: Gibt es einen Unterschied ob man in Klassikern oder modernen Sachen mitspielt?
BB: Es kommt auf die Geschichte drauf an und wie nahe man sich mit dem Charakter verbunden fühlt. Ich glaube es gibt einen Trend für Ultrarealismus, vor allem momentan mit all diesen realen Konversationen, aber ich denke man sollte nicht nur Realismus betreiben um Realismus zu betreiben. Ich meine, bloss Leute zu filmen, die herumsitzen und reden? Da könnte man auch ins Restaurant gehen und Leute filmen die essen und reden. Man muss aber jedes Skript und jeden Charakter anders betrachten. Bei Narnia weiss ich, wie ich mich gefühlt habe, als ich als 8jähriger die Bücher gelesen habe und ich weiss, was ich weitergeben will.
ON: Was hast du aus Narnia gelernt als du es gelesen hast? Was hat dich beeindruckt?
BB: Es ist diese magische, eskapistische Welt. Du möchtest Teil dieser Kreaturen sein, ich denke wenn man 8 Jahre alt ist, weiss man vielleicht nicht genau warum. Und man schaut sicherlich zu Peter dem älteren Bruder hoch und will ein bisschen sein wie er, teilweise natürlich auch, weil die Charaktere in England aufgewachsen sind. Lewis hat es so geschrieben, dass man einen Bezug aufbauen kann, schliesslich hat jeder einen Wandschrank zu Hause, aber es ist ebenfalls magisch genug um dahin zu entfliehen.
ON: Hast du den biblischen Teil gesehen?
BB: Ich denke heute tut dies jeder, aber in jenem Alter wusste ich nicht was es bedeutet.
ON: Was denkst du darüber?
BB: Die Hinweise sind sehr stark ja, wir hatten gerade eine lange Debatte darüber in einem anderen Interviewzimmer. Ich weiss allerdings nicht, ich glaube es gibt viele verschiedene Botschaften in den Narnia-Geschichten und es bleibt dem Leser/ Zuschauer überlassen welche auf ihn passt. Prinz Caspian ist eine komplexe Geschichte, da es um Glauben geht, aber ob es um Glauben in die Menschen um dich herum geht, Glauben an die Welt in der man lebt, Glauben an die Natur, Umwelt, ob man ihm einen Namen geben und ihn Gott nennen will? Vielleicht ist es auch nur Glaube an sich selbst? Ich denke alle diese Antworten haben die gleiche Berechtigung. Es bleibt nicht dem Autor überlassen, was für eine Botschaft in der Geschichte steckt, sondern dem Leser. Für mich waren die politischen Beziehungen sehr lebendig, aber komischerweise hat dies niemand aufgegriffen.
ON: Mochtest du das Techtelmechtel das in die Geschichte eingearbeitet wurde?
BB: Nein, ich hatte direkt gesagt, dass ich mir dessen nicht so sicher bin, denn es ist nicht im Buch drin also sollte man es nicht einfach hinzufügen. Aber wir sprachen darüber, dass die Charaktere älter werden und sich inmitten ihrer Pubertät befinden, speziell Susan und Peter, denn sie dürfen ja nachher nicht mehr zurück kommen, da sie bereits gelernt haben, was sie lernen können. Die Szene repräsentiert deshalb dieses Erwachsenwerden und ist nicht aus dem Kontext gerissen. Trotzdem war ich froh, dass es so subtil blieb.
ON: Und die Rivalitäten zwischen Caspian und Peter? Die sind ja auch nicht im Buch?
BB: Doch das ist im Buch drin, unauffällig, aber es ist da und man muss es den Leuten die das Buch nicht gelesen haben zeigen. Es hat mich auch gefreut, dass dies der Frustration über die eigenen Fehler entspricht, denn dies bedeutet, dass sie nicht perfekt sind, keine Superhelden, sondern einfach nur Jungs.
ON: Wie viel lernst du von den Schauspielern mit denen du arbeitest?
