Resident Evil (2002)

Resident Evil - Genesis

Der Look

"Um dem Spiel Resident Evil gerecht zu werden, fand ich, dass im Film dieselben Farben Verwendung finden sollten wie im Spiel", sagt Regisseur Paul Anderson, "daher haben wir vornehmlich Grün und Blau eingesetzt, um die Stimmung und die generelle Atmosphäre wiederzugeben, wobei sich die Farbgebung im Laufe des Films ändert. Der Hive wird einmal vor der Katastrophe gezeigt, einmal danach und dann, nachdem die Notbeleuchtung ausgefallen ist. Diese drei Atmosphären wurden sorgfältig darauf angelegt, allmählich die Intensität und gruselige Stimmung zu steigern, während die Untoten den Protagonisten immer näher rücken."

Um die einzigartige Atmosphäre von Resident Evil herzustellen, wandte Anderson sich an David Johnson. Anderson erklärt: "David war für das Licht in dem von Impact Pictures produzierten Pilotfilm von "The Sight" zuständig gewesen. Ich war von dem, was er in diesem Science-Fiction-Drama in der Kürze der Zeit zuwege gebracht hatte, begeistert. Und da die Schauspieler in Resident Evil jung, begierig, ungeduldig und voller Erwartungen waren, fand ich, dass das Team dem entsprechen sollte. David konnte es gar nicht erwarten, sich der Herausforderung zu stellen und das Feld des ultimativen Schreckens mit seinen Mitteln und Ideen zu beackern."

David Johnson, der auch an A PERFECT HUSBAND ("Ein idealer Ehemann", 1999) und HILARY & JACKIE ("Hilary & Jackie", 1998) beteiligt war, sagt dazu: "Paul ist ein visuell inspirierter Regisseur, was meine Arbeit erheblich erleichtert. Der Eindruck, den ich beim Spiel erhielt, war eine Atmosphäre erdrückender, kalter Einsamkeit, und ich habe mir grosse Mühe gegeben, diese Atmosphäre auf den Film zu übertragen, indem ich beispielsweise dunkle Gänge ohne jegliche Schatten ausgeleuchtet habe, um so das Gefühl absoluter Isolation noch zu steigern."

Johnson erklärt, dass ihm viele der Lichteffekte nur in Zusammenarbeit mit dem Ausstatter Richard Bridgland gelangen: "Einer meiner ersten Aufträge in der Filmindustrie war die Ausleuchtung von ALIEN ("Alien - Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt", 1979). Bei diesem Klassiker von Ridley Scott waren sämtliche Sets 'live'; das heisst, dass die Scheinwerferkräne fest in die Konstruktion eingebaut waren. Ich dachte mir, dass das für Resident Evil eine ebenso günstige Lösung wäre, da der gesamte Film - abgesehen von ein paar Aussenaufnahmen - an Sets in den Filmstudios in Adlershof gedreht werden und das unser Leben erheblich erleichtern würde. Also mussten Richard und ich uns vorher nur genau überlegen, wo wir die Scheinwerfer positionieren, ohne dass sie in seiner Gesamtkulisse auffielen. Das war gar nicht so einfach, da die Scheinwerfer für jede Szene zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein mussten."

Er fährt fort: "Die Szene, auf die ich am allerstolzesten bin und in der unser aller Vorstellungen von einer idealen Ausleuchtung zusammenfliessen, ist die, in der One von Laserstrahlen im Gang vor dem Computerraum der Red Queen in Würfel geschnitten wird. Das ist die Szene, deren Umsetzung ich gar nicht abwarten konnte, denn ich sah sie von dem Moment an, in dem ich das Drehbuch gelesen hatte, ganz klar vor mir. Ein langer Gang, in dem weisses Licht von den verspiegelten Wänden reflektiert wird, und dazu im Kontrast der blaue Laserstrahl. Es sieht phantastisch aus und ist meine Reverenz an 2001: A SPACE ODYSSEE ("2001 - Odyssee im Weltraum", 1968)."

