The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)

Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia

Interview mit Andrew Adamson

Andrew Adamson

Andrew Adamson

Adamsons Regiedebüt mit Shrek schrieb Filmgeschichte, als es den ersten Oscar® in der neu geschaffenen Kategorie 'Bester animierter Spielfilm' gewann. Drei Jahre später folgte eine Fortsetzung: Shrek 2. Dieser Film gilt bislang als Hollywoods erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten und war mehrfach Oscar®-nominiert. Danach führte er bei Narnia 1 zum ersten Mal Regie in einem Realfilm, bevor er sich schliesslich entschied, auch bei Narnia 2 auch dem Regiestuhl Platz zu nehmen.

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OutNow.CH (ON): Sie haben entschieden Narnia für immer zu verlassen?

Andrew Adamson: Nein nicht für immer, ich werde es besuchen. Aber es ist definitiv Zeit, andere Dinge zu tun. Es wird hart sein sich zu verabschieden, sehr emotional, aber ich werde sie ja alle wieder sehen, die Schauspieler, den Produzenten. Der nächste Film beinhaltet Shootings in Neuseeland, dort wohne ich, also werde ich sie definitiv sehen.

ON: Das Casting von Ben Barnes, wir haben gehört es gab zeitlichen Druck?

AA: Nun, ich habe mir viel Zeit gelassen. Es war ähnlich wie beim letzten Film als ich vier Kinder finden musste, diesmal musste Ben ja zu den anderen Kindern passen. Ich suchte auf der ganzen Welt und wollte nichts unversucht lassen, es sollte sich dieses gewisse Gefühl einstellen. Als ich ihn dann in History Boys auf der Bühne sah wusste ich, das ist er. Es gab drei bis vier Leute, die in der engeren Auswahl standen, aber Ben kam dazwischen und zog allen davon.

ON: Wieviele Kinder haben sie gecastet?

AA: Ich traf mich mit etwa 15, aber gesehen habe ich hunderte.

ON: Sie haben zwei italienische Bösewichte im Film, eine Art Mafia wie bei Scorsese? Ausserdem hat mir Francesco erzählt, dass sie ihn schlussendlich nicht getötet haben, weil sie ihn zu sehr mochten?

AA: Das stimmt, denn in jedem Film, den er mit Sergio gedreht hat, wurde er aufgeschlitzt. Er kam zu mir und sagte, wie kannst du mich töten? Ich bin ein guter Typ, ich habe schlimme Dinge getan, aber bloss weil es mir befohlen wurde. Das ist eines der Privilegien als Regisseur, das ich über solche Sachen entscheiden kann. Sein Charakter war derjenige, den Peter vor der Schlacht töten sollte, aber wir alle mochten ihn zu sehr um ihn so sterben zu lassen. Es ist auch interessanter für die Geschichte, denn so haben wir eine Person, die realisiert, dass sie dem falschen Regime gefolgt ist und am Schluss die Seiten wechselt. Aber hat er ihnen auch erzählt, wie sehr er seine Entscheidung bereut hat? Er hatte nämlich noch einen anderen Film am Start, aber wir konnten ihn nicht gehen lassen, weil noch nicht alle Szenen gedreht waren.

ON: Interessant ist, dass ihre Gegenspieler alle eine grosse Ambiguität ausstrahlen. Sie sind 3-dimensional und am Ende mögen wir sie sogar, obwohl wir nicht verstehen warum. Die Ambiguität bleibt auch bis am Ende bestehen, wie arbeiten sie mit diesem Aspekt?

AA: Der Gegenspieler ist eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte und wenn er eindimensional ist, hat man auch eine eindimensionale Geschichte. Das Tolle ist, dass wir in diesem Film 3 Bösewichte haben, die interagieren. Man will herausfinden, wieso sie tun was sie tun. Ich denke, dass die meisten Bösen an das was sie tun glauben müssen, sonst sind sie nicht glaubwürdig. Ausserdem gibt die Tatsache, dass das Böse hier menschlich ist die Möglichkeit, mehr Politik in die Geschichte zu bringen, was ja im Buch auch drin ist. Das alles macht die Geschichte der Gegenspieler genau so interessant wie die der Helden.

ON: Was werden sie jetzt machen? Werden sie in die Ferien fahren? Leben?

AA: Leben, ja. Ich bin gerade dabei nach Neuseeland zurückzuziehen und das ist ein langer Prozess. Ich habe definitiv kein neues Projekt am Start, zum Unwillen meines Agenten. Ich halte alles von mir fern, habe nichts Neues mehr gelesen, damit ich einen klaren Kopf kriege.

ON: Für ein paar Wochen?

AA: Nein für mindestens ein Jahr. Ich habe ein Haus in Neuseeland und wir renovieren gerade. Es gibt also genug zu tun.

