Robots (2005)

Interview mit Erich Vock

Die Roboter kommen in die Kinos. Nein, nicht böse, gewalttätige oder ausserirdische. Robots, der neueste Animationsfilm der Macher von Ice Age. Vor der Vorpremiere im Zürcher Kinotheater Abaton hatte OutNow.CH kurz die Gelegenheit, den Schweizer Schauspieler und Stimme der Figur "Bigweld", Erich Vock zu einem Schwatz zu treffen. Wir setzten uns also ins (noch) leere Kino und fingen an, frisch und fröhlich drauflos zu plaudern:

ON: Hallo Erich und danke, dass du dir ein paar Minuten für uns Zeit nimmst.

EV: Kein Problem. Leg los.

ON: Ist es das erste Mal, dass du einen Animationsfilm stimmlich verstärkst?

EV: Also in dieser Art schon. Ich hatte mal die Katze in Stuart Little gesprochen, aber da waren die Menschen real. Geena Davis spielte da die Hauptrolle und die Viecher waren einfach computertechnisch animiert. Aber einen ganzen Film mit Animationsfiguren, hab ich noch nie gemacht.

ON: Hast du den Film schon gesehen?

EV: Jaja, klar. Den musste ich ja gucken, beim Synchronisieren *g*.

ON: Und? Gefällt er dir? Bist du zufrieden?

Er hat's nicht erfunden, aber...

Er hat's nicht erfunden, aber...

EV: Also mich selber hab ich noch nicht gehört. Aber natürlich musste ich den ganzen Film gucken, um mir ein Bild des Charakters "Bigweld" zu machen, den ich dann sprechen durfte. Aber die deutsche Version mit meiner Stimme im Film hab ich noch nicht gesehen.

ON: Was erwartest Du von dem Film? Wird er Erfolg haben?

EV: Also ich war am Anfang ein bisschen skeptisch, als ich gehört habe, um was es denn geht. Denn mit Technik hab ich nicht sehr viel am Hut und ich wusste nicht, ob mich das überhaupt anspricht und interessiert. Ich mag keine Science-Fiction, aber das ist es ja bei Robots auch nicht. Es ist Fantasy und die Geschichte geht in eine technische Geschichte über, weil die Figuren halt Roboter sind und es wirklich so rüberkommt, dass jeder der Roboter einen klaren Charakter hat und diesen Menschengleich darstellt. Es ist irrsinnig liebevoll gemacht. Es gab ja eine Phase, wo die animierten Filme so plakativ und grossflächig waren. Doch Robots ist schön und vor allem lustig. Wenn man in die grosse Stadt einfährt gibt es Tausende von Details zu beachten. Ich hoffe natürlich, dass viele Leute diesen Film sehen werden.

ON: Hast du Bekanntschaften gemacht mit anderen Synchronsprechern während der Arbeit? Trifft man sich da oder ist man alleine in der dunklen Kammer und arbeitet für sich?

EV: Also, du bist nicht in einer Kammer, aber natürlich alleine. Hinter dir sitzt der Regisseur, der die Anweisungen durchgibt. Aber grundsätzlich bist du alleine am Arbeiten.

ON: Wie muss man sich Synchronisationen von Animationsfiguren vorstellen?

EV: Die Schwierigkeit ist natürlich, dass du den Charakter genau triffst. Drum guckst du auch vorher den Film an, um herauszufinden, was das für einer ist, dem du deine Stimme gibst. Wenn es bereits eine Fassung gibt, dann sieht man schnell, wie die Figur klingen muss und wie der Charakter ist. Dazu kommt das Problem, dass du eigentlich am Mikro stehst und die Figur auf der Leinwand bewegt sich. Du selber darfst dich aber nicht bewegen, weil sonst die Stimme nicht klar ins Mirko geht und so musst du versuchen, die Bewegungen der Figur auf der Leinwand in die Synchronisation mit einfliessen zu lassen, ohne selber herum zu zappeln. Ich hoffe, das war irgendwie verständlich...

... er wurde erfunden.

... er wurde erfunden.

ON: Im Original wird die Figur "Bigweld" von Mel Brooks gesprochen. Gab's da irgendwelche Einschränkungen, hat man dir gesagt, dass du die Figur ähnlich interpretieren sollst? Oder hattest du völlig freie Hand?

EV: Du kennst natürlich die Vorgabe, ganz klar. Aber du musst versuchen, selber die Figur zu entdecken und stimmlich zu charakterisieren. Es gab Szenen, wo man den Bezug zum Originalsprecher behalten muss, weil es einfach nicht anders geht. Aber es wäre ja blöd und schade, wenn ich probiert hätte, den Mel Brooks zu imitieren. Nein, das wäre wirklich schade gewesen.

ON: Wie kam man überhaupt auf dich als Synchronsprecher? Half da der "Wer hats erfunden"-Spot von Ricola? Denn du synchronisierst ja "nur" die Schweizer und die Österreichische Version des Filmes. In Deutschland hat man einen anderen Sprecher genommen.

EV: Das haben die im Studio zwar dann sehr bedauert, aber die Version für Deutschland war schon fertig, als ich mit meiner Arbeit anfing. Warum man mich genommen hat, weiss ich echt nicht. Da musst du beim Verleih anfragen. Vielleicht haben die Spots für Ricola geholfen, aber ich weiss es nicht. Vielleicht ist es auch, weil ich sehr viel für Kinder mache und man das im Deutschschweizer Bereich halt weiss.

ON: Was hältst du im Allgemeinen von Animationsfilmen? Was ist denn dein Lieblingstrickfilm? Gibt's da einen? Oder mehrere? Gibt es Filme, die Du gar nicht magst?

