Notes on a Scandal (2006)

Tagebuch eines Skandals

Interview mit Patrick Marber

Patrick Marber

Patrick Marber

Seit seinem Theaterstück "Closer", das in mehr als dreissig Sprachen weltweit zur Aufführung kam, gehört Patrick Marber zu den Stars der Bühnenbranche. 2004 durfte er seinen West End Hit gleich selber fürs Kino adaptieren. Julia Roberts und Nathalie Portman übernahmen Rollen in dem für den Oscar nominierten Werk, bei dem Mike Nichols Regie führte. Seither hat er Patrick McGraths Asylum und Zoë Hellers Notes on a Scandal für die Leinwand umgesetzt. Seine neueste Arbeit heisst The Tourist, ein Film bei dem der Schweizer Marcel Langenegger auf dem Regiestuhl sitzt. OutNow.CH traff Patrick Marber in Berlin.

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OutNow.CH (ON): Was war das schwierigste bei der Adaption von Zoë Hellers Buch "Notes on a Scandal"?

Die zwei Hauptdarstellerinnen

Die zwei Hauptdarstellerinnen

Patrick Marber (PM): Zu entscheiden, wie ich die Geschichte erzählen wollte. Der Roman hat keinen wirklichen Plot. Es dauerte eine Weile, bis ich die zentralen Passagen gefunden hatte. Ich war aber nicht erstaunt, als es schwierig wurde.

ON: Wolltest du den Roman deshalb adaptieren?

PM: Ich mochte das Buch wirklich sehr. Und ich konnte schlecht damit leben, dass ein anderer Autor es gemacht hätte. Ich wusste, dass der unterschwellige schwarze Humor des Buches einen guten Film ermöglichen würde.

ON: Wie verlief die Zusammenarbeit mit Zoë?

PM: Wir trafen uns schon im Vorfeld und ich stellte sicher, dass sie nicht auch die Absicht hatte, eine Filmfassung des Stoffes zu erarbeiten. Ich warnte sie auch, dass ich mir meine Freiheiten nehmen würde. Aber das Buch bleibt immer das Buch. Wird's ein schlechter Film profitiert das Buch davon. Wird's ein Meisterwerk ebenso. Eine Verfilmung macht den Roman immer bekannter.

ON: Fällt es schwerer mit Figuren zu arbeiten, die man nicht selber erfunden hat?

PM: Nein, das ist leicht. Der Roman war schon brillant geschrieben. Ich veränderte die Figur der Barbara nicht. Aber Sheba ist hat sich gewandelt. Im Buch ist nicht nicht ganz so fremdartig, weniger unkonventionell. Sie ist eher die stinknormale Frau aus der oberen Mittelklasse. Ich kenne Cate Blanchett sehr gut und wollte ihr eine gute Rolle verschaffen.

Sie hat jeder gern vor dem geistigen Auge.

Sie hat jeder gern vor dem geistigen Auge.

ON: Hast du oft Schauspieler vor deinem geistigen Auge beim Schreiben?

PM: Bei jedem Buch, das mir zur Adaption offeriert wird, denke ich mir aus, wer die Rollen übernehmen könnte. Stelle ich mir jemanden vor, der dies alles durchlebt, fällt mir das Schreiben leichter.

ON: Was magst du an Cate Blanchett?

PM: Sie bringt alle Voraussetzungen mit, die es für einen Regisseur braucht. Sie ist sehr schlau. Wenn man mit ihr über das Drehbuch redet, spricht sie nicht nur über ihre Rolle, wie die meisten anderen Schauspieler, sondern sie hat eine sehr genau Vorstellung davon, welche Funktion ihre Figur innerhalb der gesamten Story wahrnehmen muss. Sie will nicht einfach gute Rollen annehmen, sondern in guten Filmen spielen. Es wird keine zehn Jahre mehr dauern, bis sie selber Regie führen wird.

ON: Hast du auch vor, ein Regisseur zu werden?

PM: Es gibt noch keine Pläne, aber ein noch vages Verlangen.

ON: Wächst dieses Verlangen?

PM: Nein. Momentan ist es noch voll kontrollierbar.

13.02.2007 / rm