Meine schöne Bescherung (2007)
Interview mit Vanessa Jopp

Vanessa Jopp
Bevor sie sich an der Film- und Fernsehakademie in München einschrieb, absolvierte Vanessa Jopp zuerst drei Semester Betriebswirtschaft. Schon ihr erster Film Vergiss Amerika war vielbeachtet. Für Komm Näher war Vanessa Jopp 2006 in der Kategorie "Beste Regie" für den Deutschen Filmpreis nominiert. Meine Schöne Bescherung ist ihr vierter Film. OutNow.CH traf die Regisseurin in einem Zürcher Hotel, kurz vor der Schweizer Premiere des Films im Kino Abaton in Zürich.
OutNow.CH (ON): Hat es dich schon lange gereizt, einen Weihnachtsfilm mit dysfunktionaler Familie zu drehen?
Vanessa Jopp (VJ): Das Drehbuch wurde mit angeboten. Es war nicht meine Idee. Ich wollte mich auch nicht allzusehr auf das Weihnachtsthema fokussieren.
ON: Kanntest du das schwedische Original In Bed with Santa?
VJ: Ich habe es absichtlich nicht geschaut. Es sollten sich keine Bilder festsetzen. Schliesslich musste der Film auch deutschen Verhältnissen angepasst werden. Die Sauna mussten wir z.B. neu integrieren, weil man in Deutschland in der Regel an Weihnachten nicht in die Sauna geht.
ON: Was hat dich am Drehbuch gereizt?
VJ: Das Menschliche. Dass man den Menschen auf die Pelle rücken konnte. Ich komme selber aus einer Patchwork-Familie, und da stellen sich dann auch so Fragen, wie wer hat am Heiligen Abend die Kinder.
ON: Wie feierst du Weihnachten?
VJ: Es hat sich gewandelt. Wenn man Kinder hat wird aus dem Fest plötzlich wieder die traditionelle Geschichte im Schnee mit Geschenken und Baum. Früher konnte es auch mal ein Urlaub am Strand sein.
ON: Vom Improvisieren wie in deinem vorgängigen Film Komm näher sind wir hier recht weit entfernt. Wie schätzt du die beiden Arbeiten im Vergleich ein?
VJ: In Komm Näher wurden zuerst einmal ohne Buch die Figuren kreiert. Nur ich und die Autorin wussten genau, was ging. Auch in Meine schöne Bescherung wollte ich Freiraum lassen für Improvisation und Menschlichkeit. Nicht nur im Text, sondern auch im Spiel. Zum Beispiel Gunnar, der immer schläft und dann auch beim Aufwachen fragt, woher jetzt die Palme komme. Oder Sätze wie: "Der Kater muss auf Diät!" Die waren nicht im Script.
ON: Beide deine Filme sind Ensemblefilme.
VJ: Aber sie sind auf unterschiedliche Art spannend. Bei Komm näher waren meist nur zwei Schauspieler am agieren. Mit einer ganzen Gruppe von Akteuren im selben Raum ist das natürlich eine ganz andere. Herausforderung. Ein gutes Casting ist immer die halbe Miete. Mit Meret Becker ist es nun schon mein zweiter Film. Ansonsten sollten die Leute so unterschiedlich wie möglich sein.
ON: Wie bist du auf den Schweizer Roeland Wiesnekker gekommen?
VJ: Der ist grossartig. Meret Becker hat ihn mir empfohlen. Eine richtige Entdeckung. Wir haben ihn extra als Kontrast zu Heino Ferch gecastet.
ON: Wie war die Arbeit mit den Kindern am Set?
VJ: Ich konnte das zum Glück sehr weit abgeben. Wir hatten einen Kindercoach. Es wäre sonst zuviel gewesen für mich. Mit Kindern kann man auch immer nur 3-5 Stunden arbeiten. Das wird immer ein bisschen hektisch.
ON: Der Soundtrack ist sehr speziell. Wer ist da zu hören?
VJ: Die Filmmusik hat mein Haus- und Hofkomponist Loy Wesselburg komponiert. Es war unsere erste Komödie. Wir arbeiten sehr eng zusammen, besprechen uns oft und schauen zusammen Filme an. Ursprünglich wollte er sizilianische Trauermusik verarbeiten. Plötzlich mussten es dann sardische Tenöre sein. Er reiste dann tatsächlich nach Sardinien und hat sich mit den musikalischen Traditionen vor Ort auseinandergesetzt.




