Neuchâtel International Fantastic Film Festival 2006
NIFFF 2006: Die Programm-Highlights
Nachdem 2005 anlässlich der Verleihung des goldenenen Méliés das ganze Fantasy-begeisterte Europa nach Neuchâtel schaute, werden bei bei der sechsten Ausgabe des Festivals des Fantastischen Films wieder kleinere Brötchen (lies silberne Méliès) verteilt. Das internationale Festival, das Teil eines ganzen Verbandes von Veranstaltungen ist, die sich dem Fantasyfilm und seinen Unter- und Nebengenrese widmen, verleiht seine Preise wieder im gewohnten Rahmen. Der HR Giger - Preis "Narcisse für den besten Film" machen die Beiträge im internationalen Wettbewerb unter sich aus. Um den Preis der französischen Filmzeitschrift Mad Movies für den besten Asiatischen Beitrag buhlen zehn Beiträge aus Thailand, Korea, Japan, Hong Kong und den Philippinen.
Neben den beiden Hauptkategorien, welche OutNow.CH im folgenden genauer vorstellen wird, bietet eine Retrospektive unter dem Motto "Let's Save the World" Einblicke in das Superheldengerne abseits vom schwarzen Ritter und dem Mann aus Stahl. Als Eröffnungsfilm hat Terry Gilliams Tideland seine Europapremiere. Den Abschlussfilm liefert der Schweizer Marc Forster mit Stay.
» Das komplette Programm [nifff.ch]
Die Filme des internationalen Wettbewerbs in der Übersicht:
Dänemark, Deutschland 2005
Regie: Anders Thomas Jensen
In einer kleinen Pfarrei auf dem Lande muss Adam, ein Neonazi in mittleren Jahren, gemeinnützige Arbeit verrichten. Vom ansässigen Pfarrer Ivan wird er herzlich willkommen geheissen. Adam zeigt sich aber nicht von seiner freundlichen Seite: Es benimmt sich feindselig und ungehobelt. Ivan glaubt aber an das gute im Menschen und gibt Adam ein Ziel auf: Er soll einen Kuchen mit den Früchten des Apfelbaumes backen. Eine rabenschwarze Komödie die vom Humor an Pulp Fiction und von den Charakteren an Fargo erinnert!
Norwegen 2005
Regie: Jens Lien
Der 40-jährige Alexander landet in einer fremden Stadt und kann sich nicht daran erinnern, wie er überhaupt hierher kam. Ein Job, eine Wohnung und sogar eine Frau stehen für ihn bereit. Schnell wird ihm klar, dass hier etwas nicht stimmt. Er versucht aus der Stadt zu flüchten, was aber nicht möglich zu sein scheint. Er macht die Bekanntschaft mit Hugo, der in seiner Kellerwand einen Spalt gefunden hat, aus dem Musik zu hören ist. Wohin führt dieser Spalt? The Bothersome Man zeigt einen totalitären Staat, wie man ihn bereits in Filmen wie 1984, Brazil und Equilibrium gesehen hat, hier gesellt sich allerdings noch der typisch nordische Humor dazu.
Russland 2005
Regie: Aleksey Fedortchenko
1938 stürzte im Norden von Chile angeblich ein UFO ab. Durch eine erneute Untersuchung kommt zum Vorschein, dass das Objekt zu einer russischen Rakete gehörte. Das Interesse eines Teams von Dokumentarfilmern wird geweckt. Diese beginnen Nachforschungen anzustellen und finden heraus, dass ein Team von sowjetischen Wissenschaftlern eine Gruppe Kosmonauten lange vor den Amerikanern auf den Mond schicken wollte. The First on the Moon gehört dem Genre der Pseudodokumentarfilme an, die auch bereits von Peter Jackson um ein Werk bereichert wurde. Mit einer originellen Mixtur aus Archivmaterial, Dokumentaraufnahmen und nachgestellten Szenen wird hier dem sowjetischen Montagefilm gehuldigt.
Schweden 2006
Regie: Anders Banke
Die Ärztin Annika und ihre Tochter Saga sind gerade in eine ruhige Gegend im Norden von Schweden gezogen. Während Annika ihre Arbeit im örtlichen Krankenhaus aufnimmt, schliesst Saga Freundschaft mit der geheimnisvollen Mitschülerin Vega. Zusammen besuchen sie eine Party und bald ist nichts mehr so, wie es mal war... Anders Banke hat mit Frostbiten den ersten schwedischen Vampirfilm gedreht, der dabei mit vielen Comedy-Elementen angereichert ist.
USA 2006
Regie: Alexander Aja
Die Familie Carter ist mit dem Auto auf dem Weg nach Kalifornien. Auf einer Wüstenstrasse in New Mexiko kommt es zu einer Autopanne, woraufhin sich der Familienvater und sein Schwiegersohn zu Fuss auf den Weg zur nächsten Tankstelle machen, um Hilfe zu holen. Nicht ahnend, dass die Gegend von menschlichen Mutanten bewohnt wird, die nur auf den nächsten Besuch gewartet haben. Im Remake des 1977 erschienen Schockers von Altmeister Wes Craven, der diese Neuinterpretation mitproduziert hat, geben sich die menschlichen Mutanten mal wieder keine Blösse.
