Coronado (2003)

Das Interview mit Claudio Fäh, Regisseur

Da an der Weltpremiere von Coronado in Zug einige Personen der Crew anwesend waren, konnten wir mit dem Regisseur Claudio Fäh ein Interview führen:

OutNow.CH: Gratulation, der Film ist wirklich gut! Wie oft hast du den finalen Film schon gesehen?

Claudio Fäh: Keine Ahnung... viel zu oft ;)

ON: Du hattest die Möglichkeit mit diesem Film alle Klischees die in Amerika über die Schweiz herrschen zu beseitigen, weshalb hast du gleich das Gegenteil gemacht und die Schweiz "übertrieben" dargestellt?

CF: Der Film bedingt das irgendwie... Wir haben Zentral-Amerika genauso Klischeeüberladen dargestellt, da haben wir uns gedacht, dass wir das mit der Schweiz auch machen müssen. Das war halt ein Gag den wir uns erlaubt haben ;)

ON: Wie viel wurde in der Schweiz gedreht?

Claudio Fäh in Action

Claudio Fäh in Action

CF: Nur die Hintergründe, die Schauspieler waren nie in der Schweiz. Wir waren mit einem kleinen Team, ein halbes Jahr vor den Dreharbeiten, in der Bahnhofstrasse und haben dort die Hintergründe gedreht, genau in diesen Winkeln wie ich sie für den Film benötigte. Und dann bei den Dreharbeiten in Mexiko haben wir die Schauspieler in Pelzmäntel gesteckt und vor Greenscreens gestellt. Danach wurden diese Szenen mit den gefilmten Hintergründen vereint und wir haben noch digitalen Schnee hinzugefügt. Die Schauspieler mussten auch vor Ort in ein nachgebautes Tram steigen um die Vision zu verstärken, dass die Schauspier tatsächlich in der Schweiz waren. Das sind solche Visual Effects die hoffentlich niemand bemerkt und auch niemand weiter darüber nachdenkt. Aber mit diesem Trick konnten wir die Produktionskosten herunterdrücken da niemand in einem Hotel untergebracht werden musste.

ON: Wie viele Tage habt ihr insgesamt gedreht?

CF: Gedreht haben wir 30 Tage mit den Schauspielern, danach 10 Tage lang die Hintergründe ohne die Schauspieler (Jungel, Wasserfälle usw.). Danach haben wir vier Wochen lang in Los Angeles die Modellaufnahmen für die Visual Effects gedreht, sprich Panzer zerstört oder die Brücke einstürzen lassen.

ON: Warst du bei den Special Effects immer vor Ort und hast deine Wünsche angebracht?

CF: Ich war jeden Tag dabei von A-Z, jede Einstellung, auch bei der Endmischung.

ON: Gibt es etwas, dass du jedesmal wenn du den Film siehst, bemerkst? Etwas, dass du heute anders machen würdest?

CF: Ich sehe etwa alle fünf Sekunden etwas was ich heute anders anpacken würde. Man sieht auch schon beim Drehen Szenen bei denen man weiss, dass es ein Fehler geben wird. Man kann es aber nicht mehr ändern da keine Zeit, kein Geld und keine Ressourcen vorhanden sind. Was für mich aber am Wertvollsten ist, sind die Reaktionen des Publikums zu sehen, das war das Wichtigste und Lehrreichste. Sprich wenn ich sehe, dass die Leute bei einer gefährlichen Szene die Hand vor den Mund nehmen oder im richtigen Moment lachen, dann ist das für mich das grösste Gefühl.

ON: Du hast es schon ein paar Mal angesprochen, das Geld. Wie hoch war das Budget?

CF: Wir hatten 4,7 Millionen Dollar zur Verfügung.

ON: Also ein Bruchteil vom Budget wie es zum Beispiel Terminator 3 hat...

CF: Bei Terminator hat wohl die Verpflegung schon viel mehr gekostet. Man sieht es Coronado schon an, dass wir nicht das gleiche Budget hatten, dennoch denke ich, dass der Streifen dem Publikum genauso viel bietet wie manch anderer Amerikanischer Actionstreifen der das Zehnfache kostet.