Wie David Johnson war auch Ausstatter Richard Bridgland an "The Sight" beteiligt gewesen. Bridgland, der für seine Leistungen für RICHARD III ("Richard III", 1995) für einen Oscar® nominiert wurde, sagt: "Resident Evil gab mir die Gelegenheit, in einem Film einmal das zu tun, was es noch nie zuvor gegeben hat. Ich hatte mich dazu von verschiedenen japanischen Architekten inspirieren lassen, die unter ausschliesslicher Verwendung von Betonplatten unglaublich schöne Räume gestalten. In Verbindung mit Glas und Stahl erhält ein solches Design Textur und wirkt organisch und ästhetisch stark. Als wir dann den Drehort für den unterirdischen Bahnhof fanden, von dem aus der Zug zwischen dem Spiegelhaus und dem Hive verkehrt, passte er ideal zu dem übrigen Design. Der zukünftige U-Bahnhof 'Reichstag' ist bislang noch ein leeres Betongemäuer und wird erst 2004 in Betrieb genommen. Als wir ihn das erste Mal sahen, da war es, als wäre ein Fünf-Millionen-Dollar-Set extra für unsere Zwecke aufgebaut worden."

Er fährt fort: "Einer der wesentlichen Aspekte des Videospiels ist, dass es überall dunkle Ecken gibt, um die man gehen muss, und düstere Bereiche, in denen man nichts erkennen kann. Da ich dies in die Konstruktion der Sets mit aufnehmen musste, wirken die Aufbauten wie ein Irrgarten; auch wenn einige Gänge schnurgerade aussehen mögen - ein optischer Trick, der mit Hilfe von Glas und Spiegeln erzielt wurde -, wollte ich ihnen doch eine Atmosphäre der Orientierungslosigkeit verleihen. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man symbolische Verweise auf die Bilder in 'Alice im Wunderland'. Zum Beispiel sind auf dem Zifferblatt der Standuhr im Landhaus Alice-Figuren zu sehen, und die Platine der Red Queen ähnelt einem Schachbrett. Und es gibt noch viel mehr derartige abstrakte Verweise dieser Art."

Bridgland zeichnet nicht nur für die Aufbauten bei Resident Evil verantwortlich, er entwarf ausserdem noch die Kostüme. Mit seinen Worten: "Es ist relativ unüblich, bei einem Film für beides verantwortlich zu sein, aber ich komme von der Bühne, dem Tanztheater und der Oper, wo so etwas schon eher die Regel ist. Paul meinte, dass er ein besseres Gefühl dabei habe, wenn ich beides übernehmen würde, um dadurch Einheitlichkeit zu gewährleisten." Von Alice' hochgeschlitztem roten Kleid - "Milla und ich entwarfen gemeinsam ihr Kostüm, das einem von ihr bewunderten Jean-Paul-Gaultier-Entwurf entlehnt war, bei dem ein Bein unbedeckt bleibt." - bis hin zu den individuellen Uniformen für jeden einzelnen der Elitekämpfer inklusive des Gepäcks, fertigte Bridglands Kostümabteilung von jedem Kostüm der Hauptdarsteller fünf Exemplare an, um auch Verschleiss durch Stuntszenen zu ermöglichen. Des Weiteren entwarf er die gesamte Laboreinrichtung sowie das Umbrella-Corporation-Logo mit der Doppelhelix und das Laser-Sichtgerät, das auf die Mündung der Pistole aufgesetzt wird.

Bridgland führt aus: "Es hat grossen Spass gemacht, für Resident Evil einen neuen Look zu entwerfen, anstatt einfach das Aussehen der Figuren und der Waffen aus dem Spiel zu kopieren. Es war wichtig, den Stil des Spiels beizubehalten und bei jeder Neuerung darauf zu achten, dass sie absolut authentisch wirkt. Die Zusammenarbeit zwischen Paul, David und mir war einfach sensationell. Darauf bin ich bei meiner Arbeit auch angewiesen. Als Einzelkämpfer kriegt man keine wirklich guten Filme hin. Es bedarf immer eines Schmelztiegels an Ideen, die permanent diskutiert und weiterentwickelt werden, um wirkliche Kunst zu produzieren. Für die Umsetzung dieses Gedankens ist Resident Evil ein erstklassiges Beispiel.

21.03.2002 / filmcoopi