Frankreich 2006
Regie: David Moreau, Xavier Palud
In der Vorstadt von Bukarest bezieht das junge Paar Clémentine und Lucas ein abgelegenes Haus. Ihr Leben verläuft friedlich, sie kann ihrer Lehrertätigkeit nachgehen, während er seine Brötchen als Schriftsteller verdient. Zusammen geniessen sie ihr geregeltes Leben. Doch eines Tages beginnt der Albtraum: Am Telefon melden sich fremde und unverständliche Stimmen und Lucas und Clémentine wird klar, dass sie nicht mehr alleine sind... Die beiden Filmemacher David Moreau und Xavie Palud haben mit ihrem Erstlingswerk einen furchteinflössenden Thriller geschaffen, der mit seiner rumänischen Kulisse auftrumpft.
Ungarn 2005
Regie: Kornél Mundruczó
Johanna, eine junge Drogenabhängige, fällt nach einem Unfall in ein tiefes Koma. Wundersamerweise kann sie dem Tod aber entwischen und erhält im selben Krankenhaus sogar eine Stelle als Krankenpflegerin. Voller Gnade gibt sie sich körperlich ihren Patienten hin und kann diese so heilen. Der Chefarzt ist allerdings darüber frustriert, dass Johanna ihn immer wieder abweist, und so sagt er Johanna, zusammen mit der restlichen Belegschaft des Krankenhauses, den Kampf an. Hier wurde eine zeitgenössische Version der Johanna von Orleans geschaffen, die schwer einzuordnen ist und mit faszinierenden Bildern betört.
Schweden 2005
Regie: Mans Marlind, Björn Stein
Donny, ein selbstgefälliger Mittdreissiger, ist davon überzeugt, dass er sein ganzes Leben selbst handhaben kann. Das dachte er jedenfalls... Doch dann betritt Lova sein Leben. Sie ist auf der Flucht vor Leuten, denen sie einen kleinen Gegenstand entwendet hat. Als Lova den Gegenstand an Donny weitergibt, wird er gegen seinen Willen in einen Strudel von Furcht erregenden Ereignissen hineingezogen... Storm ist oberflächlich gesehen ein Actionfilm, doch gräbt man tiefer erkennt man einen Psychothriller voller Wendepunkte.
Grossbritannien 2005
Regie: Andrew Parkinson
Die junge Dawn erholt sich im Familienhaus von einem Selbstmordversuch. Am Strand entdeckt sie ein kleines Geschöpf, dass eine Art Baby-Meerjungfrau zu sein scheint. Dawn nimmt das Wesen zu sich nach Hause und beginnt sich darum zu kümmern. Sie ist fasziniert von dem halluzinogenen Schleim, welchen das Geschöpf ausscheidet und somit Dawns sexuelle Energie nährt... Mit seinem, an David Cronenberg erinnernden Stil, zieht uns Andrew Parkinson in die Untiefen von Depressionen und Abhängigkeit.
Japan 2005
Regie: Kudo Kankuro
In Edo (dem frühern Tokio) leben Yaji und Kita, zwei homosexuelle Samurais. Yaji ist bereits verheiratet und Kita ist drogenabhängig. Also beschliessen sie, Edo zu verlassen um sich im Tempel Ise von ihren Sünden zu befreien. Kudo Kankuro, der bereits das Drehbuch zu Takashi Miikes Zebraman geschrieben hat und sich hier von einem Klassiker der japanischen Literatur inspirieren liess, schuf mit seinem Debütwerk ein respektloses Road-Movie, einen klassischen Samurai-Film und eine musikalische Komödie, welche vom verrückten, asiatischen Humor nur so trieft.
Die Kategorie "New Cinema from Asia" in der Übersicht:
Thailand 2006
Regie: Poj Arnon
Charlie's Angels in Thai? Diese rasante Actionkomödie um fünf Undercoveragentinnen verspricht eine Menge Stunts und Action, gepfeffert mit verrücktem Humor und einer Portion Sex. Die Anti-Terror Truppe, die unter dem Codenamen Chai Lai operiert, muss die Welt vor Ihrem Untergang retten, als internationale Terroristen einen destruktiven Plot planen und sie benutzt dabei alle Waffen, vor allem ihre weiblichen.
Südkorea 2005
Regie: Lee Myung-se
Die Säbel rasseln mal wieder im Asien des 17. Jahrhunderts als ein Geldfälschungsfall droht, die Regierung ins Schwanken zu bringen. Gemeinsam mit ihrem Mentor versucht die junge Namsoon dem Plot auf die Schliche zu kommen und Ihre Nation zu retten. Basierend auf dem koreanischen Manga "Damo Namsoon" hat Regisseur Lee Myung-Se einen romantisch-stylischen Actionfilm inszeniert und fungierte gleichzeitig als Produktionsdesigner der opulenten Kulissen.
