The Nanny Diaries (2007)

Interview mit Shari Springer Berman und Robert Pulcini

Mit grossen Namen wie Scarlett Johansson, Alicia Keys, Laura Linney und Paul Giamatti im Angebot, erstaunt es ein wenig, dass es mehr als zwölf Monate dauert, bis es The Nanny Diaries in die Schweizer Kinos schafft. OutNow.CH sprach mit den beiden Regisseuren, dem Ehepaar Shari Springer Berman und Robert Pulcini (American Splendor) bereits letzten September anlässlich der Europa-Premiere des Films am Filmfestival von Venedig.

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OutNow.CH (ON): Wie realistisch ist die filmische Schilderung der Upper East Side in The Nanny Diaries?

Robert Pulcini (RP): Es ging uns nicht wirklich um eine wahrheitsgetreue Schilderung, nicht um puren Realismus. Es ist mehr wie ein Märchen. Aber es ist interessant festzustellen, wie extrem und abgeschottet diese Gemeinschaft sein kann.

ON: Ist das die Gesellschaft, in der ihr euch bewegt?

Shari Springer Berman (SSB): Ich kenne Leute aus dieser Gesellschaft, aber ich würde sie nicht als meine engsten Freunde bezeichnen. Wir leben auf der West Side, die durch den Central Park von der East Side getrennt ist. Wir konnten also einfach durch den Park gehen und die Leute dort drüben beobachten. Ich habe auch Freunde, die in dieser Welt aufgewachsen sind – der Vater eines Freundes beispielsweise ist sehr reich und hat ein riesiges Apartment an der Park Avenue.

ON: Gibt es wirklich Nanny Trainingsstunden oder habt ihr das erfunden?

"Magst n' Bier?"

"Magst n' Bier?"

RP: Natürlich haben wir etwas übertrieben, aber ich denke schon, dass das möglich wäre.

SSB: Es existiert tatsächlich eine Gruppe, die viele unterschiedliche Kurse anbietet, wo man darüber spricht, wie man mit Nannies umgeht, wie man sie anstellt und so weiter. Es ist ein sehr exklusiver Kreis von Leuten, denen es darum geht, die richtige Schule für das eigene Kind zu finden – denn das ist in New York City verrückt. Die Privatschulen sind sehr teuer und unglaublich konkurrenzbetont. Die Leute sorgen sich um die Einschulung ihrer Kinder bevor die überhaupt schon geboren wurden. Eigentlich geht der Antragsstellung an die Schulen bereits im Spital nach der Geburt des Kindes los.

ON: Ihr habt selber einen Sohn und auch eine Nanny. Was meinte sie zum Film?

SSB: Sie hat ihn noch nicht gesehen. Sie hütet meinen Sohn zu Hause, sonst könnten wir unsere Arbeit nicht machen.

RP: Sie hat mich nach einer DVD gefragt, aber ich möchte, dass sie den Film auf der Kinoleinwand sieht.

ON: Wie alt ist euer Sohn?

SSB: 11 Monate

Stolze Eltern

Stolze Eltern

ON: Das heisst, ihr habt sozusagen während der Schwangerschaft und der Geburt gearbeitet?

SSB: Nun, wir haben ihn aus Guatemala adoptiert. Um ihn sehen zu können, reisten wir also nach Guatemala während der Filmaufnahmen – das war ein ziemlicher Stress.

ON: Glaubt ihr, dass Nannies eine Lobby brauchen?

RP: Das ist eine gute Frage, denn Nannies werden oft argwöhnisch betrachtet. Es gibt in New York tatsächlich so etwas wie Nummernschilder für Nannies. Wenn eine Mutter eine Nanny sieht, die sich nicht wirklich um das Kind kümmert, kann sie ihre Nummer aufschreiben und via Internet über diese Nanny Bericht erstatten. Eine seltsame Angelegenheit. Wenn du der Person, die sich um dein Kind kümmert, nicht traust, solltest du sie nicht anstellen.

SSB: Es gibt auch eine Art Nanny-Organisation. Das Problem – zumindest in New York und ich nehme an in anderen Städten der USA ebenfalls – ist nur, dass die meisten Nannies illegale Immigrantinnen sind. Deshalb bekommen sie keinerlei Schutz. Sie fürchten sich einfach nur davor, des Landes verwiesen zu werden, weil die Immigrationsgesetze sehr strikt sind in den USA. Deshalb ist es schwierig für Nannies, sich zu organisieren.