EV: Also mir kommt grad keiner in den Sinn, den ich nicht mag. Aber von den neueren Filmen fand ich zum Beispiel Shrek sehr lustig. Und ich als alter Disney-Fan liebe natürlich die Klassiker, wie Das Dschungelbuch oder Schneewittchen. Aber auch andere Trickfilme gefallen mir. Ich bin halt ein Kind geblieben und gucke mir diese Filme sehr gerne immer und immer wieder an.

ON: Gibts einen Charakter, von dem du träumst, dass du ihn mal synchronisieren kannst?

EV: Das sage ich nicht (grinst). Sorry, aber ich bin wirklich abergläubisch und wenn ich das jetzt erzähle, dann geht's dann nicht in Erfüllung. Aber es gibt wirklich so eine Figur. Nur sage ich nicht welche...

ON: Zurück zu den Robotern. Für was könntest du am besten so einen gebrauchen?

EV: Ich möchte eigentlich keinen Roboter zuhause. Eine Maschine, die so nah an den Menschen geht, möchte ich nicht in meiner Nähe. Aber eine Maschine, wo du die Hemden reinstecken kannst und die kommen gewaschen, gebügelt und am Kleiderbügel hängend wieder raus... So was würde ich mir kaufen.

ON: Du hast vorher gesagt, du seiest technisch nicht so äääh....

EV: Auf der Höhe... *g*...

ON: Okay, sagen wir's so. Aber verfolgst du denn die technischen Machenschaften in diesem Bereich ein wenig? Interessiert dich, wie weit man Roboter schon entwickelt hat oder hast Du für solche Sachen auch nichts übrig?

EV: Also ich habe keine Angst davor, dass irgendwann Roboter die Menschen "ersetzen" können. Soweit werden wir's hoffentlich nicht kommen lassen. Dass Roboter die Arbeit der Menschen erledigen können, ist ja schon Tatsache. Das finde ich hingegen sehr faszinierend. Wir sitzen hier zum Beispiel in einem Kino, wo du das Ticket zuhause ausdrucken kannst. Du kannst übers Internet genau die Sitzplätze reservieren und brauchst eigentlich mit keiner Person zu reden. Von den Folgen hab ich allerdings ein bisschen Angst. Du kannst in dieses Kino kommen und hast mit keiner Person gesprochen. Du brauchst nicht mehr in der Schlange zu stehen, mit der Kassiererin zu sprechen oder sonst irgendwelche sozialen Kontakte zu knüpfen. Wenn wir das weiterspinnen wollen, dann braucht man eigentlich die anderen Menschen gar nicht mehr, denn es geht ganz ohne Kontakt. Und das finde ich bedenklich.

Von der Eiszeit zurück in die Zukunft

Von der Eiszeit zurück in die Zukunft

ON: Was sind die nächsten Projekte von Erich Vock? Mehr Filme, mehr Ricola oder Theater?

EV: Also Theater wird immer meine Leidenschaft bleiben und drum werde ich da wohl immer irgendwie damit verknüpft sein. Im Moment drehe ich in Luxemburg einen internationalen Spielfilm, indem einer der Gnome aus Lord of the Rings, Billy Boyd, die Hauptrolle spielt und das ist sehr interessant. Save Angel Hope heisst das Projekt und gefällt mir sehr gut und gibt mir einen schönen Einblick in die Filmwelt. Der kommt dann irgendwann mal in die Kinos. Dann spiele ich mein Soloprogramm "Vock yourself", bin regelmässig als "Sams" auf der Bühne und im Herbst kommt ein neuer Schwank, mit dem ich auf Tournee gehe. Also ich bin relativ ausgebucht, aber es macht irrsinnigen Spass.

ON: Zum Abschluss ein paar Stichworte, zu denen du das erste erzählst, dass dir einfällt. Wir beginnen mit "Roboter"

EV: Ein schöner Film

ON: Trickfilme

EV: Robots

ON: Stimme

EV: Etwas vom Wichtigsten, dass ich habe

ON: Premiere

EV: Nasse Hände

ON: Interviews

EV: Früher hat mich das extrem nervös gemacht. Aber mit der Zeit wird's einfach eine interessante Begegnung mit anderen Leuten

ON: Internet

EV: Ein unglaublich faszinierendes Medium

ON: Zukunft

EV: Hoffentlich Gesundheit

ON: Ricola

EV: Ein Glücksfall

Das Interview ist durch - und noch immer beide gut gelaunt...

Das Interview ist durch - und noch immer beide gut gelaunt...

ON: Theater

EV: Meine Passion

ON: Jörg Schneider

EV: Ein Mensch, von dem ich sehr viel gelernt habe

ON: OutNow.CH

EV: Werde ich mir öfters ansehen. Sympathisch.

ON: Das wars auch schon. Danke vielmals für die Zeit, die du dir genommen hast und viel Erfolg mit Robots und Deinen Theaterstücken

EV: Kein Problem. Ich danke auch. Hat Spass gemacht.

Er ist sympathischer, der Ricola-Mann. Immer gut aufgelegt und mit Freude am Werk. Wer ihn schon in irgendwelchen Theaterschwänken oder auch im "Benissimo" gesehen hat, kann sich vorstellen, wie Erich Vock so drauf ist. Und genau so sympathisch präsentierte er sich dann auch beim kurzen Interview. Der Dank geht natürlich noch mal an den Schauspieler selber, sowie auch die Verantwortlichen von Fox-Warner, die dieses Gespräch erst möglich gemacht haben.

07.03.2005 / muri