Love Made Easy (2006)

Interview mit Ralph Gassmann

Ralph Gassmann

Ralph Gassmann

Nicht nur Nina Havel machte in der Teenie-Sendung "Schlips" ihre ersten Schritte auf den Brettern, die über den Leutschenbach führen, auch Ralph Gassmanns Weg in den Showbusiness nahm seinen Anfang auf der Jugendschiene des Staatssenders. Lang ist's her! Zehn Jahre um genau zu sein. Mittlerweile in England zum Schauspieler ausgebildet, spricht der Bülacher akzentfrei Englisch und war deshalb bereit für die Rolle des Muttersöhnchens in der Schweizer US-Produktion Love Made Easy.

OutNow.CH sprach mit ihm während seines Heimatbesuchs anlässlich der Weltpremiere des Films in Zürich. Es stellte sich heraus, dass er wohl zu den grössten Fans der kleinen Filmwebsite innerhalb der Schweizer Filmszene gehört. Auf das folgende Interview hat er sich deshalb besonders gefreut.

OutNow.CH (ON): Für die, welche kein "Lüthi und Blanc" schauen... Was hast du bisher so gemacht?

Ralph Gassmann (RG): Ich bin tatsächlich mit "Lüthi und Blanc" ein bisschen bekannter geworden in der Schweiz, obwohl ich nur in etwa vier Folgen zu sehen war. Meine Screenpräsenz bei der Soap übersteigt wohl nicht einmal zwanzig Minuten in den letzten drei Jahren. In der Filmindustrie kennt man mich ein wenig besser seit dem Fernsehfilm Dario M., wofür ich auch für den Schweizer Filmpreis nominiert worden bin. Ein Jahr später durfte ich dann auch in Havarie die Hauptrolle übernehmen. Vor über zehn Jahren habe ich auch noch bei der SF DRS-Jugendsendung "Schlips" mitgespielt. Die meisten können sich nicht mehr daran erinnern. Das ist wohl auch besser so.

Gassmann erlebt sein ganz persönliches Grounding

Gassmann erlebt sein ganz persönliches Grounding

ON: Aber du bist auch der Mann hinter dem Satz "Your company isn't able to pay the bills anymore." im Grounding-Trailer kurz bevor dich Stephan Gubser als Swissair-Pilot über die Hotelreception zieht?

RG: Auch das war eine ganz kleine Rolle. Michael Steiner hat damals bei "Schlips" auch mit mir gedreht. Eine Folge in schwarz-weiss, die wir auf dem Velo in irgendwelchen Tunnels ziemlich guerillamässig gedreht haben. Er hat sich an mich zurückerinnert, als sie jemanden brauchten, der Englisch sprechen konnte.

ON: Dein Englisch ist wirklich perfekt. Du hast ein Schauspielschule in Manchester absolviert. Wie kam es zu diesem Entschluss?

RG: Eher zufällig. Ich habe mich an vielen Schulen beworben - auch in Deutschland und der Schweiz. Die Schule in Manchester kannte ich durch zwei Austauschstudenten, die bei meiner Familie gastierten als ich noch am Gymi war. Die haben von der Schule geschwärmt, und ich habe mich daran zurückerinnert und mich dort beworben. Ich wurde als erster Ausländer aufgenommen, wohl auch weil sie sich durch meine Herkunft eine neuen Perspektive erhofften. England gilt ja ein bisschen als Schauspielmekka und viele meiner Lieblingsschauspieler sind Engländer. Ich sagte mir deshalb: "Warum nicht?"

Als Hamlet

Als Hamlet

ON: Heute lebst du in London.

RG: Vor zwei Jahren bin ich in die Hauptstadt gezogen, weil ich in einem Stück im Theaterviertel West End engagiert wurde. Die verlangten, dass die Schauspieler in der Nähe wohnten. In England ist es leider auch so, dass man dich erst wenn du in London bist als Schauspieler wirklich ernst nimmt. Das hat bei diesem Schritt sicher auch eine Rolle gespielt.

ON: Love Made Easy ist nun deine erste Hauptrolle im Kino. Was bedeutet das für dich?

