Resident Evil (2002)

Resident Evil - Genesis

Interview mit Milla Jovovich

Wie wurden Sie in das Projekt involviert?

Ich verbrachte Zeit mit meinem kleinen Bruder, und er wollte unbedingt Resident Evil spielen. Ich bleibe normalerweise immer in seiner Nähe, wenn er Videogames spielt, weil ich der Ansicht bin, dass immer ein Erwachsener dabei sein und mit den Kindern sprechen sollte, damit sie sich nicht in dieser Fantasiewelt verlieren. Und ehe ich mich versehen konnte, war ich völlig gefesselt von dem Game. Wir haben es danach täglich wenigstens fünf oder sechs Stunden gespielt. Ich war mir sicher, dass man daraus einen tollen Film machen könnte. Und ich war davon überzeugt, dass ich die Hauptfigur sehr gut spielen könnte. Also machte ich mich schlau, ob ein Film geplant wäre und stiess auf Pauls Drehbuch. Ich war sofort begeistert und wollte unbedingt mitmachen.

Warum ist das Spiel so populär?

Zunächst einmal ist es sehr geheimnisvoll und sehr düster. Und man muss viele Entscheidungen treffen. Man muss Dinge hin und her bewegen, geheime Wege finden und herausfinden, welche Dinge man mitnehmen will - Messer, Knarren, Munition oder Gegengifte. Das trägt alles zu dem sehr realistischen Eindruck bei. Ein bisschen ist es wie ein Film, den man selbst kontrolliert.

Und das Drehbuch wurde dem Spiel gerecht?

Ja, ich habe die Welt, die ich aus den Spielen kannte, sofort entdeckt. Ich hatte beim Lesen das gleiche Gefühl wie beim Spielen. Je weiter man sich in der Geschichte nach vorn bewegt, desto schwieriger werden die Aufgaben, die die Hauptfiguren lösen müssen. Das hat Paul sehr gut gelöst.

Wie sieht die Geschichte aus Alices Blickwinkel aus?

Man kann sagen, dass Alice zu Beginn des Films neu geboren wird. Als sie erwacht, hat sie ihr Gedächtnis verloren und weiss nicht, wer und wo sie ist. Sie wird von dem ganzen Chaos um sie herum förmlich mitgerissen und versteht nicht so recht, was eigentlich los ist. Im Verlauf des Films rückt ihre Suche danach, wer sie ist, wer sie war und ob diese Person mit dem übereinstimmt, wie sie gerne wäre, mehr und mehr in den Mittelpunkt.

Alice trägt eine sehr auffällige Garderobe.

Ich liebe Kleidung und bin begeistert von allem, was mit Design zu tun hat. Also hänge ich mich selbst immer ziemlich rein. Wir suchten also nach der richtigen Garderobe für Alice, da stiess ich in einem Modemagazin auf die neueste Kollektion von Jean Paul Gaultier, die ich phänomenal fand. Vor allem dieses eine Kleid hatte es mir angetan, weil es eine Mischung aus Minirock und Kleid war. Wir wollten, dass man meine Beine sehen kann, wir wollten meinen Körper zeigen, weil sie in viele Nahkämpfe verwickelt wird. Es ist nett, wenn man den Körper und die Silhouette der Person sehen kann, die Stunts ausführt und kämpft. Klar, die Mädels in Resident Evil sind ziemlich heiss und richtig sexy. Sie tragen entweder knallenge Jeans oder Miniröcke. Und Paul war sofort von der Idee begeistert, Alice in dieses Kleid zu stecken.

Sie mussten ein richtiges Ausbildungslager über sich ergehen lassen.

Das habe ich geliebt. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, in der Gegend rumzuballern, also war das richtig gut. Und es ist immer nett, wenn Leute sich in Dingen ausbilden lassen. Wir haben sehr intensiv an den Stunts gefeilt, weil wir so viele Stunts wie möglich selbst erledigen wollten. Also haben wir uns reingehängt, um beim Dreh topfit zu sein. Ich bin richtig sauer, dass die Dreharbeiten vorbei sind. Ich hatte solch eine tolle Zeit.

Was war die grösste Herausforderung für Sie?

Als wir die Zombiesequenzen in dem Gängewirrwarr drehten, schlugen unsere Herzen tatsächlich ein bisschen schneller. Wir mussten uns sehr anstrengen. Diese Szenen mögen nicht sehr glaubwürdig erscheinen, aber wir Schauspieler mussten selbst zumindest ein bisschen an ein derartiges Szenario glauben, um die Zuschauer in die Handlung einzubinden. Das Gefühl der Klaustrophobie, mit so vielen Menschen auf so engem Raum zu sein, das ist also durchaus echt.

Wie spielt man an der Seite von animatronischen Kreaturen?

Animatronics sind eine irre Angelegenheit. Man hat tatsächlich etwas vor Augen, auf das man reagieren kann. Das sind richtige kleine Kunstwerke. Wenn das Ding von den Animatoren ferngesteuert bewegt wird, vergisst man völlig, dass es nicht echt ist. Sie haben alles gemacht, um die Kreaturen so glaubwürdig wie möglich erscheinen zu lassen, jeder Muskel, jede Gesichtsbewegung - es ist ist total wild und schön. Am liebsten würde ich es mit nach Hause nehmen. Ich würde es an die Leine legen und damit Gassi gehen. Niemand würde sich in meine Nähe trauen. Das wäre klasse.

Wie gestaltete sich die Arbeit mit Regisseur Paul Anderson?

Paul war einfach wunderbar. Er weiss ganz genau, was er will. Das ist für einen Schauspieler von grossem Vorteil. Er kennt diese Welt, die Welt von Resident Evil, aus dem Effeff - und er liebt jede Ecke davon. Ich habe grosses Vertrauen, dass es ihm gelungen ist, Resident Evil dem Spiel getreu für die Leinwand umzusetzen. Er hat sehr gut mit den Schauspielern gearbeitet, hat uns in die Arbeit mit einbezogen, hat auf unsere Fragen gehört und die nötige Geduld aufgebracht, wenn wir ihm mit unseren Problemen in den Ohren lagen.

Wie würden Sie den Film im Vergleich zu Ihren vergangenen Arbeiten einschätzen?

Das war der vermutlich schwierigste Film, den ich bislang gedreht habe. Und ich habe schon in ein paar ziemlich verrückten Filmen mitgespielt, aber dieser hier schlägt die anderen um Längen.

Wie würden Sie den Film beschreiben?

Es ist ein sehr finsterer, Angst einflössender und absolut Action reicher Film, der manchmal ein bisschen eklig ist, aber immer Spass macht. Deshalb haben wir den Film gedreht: Die Zuschauer sollen eine super Zeit haben, sollen sich vor Angst in die Hosen machen, wenn sie den Film sehen. Und danach sollen sie noch ein paar Albträume davon bekommen. Ja, das wäre nett, ein paar Albträume, hähäh.

Und wie passt der Film zu den Spielen?

Er ist ein Prequel. Hier erklären wir, wie es zu all dem kommen konnte, was Fans aus den Spielen bereits bestens kennen. Aus offensichtlichen Gründen spielt Resident Evil auf Level I, und am Ende bewegt sich Alice in Level II - und da wird alles noch viel schwieriger und schlimmer.

21.03.2002 / filmcoopi