ON: Coronado ist ja nicht sehr bekannt. Jedem den man erzählt, dass der Film von einem Schweizer Regisseur ist, hakt den Streifen gleich unter "billig" ab. Wenn man aber den Trailer sieht oder eben den finalen Film ist es fast unvorstellbar, dass da ein Schweizer dahinter steckt. Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

CF: Seid meinem 14. Lebensjahr filme ich und habe später einige Kurzfilme gedreht, bevor ich in die USA an eine Filmschule ging. Und für den Film konkret ist ein sehr grosses Team-Work der Schlüssel zum Erfolg gewesen, denn das würde gar nie funktionieren ohne erfahrene Leute die mir unter die Arme greiffen. Es ist einfach wichtig möglichst viele Leute mit grossem Know-How um sich zu sammeln.

ON: Aber du bist ja wohl nicht einfach auf die Filmschule gegangen und eines Tages klopfte jemand an deine Tür und fragte ob du einen Film drehen möchtest?!

CF: Ich hatte riesen Glück und ich weiss auch nicht warum mir das passiert ist, aber ich versuchte mit allen Mitteln das Beste daraus zu machen. Es war so, dass nach meinem letzten Kurzfilm ein Schweizer Privatinvestor auf mich zu kam und mir sagte, dass er genügend Geld auf der Seite hätte und dieses gerne in einen Kinofilm investieren würde.
Dies war der Startschuss. Die Suche nach weiteren Investoren wurde dadurch um einiges leichter. Das war für mich der völlige Wahnsinn!

ON: Hattest du freie Hand um die Schauspieler auszuwählen?

CF: Volker, Marc und ich haben alles im Trio entschieden. Jede Entscheidung war eine pure Geldfrage. Und gerade bei dieser Budgetgrösse waren alle Entscheidungen eingeschränkt, da man einfach nie genug Geld hatte und man musste sich bei jedem Detail überlegen ob es nicht einfachere und günstigere Alternativen gibt; so, dass man den Wert auf der Leinwand maximieren kann. Und deshalb konnten wir uns auch keinen Star leisten. Wir hätten gerne einen Star gehabt...

ON: Dann ist John Rhys-Davies ("Gimli" in Der Herr der Ringe) in deinen Augen kein Star?

CF: Natürlich, es war eine tolle Sache mit ihm zu drehen und ich bewundere seine Arbeit sehr. Er ist sicher einer der erfahrensten und besten Schauspieler überhaupt. Aber auf dem internationalen Markt ist es einfach eine Tatsache, dass es nichts zur Sache tut, dass er im Film mitspielt. Und ein richtig grosser Star kostet halt mindestens drei Millionen und das ist bei einem Budget von 4,7 nicht bezahlbar.

ON: Besonders hat mich Kristin Dattilo fasziniert, ich habe noch selten eine so natürliche Leinwandpräsenz gesehen. Hast du sie von Anfang an in dieser Rolle gesehen oder war das erst am Ende als du dein glückliches Händchen bemerkt hast?

CF: Wir hatten 400 Frauen beim Vorsprechen für die Hauptrolle und sie war eine der Letzten die wir gesehen haben und ich wusste gleich, dass es die Richtige ist. Und vor allem als wir sie danach mit dem Hauptdarsteller - der übrigens der Erste bei der Reporter-Rolle am Vorsprechen war - zusammenstellten ging gleich ein Licht an. Es passte einfach perfekt!

ON: Zweieinhalb Jahre habt ihr an dem Film gearbeitet. Wie gross ist die Enttäuschung, dass kein Schweizer Vertrieb für den Film gefunden wurde. Oder hast du gar nicht gross damit gerechnet, dass der Film in die Schweizer Kinos kommt?

Das Abschlussfoto durfte natürlich nicht fehlen

Das Abschlussfoto durfte natürlich nicht fehlen

CF: Ja, ich bin überrascht, dass es in Deutschland und der Schweiz nicht auf Anhieb besser geklappt hat. Vor allem da die Produzenten aus Deutschland kommen und dort gute Beziehungen haben. Wir haben uns das ein Bisschen zu einfach vorgestellt. Der Vertrieb von einem Independent Film, der von Anfang an keine Unterstützung von einem Verleiher gesucht oder erhalten hat, gestaltet sich als fast unmöglich und es ist schwierig dieses Problem zu überwinden. Wir sind aber sehr glücklich, dass wir den Film bis jetzt in über 28 Länder verkaufen konnten. So zum Beispiel in Frankreich wo er mit 200 Kopien in die Kinos kommt. Das verwundert mich eigentlich viel mehr da dieses Land überhaupt keine Beziehung zu diesem Film hat...

