Severance (2006)
Ein blutiger Betriebsausflug
Interview mit Christopher Smith (Regie)
Christopher Smith, den alle im Team nur Chris nennen, zeigte auf der Piazza Grande seinen zweiten Horrorfilm Severance. Er wusste natürlich, dass das Bildungsbürgertum auf dem grossen Platz mitten im Festivalsstädtchen seinen Film vielleicht ein bisschen zu brutal finden würde, und machte deshalb Witze über den Verlust einiger Zuschauer während den ersten, blutigen Filmminuten. Das wäre aber auch wirklich schade, denn sein Film ist um einiges lustiger als viele andere, in denen ein zusammengewürfeltes Grüppchen sich im Wald verirrt.
OutNow.CH (ON): James Morans Originalskript wurde für Severance ziemlich aufgepeppt. Hast du ihm all die krassen Drehs und Twists verpasst?
Christopher Smith (CS): Das Skript war bereits zuvor brillant. Es war von Anfang an sehr witzig. Ich habe jedoch zum Beispiel die Mädchen in der Grube hinzugefügt, da ich der Ansicht war, dass nicht genug Girls im Film vorkommen. Zudem habe ich die Terroristen eingebaut. Ich wollte, dass es eine Satire auf den Krieg gegen den Terror werden würde. Du kannst keinen Film über Osteuropa machen und dann so tun, als ob das alles Hinterwäldler seien. Du kannst das in deinem eigenen Land mit deinen eigenen Leuten machen. Aber in einem anderen Land geht das nicht, sonst wird es rassistisch. Deshalb wollte ich, dass die Bösen einen gewissen Grund haben, jene Leute zu hassen - aufgrund den Taten, die sie gegen sie verübt haben.
ON: Deshalb gibt's im Film die Firma Palisade Defence, die Waffen produziert?
CS: Das war bereits im Skript vorhanden. Doch dies fanden sie - als Storywendung - erst am Ende des Films heraus. Dieses Problem habe ich bereits zu Beginn abgeschafft, da es so unmittelbar zur Satire wird.
ON: War jene Rashomon-ähnliche Erzählweise, dass drei Personen ihre Version der Geschichte schildern, bereits im Skript vorhanden?
CS: Das war meine Idee. Filme, in denen ein Charakter auftaucht und erzählt, wer die Bösen sind - wie in Jeepers Creepers zum Beispiel - langweilen mich. Ich dachte mir, dass dieser Rashomon-Stil von den drei Versionen derselben Geschichte und mit den jeweiligen feinen Lücken sehr gut funktionieren würde. Jede Geschichte ist irgendwie ein bisschen wahr, gesamthaft jedoch Schwachsinn. Ferner wollte ich die Idee unserer TV-Zapp-Kultur, in welcher wir uns befinden, einbauen. Wo du zwischen einem alten Horrorfilm, Kriegsverbrechen und Sex hin- und herswitchen kannst. Dieses Moment setzt sowas wie den Grundton des Films. Er zeigt, dass man die drei Elemente zusammenbringen kann. Ein sehr ungewöhnlichen Mix, aber gleichzeitig sehr interessant.
ON: Warum lassen sich Horror und Humor so grossartig kombinieren?
CS: Oftmals kriegst du einen Horrorfilm vorgesetzt, der ein bisschen Comedy beinhaltet. Oder dann kriegst du eine Komödie mit einigen Horrorelementen. Mit diesem Film habe ich versucht, genau den Mittelweg zu gehen. Er ist sowohl witzig wie auch furchterregend. Für gewöhnlich ist da viel Anspannung, die sich dann mit einem Witz wieder entspannt. Ich denke jedoch, dass die Leute vor allem diesen Effekt der Entspannung und deshalb die komödiantischen Elemente in Horrorfilmen mögen. Zuerst hast du Angst, und dann lachst du. Ein Film wie Wolf Creek, den ich sehr mag, bietet dir diesen Moment des Aufatmens nicht. Dort bleibt die Anspannung durchwegs erhalten.
ON: Dein anderer Film Creep war mehr in der Art. Kannst du uns sagen, welchen der zwei Filme du lieber magst?
CS: Definitiv. Ich ziehe Severance als Film vor, da ich das Ganze Komödienzeug lieber mache. Ich liebe die Zügellosigkeit dieses Films. Creep spielt in Sachen Erzählstil die geradlinigere Karte. Was ich am meisten an Creep mag, ist Creep selber und seine Darstellung durch Sean Harris. Die perverse Folterszene ist meine absolute Lieblingsszene.
ON: Wird es je Filme aus anderen Genres von dir geben? Wie zum Beispiel eine glatte Komödie?
CS: Ja, ich finde das sehr inspirierend. Wenn ich eine Komödie drehe, dann wird es eine sehr abgedrehte werden. Ich habe da diese Idee einen Film über Stalking zu machen, da ich denke, dass Liebe und Stalking sehr nahe beieinander liegen. Wo endet Liebe und wo beginnt Stalking?
ON: Am Ende von Severance zeigst du nochmals sämtliche Charaktere mit einem Lächeln auf ihren Lippen. Weshalb?
CS: Es ist ein Verweis auf The Deer Hunter. Die Charaktere sind so überaus lieb, dass ich wollte, dass man realisiert, dass sie alle tot sind. Es ist ein gefühlsgeladener Moment. Aber es ist gleichzeitig ein Trick, der dich an die besten Teile des Films erinnert. Jedoch funktioniert das nicht immer. Ich habe das schon in schrecklich schlechten Filmen gesehen, und dann denkst du: "Nein. Diese Typen möcht' ich gar nicht mehr sehen! Nun hasse ich diesen viel noch viel mehr."
ON: Vielen Dank für das Gespräch
CS: Ich danke dir.







