The Kingdom (2007)

Operation: Kingdom

Das Interview mit Ashraf Barhom

Ashraf Barhom

Ashraf Barhom

Als Nebendarsteller neben Superstars hat man es nicht leicht. Bei Ashraf Barhom kommt erschwerend hinzu, dass er israelischer Araber ist und mit The Kingdom seinen ersten Film in Hollywood dreht. Bei der Promotour in Basel war er neben Jamie Foxx und Jennifer Garner ein bisschen das Anhängsel. Nicht jeder Journalist wurde von der Redaktion beauftragt, mit ihm zu sprechen und bei "Wetten, dass...?" sass er im Publikum statt auf der Couch. Statt einer ganzen Entourage inklusive Bodyguards wie die US-Stars hatte er nur seinen Agenten mit dabei, der ihm teilweise die Fragen übersetzte.

Er entpuppte sich aber als sehr umgänglicher und intelligenter Mann. Barhom wurde bisher bekannt in arabisch-israelischen Produktionen, die an Festivals Publikumspreise gewinnen konnten. The Syrian Bride (Prix du Public in Locarno) und Paradise Now (Panorama-Publikumspreis an der Berlinale) sind zwei bekannte Werke, wo er sich in Ensemble eingliederte.

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OutNow.CH (ON): War die Arbeit an The Kingdom eher Spass oder ein Knochenjob?

Als Colonel Faris Al Ghazi

Als Colonel Faris Al Ghazi

Ashraf Barhom (AB): Beides. Ich konnte mit Jamie Foxx Tischtennis oder mit dem Regisseur Peter Berg eine Runde Basketball spielen. Ein Vergnügen hinter den Kulissen. Die eher schwierigen Momente umfassten die Arbeit in der Hitze oder als wir tragischerweise Crewmitglieder verloren haben während des Drehs.

ON: Stimmt es, dass dir Jennifer Garner und Jamie Foxx nicht bekannt waren vor dem Film?

AB: Korrekt. Ich fühlte mich ganz ok, aber als ich hörte, dass Jamie Foxx bereits einen Oscar gewonnen hatte, und generell als "grosser Name" gehandelt wird, wurde es für mich zur besonderen Herausforderung.

ON: Du hast für diesen Film zum ersten Mal amerikanischen Boden betreten. Welchen Eindruck haben die USA bei dir hinterlassen?

AB: Ich kannte die Mentalität der Leute schon aus Filmen. Deshalb habe ich Verständnis dafür, wie die Sachen laufen. Amerika ist aber riesig, und man sieht eine ganze Menge unterschiedlicher Dinge. Jedes Gebiet ist wieder anders.

Man merkt's: Michael Mann hat ko-produziert.

Man merkt's: Michael Mann hat ko-produziert.

ON: Was war für dich als Araber aus Israel das Schwierigste beim Eintauchen in die Gedanken eines saudi-arabischen Offiziers?

AB: Ich bin Araber. Deshalb kenne ich die Mentalität. Aber die Saudis haben einen anderen Dialekt. Ich musste lernen, wie sie sich verhalten und worauf ihre Kultur basiert. Ich musste auch lernen zu kämpfen, weil ich einen Soldaten spielte. Nichts davon war wirklich hart, aber es brauchte einen speziellen Einsatz, um die Details zu perfektionieren und das ganze überzeugend rüberzubringen.

ON: Im richtigen Leben wäre dir als israelischer Staatsbürger der Zutritt zu Saudi-Arabien verwehrt. Fühlt man sich deshalb nicht seltsam, wenn man einen Saudi spielen muss?

AB: Ich habe mich lange gefragt, ob es die richtige Rolle für mich wäre. Aber genau dies machte die Rolle auch zu einer Herausforderung für mich. Schlussendlich sind wir alle auch nur Menschen und ich möchte so viele unterschiedlichen Charactere wie möglich spielen - und besonders solche, die möglichst weit entfernt von meiner eigentlichen Persönlichkeit stehen.

"Cooler Hut!"

"Cooler Hut!"

ON: Welche Botschäft möchte The Kingdom vermitteln?

AB: Die Haltung des Drehbuchs war, einen Punkt zu finden, an dem sich die verschiedenen Kulturen treffen konnten, ohne zu richten oder sich auf eine Seite der beiden Parteien zu schlagen. Ich denke, der Film reussiert darin. Mord wird meist nur mit noch mehr Morden gesühnt. Wenn wir gewalttätig handeln müssen, haben wir meist mit den Worten versagt. Ich hoffe, Worte werden in Zukunft wieder wichtiger als Fäuste, Gewehre oder Flugzeuge.

ON: Wie wurde der Film in der arabischen Welt aufgenommen?

AB: Die wenigen Leute, die ihn bereits gesehen haben, mochten ihn. Er ist im Mittleren Osten, aber noch nicht in die Kinos gekommen. Ich hoffe, man sieht den Film als ersten Schritt in die richtige Richtung. Ich kann versichern, dass wir alles gegeben haben, um einen ausgeglichenen Film zu drehen. Ein grosser Schritt, den wir bereits vollzogen haben, war, als wir als Crew uns bereits verändert haben.

ON: Kann ein Film Meinungen verändern?

AB: Es ist ein langer Prozess. Ein Film alleine kann nicht viel tun. Ich sehe die Kunst als Antithese zur Politik. In der Politik muss man Stellung beziehen. In der Kunst möchte man neutral bleiben, aber man kann eine Idee oder eine Problemstellung ins rechte Licht rücken. Es ist traurig, wenn Filme versuchen, Propaganda zu betreiben. Menschen fühlen sich von Filmstars angesprochen. Wenn einer von ihnen Stellung bezieht zu einem heiklen Thema, kann dies Leute beeinflussen. Es ist wichtig, dass wir uns als Schauspieler dessen bewusst sind. Wir sollten Brücken bauen, nicht welche zerstören.

Barhom zu Besuch in Basel

Barhom zu Besuch in Basel

ON: Stört es dich nicht, dass The Kingdom teilweise auch einfach ein Action-Thriller ist?

AB: Ich mache mir keine Sorgen, dass die Leute sich auf die Action konzentrieren werden. So wie der Film gemacht wurde, ist es perfekt. Viele Kinozuschauer lieben Action, deshalb kann man mehr Leute errreichen. Ist der Film nicht aufregend, kann man keine Botschaften anbringen. Die Action ist ein Türöffner. Wenn sich einer The Kingdom wegen der Action anschaut, wird er sehen, dass es da noch Wichtigeres gibt in diesem Film.

06.10.2007 / rm, db (Fotos)