James Bond - Quantum of Solace (2008)
James Bond 007 - Ein Quantum Trost
Premierenbericht: Craig ging die Luft aus
Promi-Tsunami an der Bond-Premiere: Die Schönen und Reichen kamen in Scharen, nur Daniel Craig blieb zuhause.
Die Nachricht war schon eine kleine Sensation: Nicht Zürich oder Genf würden Stätte der Schweizer Bond-Premiere Quantum of Solace sein, sondern Emmen. Was viele Journis gleich in die Location-Recherche trieb. Wo ist Emmen? Google-Maps und die netten Leute von Disney konnten helfen. Aha, Innerschweiz, aha, MaxX. Der Premieren-Palast wurde dort vor rund 10 Jahren aus dem Boden gestampft, damals noch vom Innerschweizer Kino-Tycoon Georg Egger. Ein Multiplex mit Synchronisation-only Attitüde, den der anspruchsvolle Innerschweizer Kinogänger tunlichst ignorierte.
Seit 2007 gehört das MaxX nun der Zürcher Kitag-Gruppe; dies mag wohl auch ein Faktor gewesen sein, weshalb die Luzerner Agglo schlussendlich zu ihrer verlängerten Viertelstunde Ruhm kam. Desweitern gab sich Luzern Tourismus sehr engagiert, den Zuschlag für diesen Anlass zu erhalten. Das KKL war dabei ursprünglich die erste Wahl, stellte sich aber als ungeeignet heraus.
So schlängelte sich also am Dienstag der rote Teppich ins Innere des sonst so gänzlich glamour-freien MaxX. Unzählige Schaulustige drängelten sich hinter den Absperrgerüsten; bei den Journalisten und Fotografen sah es kaum anders aus. Nur im Sektor 8, wo der OutNow.CH-Reporter stationiert war, gab es Platz zum Verschwenden. Kommt dazu, dass dieser Sektor sich im Entrée befand, man also nicht frieren musste, dafür aber auch nichts von der Stimmung draussen mitbekam. Auf den Bildschirmen gab es Sven Epiney und Claudia Lässer bei der engagierten Moderation zu sehen, doch anstelle des Tons wurde der üble und übliche MaxX-Charts-Mix in den Raum versprüht.
Um 17 Uhr kamen die ersten der rund 1200 geladenen Gäste: Korrekt gekleidete Männer mit ihren herausgeputzten Damen, die gerne Bein zeigten und gerne, aber nicht nur Schwarz trugen. Gesichter ohne Wiedererkennungswert, denn kein wahrer Promi würde sich den Fehler erlauben, bereits so früh zu erscheinen. Die Journalisten liessen die Geladenen also eifrig passieren und diskutierten relevanteres. Daniel Craig habe anscheinend die Pest, nein, eine Bronchitis, aber egal. Sein Auftritt sei gefährdet. Bad news indeed, doch nicht der Super-GAU, denn unser Schweizer Marc Forster gab sich bereits an der Pressekonferenz ziemlich fidel und würde ganz sicher über den Teppich schreiten.
Der hingegen zeigte bereits nach einigen High-Heels Tritten erste Wölbungserscheinungen. Vielleicht war es auch die für ihn eher ungewohnte Umgebung – jedenfalls zeigte er sich gegenüber dem Zurechtrücken der Crew überaus unkoorperativ. Noch vor dem Beschreiten des Bond-Stabs wurde er nochmals mit Gaffa zu Recht gewiesen. Gut möglich, dass es sein letzter grosser Auftritt war. Launische Diven kann man bei so einem Event nicht gebrauchen.
Dafür aber Ex-Missen. Gleicht sieben kamen vorbei: Bianca Sissing mit Power-Make-Up, Tanja Gutmann mit hemmungsloser Ausstrahlung, Fiona Hefti im diskutablen Hippie-Look, dazu Melanie Winiger (die auf der Gästeliste als einzige Ex-Miss als Tätigkeitsfeld „Film“ anstatt „Miss Schweiz XXXX“ stehen hatte), Jennifer Ann Gerber, Anita Buri und Mahara McKay. Die konnte in der Kategorie „Coolster Begleiter“ punkten. Ihr amerikanischer Freund Roman Brown trug einen Bart wie ein Waldschrat und das Hemd draussen – und wählte ganz sicher Obama. Den Trick mit dem Hemd sah man auch bei Jürg Marquard – wohl eher notgedrungen und bar jeder Lässigkeit.
