Eden (2006)

Interview mit Michael Hofmann

Michael Hofmann

Michael Hofmann

Der Deutsche Michael Hofmann ist seit 1991 freier Autor und Regisseur. Eden ist sein dritter Film nach Sophiiie! und Der Strand von Trouville. Die Umstände wollten es, dass OutNow.CH ihn während des Zurich Film Festivals ausgerechnet in einem Frühstücksraum eines Hotels traf. Das passte natürlich bestens zu seinem Film mit dem Thema der Feinschmecker. Die männliche Hauptrolle hat darin Josef Ostendorf, der von 2001-2004 auch am Schauspielhaus Zürich engagiert war. Im Gespräch geht es neben dem Filmen von Esswaren, und Charlotte Roche auch um ihn.

OutNow.CH (ON): Was gab's zum Mittagessen?

Beim Interview in Zürich

Beim Interview in Zürich

Michael Hofmann (MH): Ein lausiges Käsesandwich im Flugzeug.

ON: Es war also nicht herausragend?

MH: Nein. Man kann nicht immer auf hohem Niveau essen.

ON: Bist du selber ein guter Koch oder leidenschaftlicher Laie?

MH: Ich bin gute Mittelklasse. Frische Sachen lecker und schnell zubereiten, dass kann ich. Alles was darüber hinausgeht, ist mir auch zuviel Arbeit. Die Relation muss einfach stimmen. Die Zubereitung darf nicht viel länger dauern als das Essen. Alles andere wird dann sehr ambitioniert. Ich mag die einfache ehrliche Küche. Das andere soll man den Profis überlassen.

ON: In Eden ist Gregor der Profi. Wie kommt man auf die Idee, einen Film über das Kochen zu machen? Haben dich reelle Personen inspiriert.

Hofman am Set

Hofman am Set

MH: Es gab zwei Ansätze. Der erste war der Schauspieler Josef Ostendorf, den ich sehr schätze, und der in meinen ersten beiden Spielfilmen eine Nebenrolle inne hatte. Ich dachte, es ist eine Schande, dass dieser Mann noch nie eine Hauptrolle hatte. Der ist grandios und in Amerka, England und Frankreich wäre der schon lange berühmt und würde einen Film nach dem anderen machen. In Deutschland gibt es da Berührungsängste, was ich ganz schlimm finde. Ostendorf ist viel besser als die anderen beleibten Schauspieler in Deutschland. Der zweite Ansatz, war Josef als Genussmensch. Der ist ja nicht dick, weil er viel in sich hineinschlingt, sondern er gibt viel Geld für gutes Essen aus. Übringens hier in Zürich oft mit Christoph Marthaler. Die beiden waren wie ein Gang, die immer in die besten Restaurants ging. Ich fand es sehr reizvoll, dass jemand quasi als Lebensziel hat, einen dicken Bauch zu haben. Dann fand ich noch die Idee sehr interessant, dass ein sehr tolles Essen ein Leben verändern kann. Da ich Drehbuchförderung bekam, konnte ich es mir leisten Recherche zu betreiben und in diese exquisten Restaurants zu essen. Dabei stellte ich fest, dass wenn ein Koch wirklich einen sehr sehr guten Tag hat, kann es wirklich sein, dass man die Welt mit anderen Augen sieht.

ON: Gibt es auch bei den Menus im Film einen Bezug zur Realität? Existiert die Schoko-Cola-Sause wirklich?

MH: Die habe ich mir ausgedacht. Frank Oehler, ein ziemlich bekannter Koch in Deutschland, hat alle Gerichte im Film kreiert - bis auf die Schoko-Cola-Sause. Der war total sauer auf mich. Für ihn ist das nicht seriös. Im Scherz wollte er von mir dann auch das Rezept wissen. Aber die kriegt man nicht hin.

ON: Der Vorspann schien mir kunstvoller mit dem Food Design umzugehen als der Rest des Films? War Meisterkoch Frank Oehler nicht ständig am Set.