ON: Du hoffst also, dass der Film durch positive Kritiken doch noch den nötigen Aufschwung erhält um auch die Schweizer Kinos zu erobern. Rechnest du damit, dass ihr dieses Ziel erreicht?

CF: Ich weiss es nicht, das Einzige was ich momentan sagen kann ist, dass das Konzept von dem Film, also Schweizer Regisseur, wenig Geld und viele Visual Effects der ein bisschen Piraten-Film mässig daherkommt, einen gewissen Anklang findet. Und an den wenigen Tagen an denen wir ein bisschen PR betrieben konnten wir jetzt 900 Leute in dieses Open-Air-Kino bringen und die Zuschauer haben, meiner Ansicht nach, sehr gut auf den Film reagiert und sie hatten Spass daran. Daher besteht schon Hoffnung, dass es noch klappt. Jedenfalls gibt es mir Zuversicht, dass ich als Regisseur auf dem richtigen Weg bin, eine gute Filmsprache zu finden, welche das Publikum erreicht.

ON: Du hast soeben "Piraten-Filme" angesprochen. Mit welchen Filmen würdest du Coronado am ehsten vergleichen?

CF: Ich glaube das ist schon ganz klar Indiana Jones, das war das grosse Vorbild von diesem Film.

ON: Wenn der Streifen nicht mehr in die Schweizer Kinos kommt besteht ja noch die Hoffnung, diesen bald in unseren DVD-Sammlungen zu haben. Wie weit seid ihr dort mit der Planung, respektive mit dem Suchen eines Vertriebs?

CF: Wir haben einige Interessenten doch sicher ist wie immer gar nichts. Aber ich hoffe, dass es klappt und wir die ganzen Extras veröffentlichen können.

ON: Musstet ihr wegen der Altersfreigabe irgendwelche Szenen schneiden weil sie zu blutig waren?

CF: Die gewünschte Altersfreigabe haben wir gleich erhalten, wir mussten lediglich drei Fluchwörter rausnehmen, das war eigentlich ein Witz...

ON: "Son of a Bitch" war kein Problem?

CF: "Son of a Bitch" ist ok, aber "fucking" mussten wir zweimal rausnehmen. Ich würde natürlich heute vieles anders Schneiden, es war aber nicht so, dass wir wegen der Zensur noch etwas Rauschneiden mussten.

ON: Wie sieht deine Zukunft aus?

CF: Ich habe jetzt einen Agenten in Los Angeles, bei einer der drei grössten Agenturen, sowie einen Manager der mir fortlaufend Drehbücher zusendet. Das sind alles Studio Drehbücher, sprich Studios haben für diese Filme bereits Geld auf die Seite gelegt und wenn ich mich für ein Projekt entschieden habe und ich den Verantwortlichen einigermassen gut meine Vision aufzeigen kann, sollte es eigentlich klappen, dass ich demnächst einen richtigen Hollywood Film machen kann... wenn auch nur einen Kleinen aber hoffentlich mit einem etwas grösseren Budget als bei Coronado.

ON: Also kannst du deine Zukunft als Regisseur sicher antreten...

CF: Ich denke schon, ich habe zwar noch keinen unterschriebenen Vertrag aber es sind einige Projekte kurz vor dem "grünen Licht" und es ist relativ viel Begeisterung für Coronado in Hollywood vorhanden...

ON: In dem Fall sieht man dich schon bald im Rolls Royce, auf dem roten Teppich und an der Oscar Verleihung?

CF: Das ist ein grosser Mythos, zumindest als Regisseur. Denn das ganze Hollywood-Umfeld hat sehr wenige mit Glamour zu tun, ausser man heisst Steven Spielberg. Ich habe ein Einzimmer-Apartement mit Teppichboden also nicht der grosse Luxus - aber das ist auch ok so.

ON: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

CF: Danke auch vielmals!

Claudio Fäh ist ein sehr sympatischer Mensch. Wir sind überzeugt, dass wir in Zukunft noch mehr von ihm hören, respektive sehen werden - wünschenswert wäre es!

09.08.2003 / sj