Tell (2007)

Interview mit Christian Tramitz

Christian Tramitz

Christian Tramitz

Mit Tell kommt nach Breakout Mike Eschmanns dritter grosser Spielfilm in die Kinos, der die Geschichte unseres Nationalhelden Tell sehr frei interpretiert und dabei auch andere "historische" Gestalten, wie Sissi und Helvetia in einer Parodie vereint. Mit Christian Tramitz, der die Rolle von Rudolf "der Harras" übernimmt, spielt der Grossen des deutschen Comedys mit. Christian Tramitz hat nicht nur in Bullyparade mitgewirkt, sondern war auch in Schuh des Manitu, Sieben Zwerge 2 und Traumschiff Periode 1 im Kino zu sehen. Das Interview fand in einem der vielen Hotelzimmer von Sihl City statt und ging nach einer kurzen, unkomplizierten Vorstellung auch gleich los.

OutNow.CH (ON): Kanntest du die Geschichte des (echten) Willhelm Tells vor den Dreharbeiten?

Christian Tramitz (CT): Ja, aber den echten Tell gab es ja gar nicht, den hat Schiller erfunden. In der Schule haben sie uns damit gequält, ich fand dies immer furchtbar. Das einzige, was ich damals als Schüler lustig fand, war diese Apfel-vom-Kopf-Schiess Geschichte, wobei dann der zweite Schuss den Gessler gekillt hat. Überhaupt finde ich, dass diese soziale Problemgeschichte zu früh durchgenommen wird in der Schule, bei mir war dies jedenfalls so.

ON: Wie waren die Dreharbeiten mit den "elenden Fonduefressern"?

Die drei ???

Die drei ???

CT: (Lacht) Ja, ich habe befürchtet, dass ich nach dieser Rolle Einreiseverbot in die Schweiz kriege, wobei ich gar nicht wusste, dass auch ein gewisses Neckverhalten besteht zwischen den Österreicher und den Schweizern. Du meinst jetzt spezifisch die Zusammenarbeit mit der Schweizer Filmcrew? Ja, da kann ich ohne Schleimerei sagen, es war super angenehm. Das kam vor allem von einem gravierenden Unterschied, dass die Schweizer im Gegensatz zu deutschen Filmteams viel mehr Wert aufs Essen legen. Das Catering ist besser und das beherrschende Thema am Set war, so ab drei Uhr am Nachmittag, wo gehen wir am Abend essen? Das kommt mir wahnsinnig entgegen und daher dachte ich auch nach etwa einer Woche: "ich drehe ab jetzt noch Filme in der Schweiz". Ich weiss jetzt nicht, ob der Film toll ist oder nicht, aber rein von der Arbeit her war es wirklich sehr angenehm. Also jederzeit wieder (lacht).

ON: Wenn so viele Komiker und lustige Menschen aufeinander treffen, ist da Ramba-Zamba am Set oder geht's doch einigermassen gesittet zu und her?

CT: Es wird immer wieder überschätzt, dass, wenn viele "Comedians" am Start sind, gleich die Hölle los ist. Natürlich war es lustig, doch es kommt auch stark auf die Mitwirkenden an. Axel Stein kannte ich vorher, zum Beispiel, noch nicht als Kollegen und Mike Müller lernte ich erst am Set kennen. Mike war übrigens eine Offenbarung für mich, er ist für mich die Idealbesetzung für Tell. Besonders von der Erscheinung her und natürlich, weil er ein sehr guter Schauspieler und ein sehr, sehr angenehmer Menschen ist. Das hilft natürlich bei so Filmprojekten, wo es bei gewissen Szenen stark aufs Timing ankommt. Um auf die Frage zurück zu kommen, natürlich waren es lustige, aber auch sehr lange und auch anstrengende Drehtage, doch wenn eine angenehme Atmosphäre hat, stört mich das weniger. Das muss ich auch dem Regisseur Mike Eschmann anrechnen, weil er auch sehr geduldig ist und das strahlt natürlich aus.

ON: Du hattest in deiner Rolle viele Szenen mit Udo Kier. Merkt man ihm an, dass er in Hollywood einen guten Namen hat?