ON: Wie schwierig wird das für sie? Sie haben den ersten Film gemacht, dann der Vermarktung zugeschaut, dann noch einmal einen neuen Film gemacht und dann werden sie sich den dritten einfach im Kino anschauen?

AA: Es war interessant bei Shrek, denn da war ich auch sehr involviert, ich habe die Geschichte geschrieben und als ich dann bei Narnia einstieg, musste ich bei Shrek weiter und weiter in den Hintergrund treten. Ich war nicht mit allen Entscheidungen einverstanden, aber manchmal muss man halt einfach sagen, ja das ist jetzt anders. In gewissen Fällen denkt man, ok das ist besser, in anderen das ist schlechter, aber man muss den Film halt einfach ohne die ganze Erfahrung die man hat kucken. Shrek the Third war super für mich, da er endlich witzig war. Bei den vorherigen zwei habe ich die Witze geschrieben, sie hunderte Male gelesen, deshalb wurde ich im dritten Teil endlich überrascht.

ON: Denken sie dann, dass sie fähig sein werden, sich komplett vom nächsten Narnia-Shooting zu distanzieren, oder werden sie nach guten und schlechten Sachen suchen?

AA: Wissen sie, ich will komplett davon losgelöst sein. Ich werde definitiv vorbeischauen und alle besuchen, weil ich die Leute so mag. Die Herausforderung wird aber sein, meinen Mund zu halten. Besonders gegenüber Michael Apted, denn er wird die Dinge anders machen, schliesslich ist es sein Film.

ON: Wie schwierig ist es für eine "Mutter" ihre Kinder loszulassen?

AA: Ich weiss nicht, es gibt immer noch Dinge, die geregelt werden müssen, bis jetzt läuft es gut mit Michael. Er ist toll und meiner Position gegenüber sehr respektvoll. Er weiss dass ich diese Welt erschaffen habe und sie beschützen will. Andererseits würde ich meinen Job als Produzent nicht erfüllen, wenn ich bloss alles überstimmen würde, es ist eine Balancesache.

ON: Muss ein Regisseur also seine Unterschrift auf ein Werk setzen?

AA: Ich denke das muss er. Das Interessante hier ist, dass die Bücher sehr unterschiedlich sind. Das nächste spielt auf See und dreht sich um das entdecken von Inseln, visuell ist es also sehr verschieden, mit einer anderen Geschichte und neuen Charakteren. Selbst wenn ich den Film machen würde, wäre er anders. Ich denke das gibt Michael eine gewisse Freiheit, im Gegensatz zu beispielsweise Harry Potter, wo die Umgebung stets gleich ist. Die Kinder werden zwar älter, aber abgesehen davon verändert sich nicht viel.

ON: Wann wird dieser Job wirklich für sie enden? Nach der letzten Premiere? Nach der letzten Aufführung?

AA: Lacht: Ende Juli, bei der Premiere in Italien. Ich habe Francesco versprochen wenn es eine Premiere in Rom gibt, werde ich kommen. Allerdings habe ich nicht realisiert, dass die erst so spät ist. Deshalb werde ich gleichzeitig schon nach Neuseeland umziehen.

ON: Was ist für sie die Herausforderung der Modernität? Sie haben sich nun 11 Jahre lang mit Fantasy beschäftigt, haben sie nun Lust auf etwas Anderes?

AA: Ich möchte gerne etwas machen, wo die Menschen normale Klamotten tragen. Ich liebe Fantasy, die Tatsache dass man jedes Element selber kreiert. Bei Animationen ist alles überlegt und bewusst, nichts kommt von alleine, bei realen Filmen spielt die Umgebung eine Rolle, es geschehen Unfälle und Zufälle. Bei Narnia haben wir das Schloss selber gebaut, alle Kleider entworfen, denn man kann nicht einfach in einen Laden gehen und die Sachen kaufen. Ein Teil des eigenen Denkens geht deshalb beim Design drauf, was zwar toll ist, aber ich würde gerne etwas weniger Definiertes machen, wo es mehr Freiheiten gibt. Ich habe gelernt, dass ein Film wie ein Prozess ist, er entwickelt sich während des Schreibens. Bei einem Film wie Narnia entwirft man wirklich jedes Element, ich würde deshalb gerne mal etwas tun wo der Film von sich aus etwas mehr vorschreibt.

ON: Haben Sie Angst vor diesem neuen Projekt?

