Love Made Easy (2006)

Interview mit Peter Luisi

Peter Luisi

Peter Luisi

Peter Luisi und das liebe Geld böten genug Stoff für einen eigenen Film. Noch nie hat es der Komödienregisseur geschafft, die Bundesämtler in Bern von seinen Projekten so weit zu überzeugen, dass sie Stutz locker machen würden. Dabei hat er doch seit einem unschönen Erlebnis als 19-Jähriger grösste Angst, jemals wieder einen langweiligen Film zu drehen. Bei der ersten halböffentlichen Vorstellung seines Debutfilms schliefen ihm nämlich die Kollegen ein. Aber auch ohne Gelder vom BAK brachte er zwei Filme auf die Leinwand, Verflixt Verliebt sogar in Begleitung von grossem Kritikerlob.

Der zweite - Love Made Easy - musste nun in Amerika gedreht werden. Nichts Neues für den Zürcher Filmemacher. Auch der Schnitt von Verflixt verliebt machte er in Rom. Beweis dafür, dass er für seine Filme meilenweit geht. Fürs Interview mit OutNow.CH musste er aber nicht weit reisen - es fand via Telefon statt.

OutNow.CH (ON): Warum wurde Love Made Easy in Amerika gedreht?

Peter Luisi (PL): Ich wollte zuerst in der Schweiz drehen. Es hat nach Verflixt Verliebt relativ gut ausgesehen. Ich bekam Geld von der Zürcher Filmstiftung und auch das Schweizer Fernsehen lieferte eine Absichtserklärung. Aber als das Bundesamt für Kultur dann absagte, sprang auch das Schweizer Fernsehen wieder ab, und ich hatte zu wenig Geld für den Film. Ich war extrem enttäuscht und habe die Geschichte einem amerikanischen Kollegen, mit dem ich auf der Filmschule war, erzählt. Der hat mir den Kontakt zu einer Produktionsfirma in Amerika vermittelt. Die bissen an, unter der Bedingung dass ich den Film auf Englisch in den USA drehen würde, damit sie ihn besser verkaufen könnten. Die Zürcher Filmstiftung war mit der Lösung einverstanden, wenn die Hauptakteure vor und hinter der Kamera Schweizer waren.

Die zu finden, war nicht schwer.

Die zu finden, war nicht schwer.

ON: War es schwierig, die Amerikaner vom Film zu überzeugen - vor allem auch die Schauspieler?

PL: Überhaupt nicht. Die US-Produktionsfirma hatte eine Casting-Agentin. Diese bürgte mit ihrem Namen für das Drehbuch, wofür sie Schauspieler sucht. Da sie einen guten Ruf hatte, meldeten sich viele Leute.

ON: Wird Love Made Easy in Amerika gezeigt werden? Im kleineren Rahmen im Kino, oder am TV?

PL: Das weiss man noch nicht. Der Film ist ja erst gerade fertig geworden. Die ersten Reaktionen sind aber sehr begeistert. Die Produktionsfirma hat schon ein Haus in Sundance gebucht, wo sie hoffen, dass der Film gezeigt wird. Sie sagten, dass DVD- und Fernsehrechte sicher verkauft werden. Aber Kino ist natürlich sehr schwierig.

ON: Hat das auch ein bisschen mit der Starpower von Martin Landau zu tun?

PL: Sehr. Die erste Frage, welche dir amerikanische Produzenten immer stellen, ist, wer denn im Film mitspiele. Wenn man dann Martin Landau sagt, wird man gleich ernster genommen. Je grösser der Name, desto grösser der Film. Wir hätten auch einen grösseren Star für die weibliche Hauptrolle bekommen können. Melanie Winiger war den Amerikanern total egal. Die fanden es sehr mühsam, dass ich die Rolle schon einer Schweizerin gegeben habe. Am Ende waren sie jedoch mit Melanies Leistung sehr zufrieden.

ON: Landau auf dem Set zu haben, erinnert ein bisschen an Ed Wood von Tim Burton.

Landau als Bela Lugosi in Ed Wood.

Landau als Bela Lugosi in Ed Wood.

PL: So schlimm wie in Ed Wood war es zwar nicht, aber es war schon etwas seltsam einen Schauspielriesen auf dem Set zu haben, wenn der Strom ausfällt, es in Strömen regnet oder die Polizei auftaucht, weil wir die Drehbewilligung überschritten haben. Er blieb aber immer cool. Ein totaler Profi. Dabei weiss niemand, wie alt das er ist. 77? 85? Es ist ein Rätsel.

ON: Den Vergleich mit Ed Wood könnte man aber auch so verstehen, dass er wie Bela Lugosi im Film ein abgehalfterter Star ist, der jede Rolle annimmt.

PL: Nein, nein. Er musste während Love Made Easy oft nach San Franciso, um seine TV-Serien zu drehen. Klar ist er nicht mehr der Jüngste, aber er ist immer noch sehr umworben. Diesen Vergleich darf man auf keinen Fall machen. Das wäre eine totale Beleidigung für ihn!

ON: Stimmt es, dass du das Drehbuch schon mit 23 geschrieben hast, jeweils vor der Arbeit, indem du eine Stunde früher aufgestanden bist.

PL: Das stimmt. Man kann ja in der Schweiz, wie überall, nicht einfach sagen, dass man jetzt Filmemacher sei, sondern irgendwo muss auch noch das Geld herkommen.

ON: Love Made Easy entstand in dem Fall vor Verflixt verliebt?

Luisi früher.

Luisi früher.

PL: Eine erste Fassung, ja. Die Idee mit den fünf Kumpels und einer davon verliebt sich. Die Mafiosi. Die Grundzüge waren da, aber sicher noch nicht fixfertig.

ON: Wie in Verflixt verliebt steht auch hier ein Losertyp im Zentrum des Films. Was fasziniert an solchen Figuren in einer Komödie?

PL: Perfekte Menschen finde ich langweilig. Wir alle fühlen uns ja auch nicht immer als Superstars. Das macht eine Figur viel menschlicher. Ich würde sie aber eher als Aussenseiter statt Loser bezeichnen.

ON: Du warst auch Co-Autor bei Vitus. Fredi M. Murer wurde zitiert, dass du den Film gerettet haben sollst. Was meint er damit?

PL: Murer hatte nach drei Jahren schon dreizehn Versionen des Buches für den Film, bis ihm sein damaliger Produzent mitteilen musste, dass er den Film nicht finanzieren konnte. Einen Tag darauf hat er Verflixt verliebt gesehen und mir per E-Mail Komplimente zukommen lassen. Das hat mich sehr gefreut, und ich habe ihm meine Hilfe angeboten. Er hat mir dann vier verschiedene Fassungen geschickt, und ich fand die vorliegenden Figuren so gut, dass ich sofort Zugang fand zur Grundidee des Films. Da half ich gerne. Ich habe wahnsinnig viel gestrichen. Es war ein Epos, den ich auf die Familiengeschichte konzentrierte. Auf Grund dieses neuen Drehbuchs haben dann Fredi und ich die Story zusammen weiter geschrieben.

ON: Was steht als nächstes an?

PL: Ich habe schon wieder eine Absage vom Bund bekommen. [lacht] Aber ich habe ja noch einen Versuch. Ich bin gerade am Rewriting.

ON: Wie lautet der Pitch?

PL: Eine Tragikkomödie über Asylbewerber, die den Willhelm Tell aufführen.

13.09.2006 / rm