Während die Promis um etwa 18 Uhr nur noch so reinströmten, konnte man bereits Marc Forster und Anatole Taubman auf den Bildschirmen herumrennen sehen – aber keinen Daniel Craig. Der Mann, der in den Filmen so unzerstörbar wirkt, der immer das letzte gibt: Er hätte es auch hier gegeben. Doch der Promo-Marathon dieser berühmtesten Franchise der Welt klopft den härtesten Mann weich. Auch darum will Forster keinen weiteren Bond mehr machen. „Diese Marketing-Maschinerie habe ich komplett überschätzt. Seit eineinhalb Jahren habe ich keine Freizeit, kein Leben mehr. Alles dreht sich nur noch um Bond. Als nächstes will ich mich wieder einem kleineren Projekt widmen“, meinte er an der Pressekonferenz.
Wenn kein Craig, dann ein anderer Mann seines Formates. Jürg Abderhalden, ein ziemlicher Kasten, strich heraus, dass er sein eigenes Bond-Girl dabei habe. Man wollte ihm nicht widersprechen. Lustig auch immer wieder die Frage nach dem Lieblingsbond. Tom Lüthis Favorit: „Die Frage hat man mir vorher bereits gestellt“ (auch eine Antwort). Peter Saubers liebster Bond: „Sean Connery, aber erst in seiner zweiten Phase“ (ein wahrer Kenner). Tanja Gutmann: „Pierce Brosnan. Aber mein Freund ist mein Held“ (fast von Bond-Charme). Auch Joel Basman hätte man gerne gefragt, aber da die Geladenen ab 18.30 Uhr hintendurch umgeleitet wurden, und der Lärmpegel von der schillernden Apero-Front sich mehr und mehr Düsentriebwerk-ähnlich anhörte, lagen Quotes nicht mehr drin. Die wichtigen Leute wurden natürlich trotzdem bei uns durchgelassen.
Richtig interessiert gab sich die Medienschar natürlich bei Taubman und Forster. Erstgenannter kam mit Perret und leuchtenden Augen. Auch wenn sein Part im neuen Bond-Abenteuer sehr limitiert ist, sprach er von einer sensationellen Erfahrung. Und lüftete das Geheimnis seines grossartigen Film-Eintritts: „Marc meinte, ich soll in meiner ersten Szene mit meiner Mutter reden. Aber es war Mathieu Almarics Idee, es auf Schweizerdeutsch zu tun!“
Die Mikrophon-Traube schlechthin konnte Forster für sich buchen. Jeder wollte was von ihm hören. Dem leistete er Folge, bis die Stimme brach – der Mann quasselt gezwungenermassen seit Tagen am Laufmeter. Als er endlich am Ende des Teppichs angekommen war, wurde er von den Gästen bestaunt. Jeder dachte wohl, wie toll es ist, zusammen mit Marc Forster im Kino zu sitzen. Nur verliess der Stab das Kino sogleich durch den Hintereingang Richtung Flughafen, um gleich zur nächsten Premiere zu jetten.
Es wurde Zeit aufzubrechen, da kam ein Mann vorbei, der den roten Teppich „überlebt“ hatte: Moritz Leuenberger. Tele Tell und Radio NRJ hatten weder Wasserballons noch Kuchenstücke mitgenommen, um sich in gezügelter Bond-Manier für deren Konzessions-Entzüge zu rächen. Leuenberger, mit Krawatte anstatt Fliege, gab den Strahlemann und freute sich sichtbar bübisch auf den härtesten Bond aller Zeiten. Währenddessen der härteste Bond aller Zeiten im Bett lag und wohl auch ein bisschen froh war, dem unsäglichen Trubel wenigstens ein Tag entsagen zu können.