AA: Ich habe vor jedem neuen Projekt Angst, und wenn nicht, dann bedeutet das höchstwahrscheinlich, dass ich etwas falsch mache. Wenn man als Filmemacher wachsen will, muss man kontinuierlich die Hosen voll haben denke ich. Denn wenn man eine gewisse Menge an Erfolg hat, überlegt man sich immer, ob wohl der nächste Film genauso erfolgreich wird wie der letzte…

ON: Das wird wohl ein interessanter Prozess. Sie waren Pionier auf diesem Gebiet, wurden zur Autorität und jetzt müssen sie sich in einem anderen Genre neu anpassen?

AA: Wenn man wachsen will, muss man solche Dinge ausprobieren. Wissen sie, sie müssten eine Raupe fragen, sie solle den Schmetterling fragen wie er zum Schmetterling wurde, ich bin sicher es ist schmerzhaft. Ich fing mit Filmen an die ein mickriges Budget hatten und arbeitete mich hoch zu solchen mit kleinem Budget usw., dies bringt zwar Freiheiten mit, andererseits aber auch ein gewisses Diktat. Ich kann nicht alles haben was ich will und brauche und man arbeitet mit verschiedenen Grenzen, was zwar interessant ist, aber auch grausam sein kann.

ON: Mussten sie viel mit dem Sohn von C.S.Lewis zusammenarbeiten? Wie sehr fühlten sie sich durch ihn eingeschränkt?

AA: Gar nicht. Natürlich hat er eine gewisse Sichtweise bei gewissen Dingen, wo wir nicht übereinstimmten, aber nicht bei vielen. Er ist sehr stolz auf die Filme und glücklich mit ihnen. Das einzige, worüber wir je Streitgespräche geführt haben, ist die Stärke der weiblichen Charaktere. In den Büchern werden die Mädchen meiner Meinung nach als schwach dargestellt, Lucy vielleicht nicht so sehr, aber Susan definitiv. Und ich wollte sie nicht als schwachen Charakter darstellen.

ON: Fühlen sie den Druck sich selber erneut herauszufordern?

AA: Nun, die Frage ist, was die Herausforderung ist? Ich denke der Feind des Filmemachers ist der Druck an den Kinokassen erfolgreich sein zu müssen. Denn dann arbeitet man bloss für das Publikum und entwirft ein Produkt statt seiner persönlichen Kreativität zu folgen. Das ist einer der Gründe wieso ich für ein Weilchen von dieser Art von Film weggehe. Ich muss jetzt einen Film für mich machen, etwas persönliches, politisches oder eine Story, die mir etwas bedeutet und was auch immer das ist, es soll nicht darum gehen, wie viele Leute dann hingehen und es sich ansehen.

ON: Was finden sie an Filmen so anziehend?

AA: Als ich aufwuchs, war ich ziemlich gut in vielen unterschiedlichen Dingen, aber nirgendwo hervorragend, ich spielte Musik aber nicht so super, ich zeichnete aber nicht speziell toll, das gleiche galt für Fotografie. Ins Regie führen bin ich irgendwie hineingestolpert und habe gemerkt dass ich ganz ok darin bin. Die Kombination aller eben aufgezählten Dinge funktioniert für mich und ich kann ein wenig von jenem und ein wenig von diesem machen, mich parallel für alles interessieren.
Was ich ebenfalls mag ist, dass jeder Job absolut neu ist, man kann mit Menschen reden und erfährt Sachen, über die man sonst im normalen Leben nie stolpern würde. Ich war ebenfalls an einigen der schönsten Lokalitäten der Welt. All diese Veränderungen liebe ich.

ON: Worauf sind sie wirklich stolz?

AA: In diesen Filmen? Auf die Kinder, es mag ein bisschen kitschig klingen, aber wir haben eine Art Familie gebildet. Wir haben vier Kinder aus vier verschiedenen Teilen von Grossbritannien genommen, sie nach Neuseeland verschifft, an sehr abgelegene Orte, und sie haben sich zu einer Familie zusammengetan, mit mir als eine Art Vater. Und jetzt fühle ich mich auch wie einer. Als Georgie mir die CD ihrer Musik schickte, fühlte ich mich wie ein stolzer Dad. Sie sind alle sehr erfolgreich und ich bin stolz auf ihre schauspielerische Leistungen, aber auch auf das, was sie neben der Kinoleinwand erreicht haben. Skandar will vielleicht Medizin studieren, Anna studiert in Oxford Literatur, sie haben soviel erreicht.

ON: Und ihr Oscar für Shrek?

AA: Nun, das ist die Industrie. Es ist schön, wenn man anerkannt wird, aber es ist ja nur ein weiterer Preis. Schön, dass die Leute schätzen was man tut, aber das tun sie ja bereits indem sie sich den Film ansehen. Es geht also wirklich um die Beziehungen. Besonders stolz bin ich darauf, dass die Leute erneut mit mir zusammenarbeiten wollen. Ich liebe es, Spass zu haben und lustig zu sein.