CT: (Sofort) Überhaupt nicht, überhaupt nicht. Er war wirklich der verrückteste Hund bei der ganzen Dreherei. Er ist ja schon weit über 25, aber so was von gut drauf. Auch nach den Dreharbeiten am Abend beim Ausgang oder beim abendlichen Weinglas war Herr Kier absolute Spitze. Mit keiner Faser hat er da durchblicken lassen, dass er schon mit Andy Warhol gearbeitet oder anderen grossen internationalen Produktionen mitgewirkt hat. Hoch kameradschaftlich und für alles zu haben. Dies hat man nicht immer bei solchen Leuten.

ON: Wie ist denn das nun mit den Österreichern und Schweizern. Hat man am Set etwas von dieser Rivalität gemerkt, gab es irgendwelche Sticheleien?

"Das bin ja ich!"

"Das bin ja ich!"

CT: Überhaupt nicht, überhaupt nicht. Ich bin ja ein Deutscher, der einen Österreicher spielt und auch sonst gab es sehr viele "falsche Österreicher", daher konnte dies wohl gar nicht aufkommen. Aber es war wohl auch eine Glückssache, dass so viele Leute zusammen gekommen sind, die gut miteinander auskommen. Ich habe auch schon das Gegenteil erlebt, wo es schreckliche Dreharbeiten waren und das Endresultat gut war und es gute Dreharbeiten waren und der Film schlecht. Doch ich habe es lieber, wenn es harmonisch abläuft am Set. Bei Tell gab es wirklich keine solchen Sticheleien, die sind schon im Drehbuch so extrem ausgearbeitet, dass dies wohl gar nicht mehr nötig war. Gibt es eigentlich noch Österreicherwitze die die Schweizer erzählen?

ON: Ja, aber die sind schon so steinalt und verstaubt, man schämt sich, sie aus der verstaubten Ecke wieder ans Licht zu zerren, weil die sowieso schon alle Kennen.

CT: Ja, aber eine gewisse Rivalität der Alpenländer wird es wohl immer geben. Wer kriegt die meisten Skifahrer ...

ON: und wer überhaupt bei den Skifahren gewinnt ...

CT: (lacht) Ja, das muss ich den Österreicher zugestehen, die bügeln ja im Moment alles weg. Aber die Schweizer kommen wieder. Beim Riesenslalom letztes Jahr waren sie, glaub ich, recht gut.

ON: Um was beneidest du die Schweizer? Und um was sollten wir euch Deutsche beneiden?

CT: Also, um was ich die Schweizer beneide ist das Essen, der Kaffee ist besser, die Schokolade ist besser - ich fahr jetzt erstmals die ganzen Klischees ab. Die Schweiz, und da beneide ich euch am meisten, hat ein viel grösseres Skigebiet als Deutschland. Ich kann mich nicht beklagen, Bayern ist auch ganz weit vorne, aber als begeisterter Skifahrer kann ich mich in der Schweiz ja zu Tode fahren. Ansonsten, um was könnt ihr Deutschland beneiden: ihr habt keinen Euro. Das finde ich ganz toll, ihr Schweizer lässt euch von der EU einfach nicht unterkriegen und krallt euch wie eh und je an den Franken. Dennoch muss ich gestehen, dass ich von der Schweiz leider gar noch nicht soviel gesehen habe. Ich war einige Male in Zürich, doch ich sehe nur Hotelzimmer und die Taxis davor. Gerne würde ich einmal über den Zürichsee tuckern oder mir einmal die Innenstadt anschauen.

ON: Du bist aus Bullyparade und den daraus entstandenen Kinofilmen eher in komödiantischen Rollen bekannt. In Tell spielst du den Bösewicht. Wieviel Einfluss hattest du selber auf die Rolle? Kriegt man in einer solchen Rolle die Chance, aus dem bekannten Schauspiel-Schema auszubrechen?

"Wo ist mein Lipgloss?"

"Wo ist mein Lipgloss?"