MH: Nein. Die nahen Einstellungen vom Essen haben wir vor dem eigentlichen Film an drei Tagen in Berlin gedreht. Das war auch für Frank eine ganz spezielle Sache. Ich wollte einfach mal diesen Punkt setzten, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Für den Rest des Film wollte ich mich aber zurückhalten, weil es eben kein Kochfilm werden sollte. Das Essen ist nur der Katalysator für das, was geschieht.

ON: Der Film scheint weniger edel nach dem Vorspann.

MH: Essen muss einfach lecker aussehen auf der Leinwand. Hätten aber aller Bilder im Film ausgesehen wie das Essen, dann wäre es fast ein Werbespot geworden. Das wollte ich ja auch nicht haben. Deshalb haben wir das bewusst ein bisschen abgetrennt, damit da so eine Metaebene entsteht.

ON: Du hast schon erwähnt, dass du unbedingt Josef Ostendorf haben wolltest. Was macht Charlotte Roche aber zur perfekten "Eden"?

Die perfekte "Eden".

Die perfekte "Eden".

MH: Ich habe lange nach jemanden gesucht, der diese Naivität und Unschuld bot und gleichzeitig eine Austrahlung hatte. Bei vielen, die sich vorgestellt haben, war mir das aber zu bemüht und zu dargestellt. Da stand irgendwie das Schauspielerdasein im Wege. Charlotte kannte ich aber gar nicht von VIVA. Entdeckt habe ich sie im Magazin der Deutschen Bahn, das man in der Verzweiflung während der Fahrt dann halt trotzdem liest. Sie hatte ein gutes Gesicht, und war auch sehr photogen. Da haben wir ihr das Drehbuch geschickt, und es gefiel ihr. Sie liess mit sich arbeiten. Sie wusste, sie war Laie, schenkte mir aber ihr Vertrauen. Josef hatte zuerst auch seine Bedenken. Aber nach ein paar Szenen, die wir hier in Zürich geprobt haben, wollte auch er, dass wir sie nehmen.

ON: Wollte Charlotte denn Schauspielerin werden?

MH: Sie hat viele Drehbücher geschickt bekommen, aber keines hat ihr gefallen. Diese Rolle war aber komplett anders als ihr Image in Deutschland.

ON: Mit C-Films als Co-Produzentin ist es teilweise eine Schweizer Produktion. Sind deshalb Roeland Wiesnekker, Max Rüdlinger und andere Schweizer Schauspieler mit an Bord?

MH: Jeder der mitspielt, ist der beste, den ich für die Rolle finden konnte. Weil es aber eine Schweizer Co-Produktion war, hat man auch in der Schweiz gecastet. Etwas das man normalerweise nicht macht, weil es einfach zu aufwändig ist. Und ich war sehr angetan. Max Rüdlinger ist perfekt, aber er kann kein Hochdeutsch, deshalb ist er taubstumm im Film. Roeland Wiesnekker kannte ich schon aus Strähl, weil der von einem Regisseur, den ich aus Berlin kannte, gedreht wurde. Mit ihm wollte ich sowieso mal arbeiten.

Hofmann begrüsst das Premierenpublikum

Hofmann begrüsst das Premierenpublikum

ON: Wie hat sich die Crew verköstigt? Bei Alfred Bioleks Kochsendung "Alfredissimo!" essen die Kameraleute jeweils, was in den Töpfen übrig bleibt.

MH: Das war bei uns tatsächlich auch so. Die Köche am Set haben das Food Design immer so gemacht, dass alles essbar war. Es gab also immer etwas leckeres zu essen. Ich habe auch drei Kilo zugenommen.

ON: Wie schmeckt Stierhoden?

MH: Ich musste das dann auch essen, wenn das die Schauspieler schon tun müssen. Es schmeckte relativ knorpelig und widerlich, ehrlich gesagt. Es ist ziemlich zäh. Natürlich ist das aber ein eher extravagantes Gericht.

11.10.2006 / rm, db (Photos)