Resident Evil (2002)
Resident Evil - Genesis
Die Untoten
Als er die Regie von Resident Evil annahm, war es Regisseur Paul Anderson klar, dass damit auch einherging, das Bild von Untoten im Film neu zu entwickeln.
Mit seinen Worten: "Was vor 20 Jahren noch möglich war, lässt sich heute nicht mehr machen. Damals waren extreme Splatterfilme wie George Romeros DAWN OF THE DEAD ("Zombie", 1979) und Lucio Fulcis ZOMBI 2 ("Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", 1980) der grosse Renner. Heraushängende Eingeweide gehörten damals sozusagen zum guten Ton. Mir war klar, dass wir uns etwas grundsätzlich anderes für unser Konzept der Untoten in Resident Evil ausdenken mussten, um den Zuschauern wirklich das Blut in den Adern gefrieren zu lassen."
Um das zu erreichen, wandte Anderson sich an die Special-Effects-Makeup-Company Animated Extras International Ltd., um sich eine einzigartige Maske für die Untoten entwerfen zu lassen. Animated Extras wurden für ihren Beitrag zu SHADOW OF THE VAMPIRE ("Shadow of the Vampire", 2000) für einen Oscar® nominiert, hatten die Maske für Sam Neill in Andersons EVENT HORIZON ("Event Horizon - Am Rande des Universums") entworfen, und waren zuletzt auch an den Welterfolgen ELIZABETH ("Elizabeth", 1998) und GLADIATOR ("Gladiator", 2000) beteiligt. "Der Schlüssel zum Aussehen Untoter, wie wir es uns vorstellen, ist totaler Realismus", erklärt Pauline Fowler von Animated Extras. "Worum es uns ging, war, eine Visualisierung des T-Virus zu kreieren, der ja eingeatmet wird, sich im Körper ausbreitet und schliesslich durch Augen, Nase und Mund wieder nach aussen dringt. Daher haben wir alle möglichen medizinischen Lehrbücher gewälzt, um irgend etwas zu finden, das nicht dem traditionellen verfaulten Fleisch entsprach, sondern eher so etwas wie ein lebender Organismus aussieht, der die Haut zerfrisst, ähnlich einem Bläschenausschlag."
Sie fährt fort: "Da der T-Virus - abhängig von der Statur des Befallenen - sehr schnell wirken kann, hatten wir eine grosse Bandbreite an Möglichkeiten, den Ausbruch der Seuche darzustellen, obgleich sich bei allen die Schwären an ungefähr denselben Stellen, einschliesslich der Fingerspitzen, befinden. Es wäre für mein Sechs-Mann-Team ein logistischer Alptraum gewesen, mit den 50 wesentlichen Statisten klarzukommen, wenn sich die Schwären am ganzen Körper hätten befinden sollen. Es war wesentlich einfacher und effektiver, den Virus auf diese hauptsächlichen Bereiche zu konzentrieren. Wir sorgten darüber hinaus dafür, dass die Untoten feucht, verschwitzt und so krank, wie es nur irgend ging, aussahen, damit die Figuren - genau wie das Publikum - immer noch glauben konnten, dass ein paar von ihnen immer noch irgendwie menschlich sind und gerade etwas Entsetzliches mit ihnen geschah. Und das Sahnehäubchen waren dann Kontaktlinsen, durch welche die Untoten einen eitrigen, fiesen, starren Blick bekamen."
Wesentlich für den Erfolg der Szenen mit den Untoten ist Andersons bahnbrechende Idee, einen Choreographen zu beauftragen, um den Fluss von deren Bewegungen zu gewährleisten. Die Wahl für diese Aufgabe fiel auf den Tanztrainer von SWING KIDS ("Swing Kids", 1994), Warnar Van Eeden. Dieser erinnert sich: "Es war Paul sehr wichtig, dass die Statisten, die die Untoten spielten, Bewegungsunterricht erhielten. Er wollte nicht das geringste Risiko eingehen, dass sie vielleicht albern oder lächerlich aussehen, wie das bei früheren Zombie-Filmen so oft der Fall war. Ich sagte ihm daraufhin, dass ich den Statisten weniger beibringen würde, wie sie sich zu bewegen hätten, als vielmehr, was sie empfinden sollen. Das war genau das, was er hören wollte."
Er fährt fort: "Ein Untoter hat nur eine Empfindung - 'Ich will Menschenfleisch!' Alles Übrige an ihm ist tot, er empfindet keinen Schmerz und kann nicht denken. Sehen Sie sich doch mal um, da finden Sie in jeder Stadt alkoholkranke Zombies und vergreiste Zombies, die fünf Minuten brauchen, um eine Strasse zu überqueren. Das waren die Beispiele, die ich den fünfzig Statisten gegeben habe, die ich trainieren sollte. Ich sagte ihnen, sie sollen sich ihren eigenen Tod durch eine Gasexplosion vorstellen, so dass ihre Eingeweide in ihnen verbrannt sind oder dass sich eine lebende Ratte durch ihren Magen wühlt. Dann sollten sie sich das Gefühl nagenden Hungers vorstellen, wie wir es alle schon irgendwann einmal erfahren haben, aber diesmal ins Extremste gesteigert. Die Statisten waren eigentlich Tänzer, und ich sagte ihnen, sie sollten sich mit steifen Beinen und Armen bewegen, so als ob sie nach einer anstrengenden Sportstunde ihre Lockerungsübungen versäumt hätten. Das Resultat war fantastisch. Als einer der Stars dieser Untoten-Truppe erwies sich ausgerechnet Produzent Jeremy Bolt!"
Paul Anderson weiter: "Schon gleich zu Anfang haben Richard Bridgland und ich uns überlegt, alle Sets, auf denen die Untoten auftauchen, möglichst klaustrophobisch erscheinen zu lassen, weil sie nur dadurch richtig unheimlich wirken. Wenn man mit ihnen in einem abgeschlossenen Raum eingesperrt ist, aus dem es kein Entrinnen gibt, dann bleibt einem nichts anderes mehr als Panik. Ein enger Raum, in dem 50 Untote ihre Hände verzweifelt nach dir ausstrecken, das ist der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind, in denen man überwältigt, zerrissen und zermalmt wird. In den Szenen in den Versorgungsschächten befinden sich unsere Helden nur 30 Zentimeter über dem leibhaftigen Grauen. Mir ging es darum, durch die einfarbigen Untoten, die verschmutzten Sets und die stockfinstere Atmosphäre, die nur durch die Farben von Alice' rotem Kleid, Matts blauem Hemd und dem glitzernden frischen Blut kontrastiert wird, eine mittelalterliche Stimmung - fast wie in 'Dantes Inferno' - zu kreieren."

