Stranger than Fiction (2006)

Schräger als Fiktion

Interview mit Marc Forster

Marc Forster

Marc Forster

Schon zum dritten Mal trifft sich OutNow.CH mit dem Schweizer Regisseur Marc Forster in genau so vielen Jahren. Es scheint fast zur Regel zu werden, dass wir eine Runde mit ihm quatschen, sobald der Mann mit einem neuen Film daherkommt. Dieses Mal hat er (nicht für uns) sogar die Verleihung der Golden Globes geschmissen, um in Zürich mit den Medien zu sprechen. Und das trotz dem sein neuester Film mit einer Nomination bedacht war. Grund für Besuch und Nominierung war der aktuellste Film, die hervorragende Komödie Stranger than Fiction.

Das Interview musste relativ kurz gehalten werden, weil die Pressebetreuer uns zur Eile ermahnten. Man war hoffnungslos verspätet und Marc hatte am Abend noch andere Verpflichtungen. So mussten wir das Beste aus unserem Zehn Sieben-Minuten-Slot machen.

» The interview in English.

Sein Leben ist auch "stranger than fiction".

Sein Leben ist auch "stranger than fiction".

OutNow.CH (ON): Was ist für dich "schräger als Fiktion"?

Marc Forster (MF): Mein Leben ist gerade ziemlich schräg. Ausserdem ist die ganze Welt inzwischen ein bisschen aus dem Lot geraten. Du siehst Hubschrauber, die in Kitzbühel für eine Abfahrt Schnee verfrachten. Und auf der anderen Seite braucht es Feuer unter Orangenbäumen, damit die Früchte nicht erfrieren. Da geht was ziemlich schief im Moment.

ON: Bist zu zufrieden mit dem Endergebnis Stranger than Fiction?

MF: Ich bin glücklich mit dem Film, wenn ich ihn in einem Kino sehe, das ein Soundsystem hat, für das er gemacht wurde. Wenn ich Vorstellungen mit Kopien sehe, bei denen mit der Farbe etwas nicht stimmt, dann bin ich nicht zufrieden, weil ich mich mit diesem Problemchen beschäftige.

ON: Mit welcher Figur aus dem Film kannst du dich am ehesten identifizieren?

MF: Ein bisschen mit allen. Ganz sicher mit der von Maggie Gyllenhaal. Ein bisschen auch mit Dustin Hoffman. Er ist schlicht komisch. Sogar mit Harold Crick, der von Will Ferrell gespielt wird. Auch wenn diese Figur auf den ersten Blick wie eine Karikatur aussieht, ist doch viel Menschlichkeit in ihm drin. Und er fühlt etwas, durch das wir alle gehen müssen. Dieses Gefühl, plötzlich aufzuwachen. Ich denke, das Leben dreht sich darum, eines Tages einfach aufzuwachen.

Forster und Hoffmann am Set.

Forster und Hoffmann am Set.

ON: Das ist bereits dein zweiter Film mit Dustin Hoffman. Was ist das Spezielle an eurer Verbindung?

MF: Ich liebe ihn einfach. Nach Finding Neverland wurden wir enge Freunde. Ich bewundere ihn und als ich das Script zu Stranger than Fiction gelesen habe, kam mir eigentlich niemand anderes für die Rolle in den Sinn als Dustin. Er musste diese Rolle einfach spielen.

ON: Wer hat mehr Respekt für den anderen? Du oder Dustin?

MF: Man sollte immer mehr Respekt für denjenigen haben, der älter ist. Aber bei uns ist das gleichmässig verteilt. Er hat eine warme und gewinnende Art und sein Humor ist aufrichtig.

ON: Die Stars in deinen Filmen werden immer grösser. Wurde es mit den Jahren einfacher, solche Leute für deine Filme zu casten?

MF: Einerseits wird es das, klar. Andererseits ist es weiterhin ein Problem, da ich nicht den "typischen" Hollywoodfilm mache. Meine Filme sind immer etwas ausserhalb des Gewöhnlichen. Es ist noch immer sehr schwer, ein Budget für die Filme aufzutreiben und das ganze in die Gänge zu bringen. Aber bei Strange than Fiction hab ich nicht auf die Namen geschaut, sondern die Schauspieler passten einfach auf die Charaktere. In meinem nächsten Film Kite Runner arbeite ich gänzlich ohne Stars.

ON: In unserem letzten Interview verneintest du eine Involvierung beim Projekt 36. Trotzdem wirst du immer wieder damit in Verbindung gebracht.

MF: Es ist noch immer falsch. Ich werde den Film nicht machen. Meine Presseleute haben diverse Versuche gestartet, diese Nachricht vom Internet zu entfernen, aber es ist immer noch da, und die Leute schreiben darüber. Ich war aber nie Teil des Projekts. Ich habe niemals einer Mitarbeit zugestimmt.

ON: Zum Schluss haben wir noch ein paar Pop-Ups parat. Bitte sag uns, was dir als erstes zu den Begriffen in den Sinn kommt.

MF: Ok

ON: Will Ferrell

MF: Demütig

ON: Persönlicher Regie-Stil

MF: (nach einer langen Pause) Stille (Er lacht)

ON: Ist das ein "kein Kommentar"?

MF: Genau. Kein Kommentar.

ON: Small talk

MF: Manchmal nötig.

ON: Schlechtester Film aller Zeiten

MF: Da hab ich keinen.

ON: Halle Berry

MF: Ich liebe Sie!

ON: OutNow.CH

MF: Kenne ich nicht so genau. Ich weiss aber nicht, ob du das schreiben willst. (Er lacht)

17.01.2006 / rm, muri