Resident Evil (2002)

Resident Evil - Genesis

Interview mit Michelle Rodriguez

Wie würden Sie Ihre Figur, Rain, beschreiben?

Rain ist auf den ersten Blick ziemlich eindimensional. Mir gefiel an ihr, dass sie eine Figur ist, die die Sachen gerne selbst in die Hand nimmt, dass ihr alles egal, richtig scheissegal ist. Ich vermute mal, wenn es dein job ist es, hinter Wissenschaftlern aufzuräumen, rechnet man mit kleinen Ratten und kleinen Kreaturen, vielleicht sogar so etwas wie einem zweiköpfigen Hund, dem man den Gnadenschuss verpassen muss, weil er sonst Tollwut verbreitet. Darauf ist sie vorbereitet. Aber ich bezweifle, dass man damit rechnet, mit herumlaufenden Toten konfrontiert zu werden.

Was gefällt Ihnen an dem Computerspiel?

Ich finde es irre, dass man sich auf ganz surreale Weise wie in einem Hitchcock-Film fühlt. Diese Stille der Umgebung und diese Gebäude, das ist schon ziemlich irre: Wenn man dann noch weiss, dass hinter jeder Ecke Zombies lauern können und man sich ständig in Lebensgefahr befindet, dann hat man ein perfektes Videospiel.

Sie mussten ein richtiges Ausbildungslager besuchen. Wie war diese Erfahrung?

Man fühlt sich wie ein Kind, wenn man Soldat spielt - ausser dass man damals nie so echt aussehende Maschinengewehre mit Platzpatronen, verrückte kleine Gadgets oder Ausrüstung, die man anlegen konnte, hatte. Das verpasst einem schon ein ziemlich intensives Gefühl. Und wenn man dann mittendrin ist und sich ganz genau darauf konzentriert - genau, wie wenn man das Spiel spielen würde - dann kommt einem alles absolut echt vor. Das ist eine kranke Erfahrung. Ich glaube, ohne das Training hätte der Film nicht so einen überzeugenden Fluss bekommen. Immerhin mussten wir alles mögliche, von Klettern bis Taebo-Action, mitmachen.

Zum Fluss trägt sicherlich auch das Makeup der Zombies bei.

Verdammt, ja. Das sieht so echt aus, dass sich die Leute vor Angst in die Hosen machen werden. Ich glaube, das wird perfekt funktionieren, weil unsere Makeup-Leute ganz einfach so grossartig sind. Die schrecken nicht vor Körperflüssigkeiten oder Blut zurück. Und auch bei den Verwandlungen, die ein paar von uns durchmachen - die hervortretenden Adern und Augen - sind sie ganz vorn dabei. Gerade die Augen sind total abgefahren. Die Kontaklinsen, die man uns verpasst hat, sind völlig irre. Davon hätte ich gern ein Paar, wenn ich zum clubben gehe und an der Bar ein paar Drinks bestelle.

Was hebt Resident Evil von anderen vergleichbaren Filmen ab?

Na, die hatten nicht so abgefahrene Augen. Nein, im Ernst: Unsere Geschichte ist absolut überzeugend. Und wenn man das als Grundlage hat, wird alles automatisch besser: Paul Anderson hat das Drehbuch klasse umgesetzt, und dann kommen noch die Effekte und jede Menge andere Dinge dazu. Man kann da nicht einzeln etwas herausgreifen. Die gesamte Packung ist einzigartig.

Und Paul Andersons Rolle?

Er ist der mad scientist, der verrückte Wissenschaftler. Aber er ist auch ein sehr witziger Typ, wie ein erwachsenes Kind. Ein Kind, das allerdings ganz genau weiss was es tut: Er dreht einen klasse Film.

Was können Sie über die Dreharbeiten in Europa sagen?

Ich glaube, dass es manche Schauspieler in den Vereinigten Staaten zu einfach haben. Es ist also eine gute Sache, in Europa zu drehen und hart zu arbeiten und zu schwitzen und sich erst danach darüber zu beschweren. Das ist ein grosser Unterschied. Hier wird härter gearbeitet und weniger gelabert. Das gefällt mir, das ist cool. Diese Lektion habe ich gerne gelernt. Und mir gefällt, wie smart man in Europa beim Drehen mit dem Geld umgeht. Von Constantin Film kann man richtig was lernen: Da wird nicht jede Menge Kohle für überflüssige Nichtigkeiten verschwendet, sondern in das angelegt, worum es wirklich geht. Wenn man als Schauspieler mittendrin ist, kriegt man da so einiges mit.

21.03.2002 / filmcoopi