ON: Laura Linney spielt im Film eine sehr unsympathische Rolle. Wie ging sie damit um?

RP: Als Schauspielerin mag sie es, eine solche Rolle zu spielen. Dennoch war es ihr wichtig, dass man gewisse Sympathien für diese Person hegt – obwohl sie wirklich eine Katatstrophe ist. Man erfährt, dass sie früher ihr Leben lebte. Man sieht, dass sie auf eine tolle Universität gegangen war und dass sie in einer sehr angesehenen Kunstgalerie gearbeitet hat – dann aber zerfiel diese Identität, als sie sich selbst aufgab für ihren Mann. Ich denke, Laura fand in dieser Entscheidung die Menschlichkeit ihrer Rolle.

ON: Scarlett Johansson hat bisher noch nicht in vielen Komödien mitgespielt. Was überzeugte euch von ihrem Talent hierfür?

"Kaffee, jetzt!"

"Kaffee, jetzt!"

SSB: Wir haben Scarlett bereits für ein anderes, nicht realisiertes Projekt vor diesem Film kennengelernt. Sie ist unglaublich lustig und hat einen wunderbaren Sinn für Humor. Sie ist auf eine natürliche Weise lustig. Sie ist nicht die Scarlett, die man sich vorstellt, wenn man sie auf dem roten Teppich sieht. – Weisst du, wer auch extrem lustig ist? Alicia Keys. Sie kann sehr gut improvisieren. Auch sie ist sehr humorvoll.

ON: Weshalb habt ihr aus Paul Giamattis Teilnahme im Film ein Geheimnis gemacht?

RP: Er ist eine Art Metapher für den abwesenden Vater. Man sieht ihn nie wirklich und obwohl die Nanny darum kämpft, ihn sehen zu können, sieht sie nie sein Gesicht. Es geht auch um ein Überraschungsmoment, wie Paul im Film aussieht. Wenn man etwas von diesem Mann hört, fragt man sich, wie er ist und wie er aussieht. Diese Typen, diese „masters of universe" sind oft sehr untersetzt.

SSB: ... man denkt, sie sehen fantastisch aus, aber das tun sie überhaupt nicht

ON: Der Film scheint ziemlich teuer gewesen zu sein. Ihr hattet Computertricks, was eigentlich unüblich ist in einer romantischen Komödie.

RP: Nun, eigentlich ist der Film nicht sehr teuer, er bewegt sich im Rahmen von 20 Millionen Dollar, was für Hollywood sehr billig ist. The Devil wears Prada war vermutlich doppelt so teuer. Was für uns zählt, sind filmische Elemente – wir wollten diese traumhafte Vison von Manhattan zeigen, die man in alten Filmen wie Breakfast at Tiffany’s sieht. Zudem schauten wir uns mehrmals Mary Poppins an. Wir wollten die Farbigkeit von Mary Poppins ins heutige Manhattan bringen.

SSB: Wir sind stolz, dass wir es geschafft haben, viele dieser Effekte reinzubringen und trotzdem die Kosten tief halten zu können.

ON: Nerven euch die Vergleiche mit The Devil wears Prada ?

Das Paar beim Sundance Festival

Das Paar beim Sundance Festival

RP: Nein, eigentlich nicht. Es ist ein Film aus dem "Chick Lit"-Genre (Bücher über berufstätige Zwanzig- bis Dreissigjährige). Es gibt noch einen weiteren Film dieser Art: In her Shoes mit Cameron Diaz. Diese Filme haben einige Dinge gemeinsam. Da wäre die Sache mit den Schuhen und immer ist es eine junge Frau in einer Stadt, die rausfinden will, wer sie ist, vor allem durch Arbeit. Oder die Themen von Frauen und Power oder Frauen, die in ihrem Leben falsche Entscheidungen getroffen haben und nun damit umgehen müssen. Deshalb stört es uns nicht, wenn unser Film mit anderen Filmen verglichen wird.

ON: Was meinten die Autoren der Romanvorlage zum Film?

SSB: Sie haben uns geschrieben, sie seien sehr zufrieden mit dem Film. Sie schreiben auch selber Drehbücher, deshalb sind sie sich bewusst, dass man Vieles ändern muss, wenn man aus einem Buch einen Film macht. Deshalb nahmen sie unsere Änderungen gelassen – sie mochten den Film sehr!

12.05.2008 / rm, sst (Übersetzung)