RG: Es bedeutet sicher viel mehr Öffentlichkeit, obwohl die Fernsehfilme die grösseren Einschaltquoten hatten. Man muss sich mehr mit den Medien und Kritikern auseinander setzen. Ich hatte bis jetzt zwar immer gute Rollen, konnte mich aber im Hintergrund halten. Ich bin überzeugt, dass niemand auf der Strasse Ralph Gassmann erkennen würde. Persönlich ist es mir wichtig, dass es eine Komödie ist. Mein Ziel als Schauspieler ist, mich immer weiter zu entwickeln: ein guter Schauspieler ist einer mit viel Erfahrung. Schon Klaus Maria Brandauer sagte: "Spielen, spielen, spielen."

ON: Komödie gilt als das schwierigste Fach. Wie hast du dich auf die Rolle von Gus vorbereitet?

Coolnees-Check on Set

Coolnees-Check on Set

RG: Ich bin viel mit Peter Luisi zusammengesessen. Er hatte ja nicht nur das Buch geschrieben, sondern auch die Regie übernommen und deshalb eine sehr klare Vorstellung von der Figur. Wichig ist bei eine Komödie das Timing. Da wird viel im Schnitt gemacht. Aber auch das Körperliche spielt ein wichtige Rolle. Komödiantische Figuren sind immer ein bisschen überzeichnet - man spielt nicht naturalistisch sonder leicht stilisiert. Deshalb ist es wichtig, dass sich das Innenleben der Figur auch in ihrer Gestik, dem Gang und ihrem Verhalten wiederspiegelt. Da musste Gus eine Entwicklung durchmachen.

ON: Bist du für die Rolle eines Schusselkopfs ohne Erfolg bei Frauen nicht zu gut aussehend?

RG: Ein Vorteil war, dass ich in Amerika viele Hamburger gegessen habe. Das Doppelkinn, das ich bekam, hat der Rolle sicher nicht schlecht getan. Aber es gab schon lustige Momente bei der Kostümprobe. Turnschuhe mussten grösser sein. Die Frisur nicht zu cool. Vor allem der Regisseur hat vor einer Aufnahme immer an meinen Haaren hermumgemacht, bis es ihm gefiel.

ON: Wie kam der Kontakt mit Peter Luisi zu stande?

RG: Ursprünglich hätte der Film ja auf Schweizerdeutsch gedreht werden sollen. Er hatte mich wohl in Dario M. gesehen und gefragt, ob er das Projekt mit mir in der Hauptrolle beim Bundesamt für Kultur einreichen durfte. Vielleicht wurde es ja deshalb abgelehnt. [lacht]

ON: Als die Finanzierung nicht zustande kam, was ging dir da durch den Kopf?

RG: Ich war erstaunt. Es war ja nicht wie bei einer Lotterie, wo man viel Glück haben muss, sondern Peter und ich dachten wirklich, dass es nur noch um die Details ging. Mein erster Gedanke war, dass nun alles ins Wasser fällt. Als dann Peter Luisi vorgeschlagen hat, nach Amerika zu gehen, habe ich mich sehr gefreut.

Unter der Sonne Kaliforniens

Unter der Sonne Kaliforniens

ON: Ist in L.A. zu drehen wirklich der Traum eines jeden Schauspielers?

RG: Die Chance in Englisch eine Hauptrolle zu spielen ist grossartig. Damit habe ich auch international eine Referenz. Mein Agent muss sich sonst immer die Schweizer Filme mit Untertiteln anschauen. Der Traum war für mich eher an einem komplett anderen Ort zu drehen. Hätte mir Peter gesagt, dass wir nach Japan gehen für den Dreh, hätte ich mich genauso gefreut. Bei einer Low-Budget-Produktion wie Love Made Easy ist sowieso nichts mit Glanz und Gloria.

ON: Ein anderer Traum hat sich aber für dich erfüllt: Du durftest Melanie Winiger küssen. Die allesentscheidende Frage: Wie gut küsst sie?

RG: Melanie küsst sehr gut. Der Kuss im Film passte einfach bestens zu ihrer und meiner Rolle. In dieser Hinsicht waren wir beide einfach sehr professionell. [lacht]

13.09.2006 / rm