ON: Wie wichtig ist Humor in ihrem Leben? Und in ihren Filmen?

AA: Ich denke es ist wichtig in meinem Leben, es ist wie eine Art Zerstreuer. Ich brauche ihn am Set wenn die Situation angespannt ist. Im Film ist es anders, dort kann Humor schneidend sein, politisch, ein sozialer Kommentar oder Stressabbau. So wie in diesem Film, weil viel Spannung herrscht und man, besonders bei jungem Publikum, vorsichtig sein muss, nicht zu lange intensive Momente zeigen sollte. Sonst wird es traumatisch.

ON: Ich spüre ihre Passion für Filme. Dieses freie Jahr, wird es zum Paradies oder zur Qual?

AA: Nein, es wird eine Weile zur Qual, aber das werde ich überstehen. Mein Agent sagt dasselbe, er glaubt nicht, dass ich es durchziehe, aber er weiss nicht wie faul ich bin. Es wird einige Anpassung benötigen, aber meine Frau ist es gewöhnt. Es ist, als ob etwas nicht mit mir stimmt, oder ich meinen Verstand verloren hätte, denn plötzlich bin ich nicht mehr das Zentrum der Welt, nichts ist mehr wichtig und keiner ist da. Ich werde eine kleine depressive Phase haben.

ON: Weshalb sind sie Regisseur geworden?

AA: Ich habe das nicht wirklich entschieden. Es war bloss eine Reihe von Zufällen. Sicher gab es Filme, die einen Einfluss auf mich hatten, trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich mal Regisseur werde. Zuerst wollte ich Mechaniker sein, dann entschied ich mich Architektur zu studieren, habe aber die Einschreibung verpasst. Deshalb musste ich etwas finden, was ich in der Zwischenzeit machen konnte. So kam ich mit Computern in Berührung und somit fing es an. Ich arbeitete an Werbung, zog in die USA und begann an computeranimierten Filmen zu arbeiten.

ON: Sie sind in Neuseeland geboren, wuchsen aber in Portland auf. Was haben sie da gemacht und wie hat sie diese Zeit beeinflusst?

AA: Es war meine wichtigste Zeit, denn ich war da als ich 11 -18 Jahre alt war. Es ist der Ort, den ich am meisten als Zuhause bezeichne, ich fühlte mich verbunden. Aber es hat sich so sehr verändert. As ich Narnia drehte und die Pevensies gehen zurück dahin und alles ist so anders, konnte ich mir das genau vorstellen, denn für mich und Portland war es genauso. Ich fühlte mich nicht mehr so frei, es gibt jetzt viel Gewalt und vieles ist gefährlich. Es ist dieses verlieren der Kindheit, was ich im Buch wieder fand. Ich hatte eine sehr freie und unkontrollierte Erziehung, es war also eine spezielle Zeit.

ON: Wie sehen sie die Zukunft von Computeranimationen?

AA: Sie stagniert gerade ein wenig, denn als wir dahin gelangten wo wir jetzt sind, wo wollen wir von da aus noch hingehen? Nun wird sich alles um die Geschichten drehen. Es gibt immer wieder Zeiten in der Geschichte des Films wenn eine neue Technologie aufkommt und Filme nur aufgrund der Technologie produziert werden. Dann kommt der Punkt wenn die Leute das Interesse verlieren und die Geschichten wieder in den Mittelpunkt rücken. Computeranimation werden einfach schneller und effizienter werden, was die Kosten senken wird, aber das ist alles.

ON: Wie steht es um 3D?

AA: Es ist interessant, ich freue mich zu sehen, wie es funktionieren wird. Es werden bald viele grosse Filme in 3D realisiert und ich warte gespannt inwiefern es zu einer neuen Spielerei wird. Offensichtlich sind Investoren und Kinobesitzer daran interessiert, denn es ist schon eine einmalige Erfahrung, die man zu Hause nicht haben kann. Wenn es also funktioniert, heisst es, dass wieder mehr Leute ins Kino gehen werden, und es wird keine Piraterie geben.

ON: Wären sie daran interessiert bei einem 3D Film Regie zu führen?

AA: Nun, ich hatte es mir überlegt Narnia in 3D zu machen, aber mit der Zeit die uns zur Verfügung stand gab es keine Möglichkeit es durchzuziehen. Es gibt viele Herausforderungen beim Dreh und die visuellen Effekte sind noch aufwändiger, sehr kompliziert. Auch sollte die Story das Wichtigste bleiben, deshalb stellt sich mir die Frage inwiefern die Leute um sich herum schauen werden statt das zu verfolgen was passiert. Sie könnten die Wichtigen Dinge verpassen und ich finde die Technik sollte nicht ablenken.

29.07.2008 / pj, kat