Philippinen 2004
Regie: Yam Laranas
Die Philippinen haben ein Gespür für psychologischen Horror. Dies war bereits am letzten NIFFF beim Beitrag Feng Shui zu sehen. Auch dieses Jahr wird philippinisch gespukt: Der aus dem Elternhaus ausgezogene Marvin zieht in eine schäbige Wohnung im siebten Stock eines baufälligen Hauses. Doch schon kurz nach seiner Ankunft im neuen Zuhause wird er von unheimlichen Geräuschen und kuriosen Nachbarn seines Schlafes beraubt.
Japan 2005
Regie: Mitsuru Meike
Pinku nennt sich ein Genre des japanischen Films, welches seit den 60er Jahren gepflegt wird. Diese rosaroten Filmchen sind gespickt mit allerlei Nackedeis und Softcore-Sex. Doch Mitsuru Meikes Film hat mehr zu bieten als entblösste Brüste und Matratzensport. Auf originelle Weise präsentiert er viel Zynismus, Politsatire und eine Krimigeschichte, die unter anderem einen geklonten Finger von US-Präsi Bush involviert. Noch Fragen?
Japan 2005
Regie: Takashi Miike
Takashi Miike räumte letztes Jahr mit seiner Fantasykomödie Zebraman den Preis des Asiatischen Wettbewerb des NIFFF ab. Auch dieses Jahr ist der Izo-Regisseur mit einem familientauglichen Werk präsent, welches den jungen Aussenseiter Tadashi in eine Schlacht zwischen verschiedensten Fantasy-Kreaturen geschickt sieht. Dieser witzige, fantastische Abenteuerfilm beruht auf einem Manga von Shigeru Mizuki.
Japan 2004
Regie: Dankan
Ein Bus vollgepackt mit sieben Familien fährt in ein idyllisches Camp in den Bergen. Die Kinder bemerken schnell, dass dies nicht einfach ein normaler Familienurlaub ist, denn ihre sonst grausamen Eltern agieren plötzlich nett, freundlich und fürsorglich. Welche Absichten mögen sich bloss hinter dem vermeintlichen, paradiesischen Aufenthalt verstecken? Von den Kitano Studios produziert, inszenierte Regisseur Dankan eine rabenschwarze Komödie um den Generationenkonflikt und die Macht des Geldes.
Japan, Südkorea 2005
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Schleppt dieser Mann eine Leiche? Diese Frage stellt sich die Bestsellerautorin Reiko Haruna als sie in eines Nachts einen mysteriösen Fremden mit einem beachtlich grossen Paket unter dem Arm beobachtet. Reiko wurde von ihrer Verlegerin in ein Sommerhaus geschickt, welches ihre Schreibblockade wieder lösen sollte. Secret Window meets Swimming Pool? Auf jeden Fall steht mit Loft psychologisch raffinierter Mystery-Thrill auf dem Programm.
Südkorea 2005
Regie: Kim Yong-gyun
Fussfetischisten aufgepasst, ihr könntet schockiert werden! Ein pinkiges Paar Schuhe taucht immer wieder in der U-Bahn auf. Die Schuhe scheinen die Frauen, welche sich diese Fundgegenstände einpacken, auf unheimliche Art zu beeinflussen. Gierig klammert sich die Finderin an das schicke Modestück und schreckt vor nichts mehr zurück. Der Horrorstreifen aus Südkorea wartet mit Schreckeffekten und originellen Todesszenen auf und könnte sich als Geheimtipp herausstellen.
Hong Kong 2005
Regie: Wilson Yip
Haudrauf und Schiessdrauf in typischer Honkong-Manier. Zwei Cops wollen einem gefürchteten Mafiaboss das Handwerk legen, was zu viel Action, choreographiert von Spezialist Donnie Yen, und Blutvergiessen führt. Martial-Arts-Freunde können sich besonders auf einen Fight zwischen den beiden Legenden Sammo Hung und Donnie Yen freuen. Garantiert bleihaltiges Honkong-Kino im Thrillerkleid.
Südkorea 2006
Regie: Lee Si-myung
Unkontrollierbare Erektionen sind mühsam. Doch für den koreanischen Polizisten Ricky steht mehr auf dem Spiel als Peinlichkeit. Wird er sexuell erregt, verwandelt er sich in einen Vampir. Mit einer Freundin, die beruflich Reizwäsche verkauft ist dies umso problematischer. Klamauk und Horror sind in diesen 113 Minuten unter der Regie von Lee Si-myung (2009 - Lost Memories) vorprogrammiert und es bleibt bestimmt kein Auge trocken.
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03.07.2006 / leibi, ma, rm