High Definition
Irgendwann musste es ja mal passieren: Nach der VHS-Kassette geht nun auch die DVD bald in Rente, zugunsten hochauflösender Datenträger. Doch noch hat die Sache einen Haken: Es gibt zwei sich konkurrierende Formate, denn wiedermal konnten die Herren Industriebosse keinen gemeinsamen Nenner finden und beharren trotzend auf ihrem jeweiligen noch-nicht-Standard. Die Leidtragenden dabei sind wir Konsumenten. Im ersten Teil stellen wir die zwei Formate und deren Vorteile gegenüber der DVD vor, Teil zwei behandelt das benötigte Equipment, während im dritten Teil Facts & Figures der beiden Formate aufgelistet werden.
EPISODE IV: KRIEG DER FORMATE
Wieso überhaupt ein neues Format?
DVDs sind cool. Sie sind handlich, die Bild- und Tonqualität ist üblicherweise gut, dazu hat man oft noch Zusatzmaterial und vor allem flimmert der Lieblingsstreifen auch beim hundertsten Mal gucken noch einwandfrei über die Mattscheibe. Manch einer hat schon gar keinen VHS-Rekorder mehr im Wohnzimmer stehen. Also was soll das ganze Gehabe über ein neues Format? Bei den Kassetten ging's doch auch über zwanzig Jahre bis sich ein Nachfolger etablierte...
Die Technologie entwickelt sich. En gros kann man sagen, dass das Nachfolgeformat die gleichen Vorteile verspricht wie damals die DVD gegenüber der VHS. Das fängt mit der Bildqualität an, welche wohl am markantesten auffällt: wer einen Film in einem der neuen Formate auf dem entsprechenden Fernseher guckt, will sich danach keine popeligen DVDs mehr antun. Dann gibt's auch Fortschritte bezüglich Ton, neue Algorithmen arbeiten mit weniger Qualitätsverlust und mehr Kanälen. Ob der Unterschied zwischen 5.1 und 7.1 einem direkt ins Ohr springt, sein einmal dahingestellt. Des Weiteren soll die Menuführung der neuen Scheiben gravierende Neuerungen enthalten, so dass es möglich wäre, komplette Spiele darin einzubinden. Inwiefern die Filmlabels diese Möglichkeiten ausschöpfen werden, bleibt allerdings abzuwarten.
Der Formatkrieg
All diese Neuerungen benötigen vor allem eines: Viel, viel Speicherplatz. Also muss eine neue Speichertechnologie her, die es ermöglicht, solche Datenmenge auf einer einzigen Disc unterzubringen. Und wie das so ist, wenn mehrere Tüftler an der gleichen Sache werkeln, werden die Industrien schnell darauf aufmerksam und drehen den Geldhahn auf, um sich damit profilieren zu können. So wurden zwei Formate geboren: Die HD DVD und die Blu-ray Disc.
Die HD DVD
Der grosse Name hinter diesem Format ist Toshiba. Auf der Consumer Electronis Show in Las Vegas Anfang 2004 wurde erstmals ein Rekorder vorgestellt, der Scheiben in diesem Format schreibt. Hinter Toshiba stellen sich aber auch Hersteller wie NEC, Sanyo, Intel und Microsoft. Auch die Universal Studios sind dem Konsortium beigetreten und werden vorläufig ihre hochauflösenden Titel nur in diesem Format anbieten. Die Universal Studios sind jedoch das einzige Label der Big Six Major Movie Studios, welches exklusiv die HD DVD unterstützt. Schliesslich wird die HD DVD vom DVD Forum als "offizieller Standard" anerkannt. Die HD DVD kann mit 15GB (eine Schicht) oder 30GB (zwei Schichten) Filmmaterial bespielt werden. Dies entspricht etwa dreimal der Kapazität einer DVD.
Die Blu-ray Disc

Das Format, welches mit seinem Namen auf die Farbe des Lasers aufmerksam macht, wurde von Sony entwickelt. Diese präsentierten Mitte 2003 ihren ersten Blu-ray Recorder. Unterdessen konnte Sony weitere Firmen wie Hewlett-Packard, Apple, Dell und Panasonic überzeugen, ihr Format zu unterstützen. Von den Big Six hat Sony die exklusive Unterstützung von Disney Pictures, 20th Century Fox und natürlich Sony Pictures. Es bleiben also noch Warner Bros. und Paramount Pictures, welche ihre Filme in beiden Formaten herausgeben. Eine Blu-ray Disc enthält 25GB oder 50GB Daten für Single-Layer respektive Dual-Layer. Mit der fünffachen Kapazität einer DVD hat die Blu-ray-Technologie also einen leichten Vorteil.
And the Winner is...
Laut der Blu-ray Disc Association: Die Blu-ray Disc. Laut dem DVD Forum: Die HD DVD. So müsste die Frage eher heissen: Was für einen Player muss ich kaufen, damit ich in fünf Jahren meine Discs immer noch gucken kann? Die Antwort wäre dann einfacher: Entweder keinen oder beide. Der Formatkrieg ist noch nicht beendet, noch steht kein eindeutiger Sieger fest. Amüsant ist jedenfalls zu beobachten, wie beide Lager sich als Sieger fühlen.
Prognosen von unabhängigen Instituten sind noch sehr rar. Anfang Februar dieses Jahres veröffentlichte Nielsen VideoScan eine Analyse, in der ein Trend hin zur Blu-ray Disc beschrieben wird. Dieser Trend ist jedoch hauptsächlich auf der Tatsache gestützt, dass Sonys PlayStation 3 ab Werk mit einem Blu-ray Laufwerk geliefert wird. Aussagekräftige Verkaufszahlen dieser Spielkonsole waren dato noch gar nicht verfügbar.
Ende Februar überholte in den Vereinigten Staaten die Blu-ray Disc erstmalig die HD DVD bei den Gesamtverkäufen. In Europa hat die HD DVD gemäss GfK Marketing Services einen momentanen Marktanteil von zirka 85%. Dies wird sich aber voraussichtlich mit dem Start der PS3 Ende März ändern. Es bleibt also nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Im zweiten Teil spielt das Drumherum die Hauptrolle.