BB: Es war toll mit ihnen zu arbeiten. Ich denke ich habe das Meiste von Sergio gelernt. Wie er sich von Take zu Take verwandelt, manchmal lacht er, manchmal flüstert er, dann schreit er und man weiss nie was kommt. Deshalb muss man gar nicht wirklich schauspielern, sondern einfach nur noch darauf reagieren, was er tut.
ON: Wie behältst du die wechselnden Gefühle deines Charakter bei?
BB: Nun, ich denke er ist eine Person, die nie wirklich geliebt und behütet wurde. Er kommt von diesem militärischen Familienhintergrund und ist so gleichgültig.
ON: Hast du den Testosteronteil, den Kampfteil oder den emotionalen Teil bevorzugt?
BB: Der physische Part ist toll, macht Spass und gehört zum Job. Aber das war etwas, was ich noch lernen musste, also nicht der Grund wieso man mich für die Rolle ausgesucht hat. Deshalb waren die übrigen Sachen interessanter, denn da konnte ich wirklich zeigen, was ich kann.
ON: Du hast nun auf der Bühne und vor der Kamera gearbeitet, was bevorzugst du?
BB: Beides ist so verschieden, es fühlt sich also an wie zwei verschiedene Jobs. Beim Film dauert es ein Jahr um einen zweieinhalb stündigen Streifen zu drehen, auf der Bühne hingegen spielt man Tag für Tag dasselbe, hat Proben und man kriegt die sofortige Reaktion des Publikums. Andererseits bleibt der Film länger erhalten.
ON: Wie ist es, sich selbst auf dem Bildschirm zu sehen?
BB: Ich hasse es. Das erste Mal habe ich den grössten Teil des Films verpasst, da ich meine Augen mit meinen Händen bedeckt habe. Die Szenen wo ich nicht vorkam waren allerdings toll (lacht). Das zweite Mal habe ich es mehr genossen, den ich schaute mit meiner Familie, konnte mich mehr in der Story verlieren. Es ist schwer alles zu vergessen und sich nicht selbst in dem Charakter zu sehen.
ON: Du siehst Caspian nicht?
BB: Ich kriege kleine Einblicke, aber mein Caspian war Sam West 1989, deshalb stelle ich mir etwas anderes vor. Aber es ist eine Ehre der Caspian der anderen zu sein.
ON: Wie hat deine Familie auf das Screening reagiert?
BB: Sie waren total überwältigt. Meine Mutter sass neben mir und guckte immer zwischen Bild und mir hin und her, wusste nicht was sie sagen soll, ebenso meine Brüder. Sie waren komplett im Film versunken.
ON: Gibt es bereits Unterschiede, wie die Mädchen auf dich reagieren?
BB: Seit der Film raus gekommen ist, war ich nur unterwegs und habe für ihn geworben, deshalb hatte ich nicht wirklich die Gelegenheit es raus zu finden. Aber ich werde es mir anschauen und es bald erkunden gehen (lacht).
ON: Ist es nicht irgendwie schmeichelhaft?
BB: Natürlich! Ich verspreche das nächste Mal eine interessantere Antwort parat zu haben.
ON: Ist es auch erschreckend?
BB: Ein bisschen, aber ich lerne noch. Ich denke man muss damit vorsichtig sein,
ON: Freust du dich darauf zwei weitere Jahre mit Caspian zu verbringen?
BB: Glücklicherweise werde ich ein wenig Zeit dazwischen haben, wo ich was anderes machen kann, das ist schön. Aber natürlich freue ich, die Geschichte ist so anders und der Charakter ist reifer denn es ist ja wieder Zeit vergangen und er hat jetzt das Land ein Weilchen regiert. Er wird eher ein Mann sein. Ich musste noch nie in die gleiche Rolle zurückkehren, deshalb ist es sehr interessant.
ON: War es schön ins normale Leben zurückzukehren und Caspian zu verlassen?
BB: Ich habe es bis jetzt nicht getan also weiss ich es nicht. Ich denke es wird nie mehr ein normales Leben geben, aber wir werden sehen.