CT: Im letzten Jahr nach Tell habe ich primär ernsthaftere Projekte in Angriff genommen, wie zum Beispiel das Vaterspiel und arbeite gerade an einer Falco Biographie, also eigentlich alles ernste Rollen. Zu deiner Frage über das Einbringen. Man überlegt sich natürlich immer etwas, aber letztendlich sagt der Regisseur "Ja das kann man ausbauen" oder er hat sich etwas ganz anderes überlegt. Im zweiten Fall hat man Pech gehabt und dann muss man sein ganzes Rollenbild umstrukturieren. Daher gehe ich eher neutral an die Vorbereitung heran und lerne einfach erstmals den Text, dann ist man nicht so festgelegt. So kann man fragen, jo wie hast du den dir vorgestellt, ist der Typ eher extrovertiert oder introvertiert, eher laut oder doch eher leise. Wenn man sich dies schon zuvor alles überlegt hat, ist es sehr schwer, wieder da raus zu finden, wenn sich der Regisseur etwas anderes überlegt hat. In Fall von Tell war es nicht übermässig kompliziert einen Bösewicht zu spielen. Eine typische Schurkenrolle ist einfacher zu spielen, da man viel mehr Möglichkeiten, hat als bei einem Gutmenschen, der in sich selber verliebt ist. Ich persönlich habe die Schurkenrollen immer lieber gespielt und in meinem fortgeschrittenen Alter kriege ich Gott sei Dank nicht mehr so viele Liebhaberrollen. (lacht)

ON: Was ist für dich Humor? Würdest du einen Film wie "Tell" auch privat anschauen gehen?

CT: Ich bin persönlich nicht so ein Fan dieser Regionalisierung. Das ganze ist inzwischen so kompliziert geworden, dass es sich kaum mehr entschlüsseln lässt. Der deutsche Humor funktioniert nicht mit dem schweizer Humor, während der bayrische Humor wiederum sehr gut funktioniert. Die Schweizer sind in sehr kritisch, was den Deutschen Humor anbelangt. Der Schuh des Manitu hat eigentlich sehr gut in der Schweiz funktioniert, da es wohl auch eher Bayrischer Humor drin hat, doch die Schweiz hat ein sehr eigenes Gespür was sie lustig finden. Darum haben auch Filme wie Achtung fertig Charlie so gut funktioniert. Diese Unterschiede sind auch gut so, und man kann die Leute auch kaum umerziehen. Der Britische Humor hingegen ist da meiner Meinung nach um einiges weiter. Er ist schwärzer er ist brutaler. und da ich mir vom Comedybereich sehr viel von da angucke wird dies offensichtlich: Da wird schon beim Morgenessen über Magenkrebs und künstliche Darmausgänge diskutiert. Dies wird einfach zum Thema gemacht und diskutiert, nicht so wie bei den haudrauf Komödien, wo das Publikum auf Kommando zu lachen hat. Es geht in eine ganz andere, viel feinere Richtung und da sind sie uns definitiv voraus.

ON: Dein nächstes Projekt ist Lissi und der wilde Kaiser, das aus der "Bullyparade" bekannt ist. Können wir mit noch mehr Umsetzungen dieser TV-Show auf Grossleinwand rechnen? Nach Manitu, dem Traumschiff und jetzt Lissi?

Kein Fonduefresser!

Kein Fonduefresser!

CT: Nein, ich glaube jetzt ist wirklich gut. Der Bully hat diese Adaption als 3D-Animation gemacht, wahrscheinlich hatte er Angst von den Liebesszenen mit mir, wenn wir dies real gedreht hätten (lacht). Aber ich glaube nach Schuh des Manitu und der Verfilmung der Traumschiff Crew ist dies die letzte Möglichkeit, noch eine abendfüllende Verfilmung zu bieten. Die anderen Möglichkeiten sind ja A nicht so bekannt geworden und B eignen sie sich nicht wirklich, einen 90-Minüter daraus zu machen.

ON: So jetzt noch zu den Pop Up-Fragen. Ich gebe dir ein Stichwort und du sagst, was dir in den Sinn kommt:

CT: Alles klar.

ON: Fussball-Europameister 2008

CT: Endspiel Österreich-Schweiz

ON: Fondue

CT: Weihnachten

ON: Mike Müller

CT: genial

ON: Der Schweizer Film

CT: Die Sachen, die ich kenne, sind sehr speziell, sehr interessant.

ON: Hollywood

CT: möchte ich nicht hin.

ON: Österreicher-Witze

CT: sind vorbei

ON: OutNow.CH

CT: Och du liebe Zeit, ich habe gar keinen Computer, daher kenn ich dies überhaupt nicht.

ON: Vielen Dank für das Gespräch

Trotz Zeitdrucks reichte es doch noch für ein paar Fotos und einer längeren Erklärung, was genau hinter OutNow.CH steckt. Darauf verabschiedeten sich Christian und machte sich bereit für seinen nächsten Termin. Es hat Spass gemacht und es war ein sehr interessantes Gespräch. Jederzeit wieder, und ein Einreiseverbot muss man bei ihm jedenfalls nicht verhängen.

24.09.2007 / db