Resident Evil (2002)

Resident Evil - Genesis

Die Dreharbeiten

Die elfwöchigen Hauptdreharbeiten für Resident Evil begannen am 5. März 2001 in den Filmstudios in Berlin-Adlershof sowie im zukünftigen U-Bahnhof 'Reichstag', an der Landsberger Allee, in der Kaserne Krampnitz und im Schloss Linstedt. Produzent Jeremy Bolt merkt an: "Wir haben uns in Ländern in ganz Europa nach geeigneten Drehorten umgesehen, einschliesslich Lettland und der Ukraine, sahen uns unterirdische Bunker in Grossbritannien an, und auch den alten Atombunker in Bonn. Sämtliche Bunker hätten einen grossen Aufwand an Veränderungen und Dekorationen mit sich gebracht, da sie für unsere Zwecke alle zu sehr das Flair des Zweiten Weltkriegs ausstrahlten. Letztendlich war es dann der U-Bahnhof am Reichstag, der den Ausschlag dafür gab, dass wir den Film in Berlin drehten, obwohl wir auch schon einige Vorbereitungen in den Shepperton Studios in London getroffen hatten. Der Produktionswert des Reichstags als unterirdischem Zugang zum Hive passte so gut zu Richard Bridglands Gesamtkonzeption, dass wir den Film einfach in Berlin drehen mussten."

"Vom gesamten Prozess des Filmemachens sind mir die eigentlichen Dreharbeiten am liebsten," kommentiert Paul Anderson. "Beim Schreiben des Drehbuchs hat man zwar schon eine Vorstellung davon, wie das hinterher alles aussehen soll, und hinterher, bei der Postproduktion, kann man auch noch das eine oder andere ändern. Aber die Arbeit direkt am Set lässt mich als Regisseur erst richtig aufleben. Ich fange einen Drehtag mit einer klaren Vorstellung dessen, was ich erreichen will, an. Dann treffe ich am Set ein, und es sieht immer völlig anders aus, als ich mir das vorgestellt hatte, wodurch ich wieder neue Ideen bekomme. Ich finde es wunderbar, mit einem komplett ausgearbeiteten Plan zum Set zu kommen und genau zu wissen, dass der sich innerhalb von Sekunden zerschlagen kann. Das ist zwar stressig und kann einen in den Wahnsinn treiben, aber gleichzeitig ist es unglaublich spannend und aufregend."

Das kann Milla Jovovich nur bestätigen. "Ich bewundere die Art, wie Paul Regie führt, weil er immer auf Facetten der Figuren und persönliche Züge hinweist, auf die ich nie gekommen wäre. Er ist da sehr klug, denn er weiss einerseits genau, was er will, und lässt einem andererseits eine relativ lange Leine zum Herumexperimentieren, für den Fall, dass einem selbst etwas noch besseres einfällt als das, was er sich gedacht hat. Ein Beispiel ist eine frühe Entscheidung, die ich zu treffen hatte und wodurch Resident Evil zu einer der grössten Herausforderungen in meiner Karriere wurde. Es gibt da eine Schlüsselszene, in der Spence und Alice gleichzeitig nach einer Waffe hechten. Ich erwische sie als erster, aber damit die Szene wirklich funktioniert, wäre es überzeugender, wenn Alice in ein Becken mit Wasser fällt. Aber hatte ich wirklich Lust, den Rest des Films in triefnassen Klamotten zu verbringen und mich vor jeder Szene noch einmal nassspritzen zu lassen, nur um dem Film den letzten Rest an absoluter Authentizität zu verleihen? Ich sagte Paul, dass ich zu allem bereit sei, was der Film erfordert. Damit breitete sich vor mir eine nicht enden wollende Abfolge an klitschnassen Drehtagen aus. Vom künstlerischen Standpunkt her dachte ich mir, 'Klasse!'; persönlich fand ich es aber furchtbar. Aber wissen Sie was? Ich bin nicht einmal krank geworden. Ich habe es sogar überlebt, einmal ausserhalb des Sets in einer Wanne mit kaltem Wasser zu liegen. Die übrigen Schauspieler hatten übrigens ebenso alle ihr Päckchen zu tragen. Deshalb kann man wirklich sagen, dass Resident Evil das Produkt selbstlosesten Einsatzes aller Beteiligten ist."

"Paul ist gründlich vorbereitet," merkt Martin Crewes an. "Er hat einen wunderbaren Spruch drauf, wenn man ihm etwas vorschlägt, was ihm nicht gefällt: 'Nicht in meiner Armee.' Er steht Vorschlägen von Seiten der Schauspieler sehr offen gegenüber, aber er entscheidet dann auch sehr spontan, ob er sie für gut hält oder nicht. Da gab es zum Beispiel so einen Augenblick, in dem ich beim Entschärfen der Red Queen vor mich hin geredet habe. Ich hab' sie da immer mit 'Baby' angesprochen, so in der Art von, 'Tu' das nicht, Baby', oder 'Sei brav, Baby', aber da ist mir Paul mit der Begründung zwischen gegangen, dass Kaplan diesen Rechner nicht ausstehen kann und daher wohl kaum so einen zärtlichen Ausdruck gebrauchen würde. Genauso erging es meinen Koteletten. Die Friseure fanden sie toll, aber in dem Augenblick, als Paul sagte, 'Nicht in meiner Armee.', da wussten wir beide, dass die ab kommen."

Crewes fasst die Empfindungen sämtlicher Schauspielerkollegen, was die Zusammenarbeit angeht, zusammen: "Die enge Gemeinschaft, die sich unter den Kollegen gebildet hat, hat mir grossen Spass gemacht. Vor den Dreharbeiten nahmen wir alle an einem dreiwöchigen Einzelkämpfertraining unter dem ehemaligen Navy-Kampfschwimmer Jaymes Butler teil. Unter ihm durchliefen wir eine Art Ausbildungslager. Er wies uns verschiedene Aufgaben zu, die die Persönlichkeit stärken sollten, wie zum Beispiel bestimmte Bereiche des Studiogeländes einzunehmen und zu sichern. Er war Paul wichtig, dass wir den Eindruck erweckten, ein Team zu sein, das sich in Augenblicken der Gefahr voll aufeinander verlassen kann. Durch Jaymes' fachmännische Anleitung ist uns das auch gelungen. Viele der erschreckenden und abrupten Wendungen der Handlung basieren darauf, dass wir völlig aufeinander abgestimmt waren und den glaubwürdigen Eindruck einer zusammengehörigen Einheit vermittelten. Resident Evil war zwar, was die Stunts angeht, für uns alle ungeheuer anstrengend, aber das Resultat auf der Leinwand ist einfach umwerfend."

Jaymes Butler, der vorher bereits bei BUFFALO SOLDIERS (2001) und BOYZ N THE HOOD ("Boyz N the Hood", 1991) mitgearbeitet hatte, beschreibt das harte Training, das er den Schauspielern auferlegte, um ihre körperliche Fitness zu gewährleisten: "Wir fingen mit Taebo-Training - einer Kombination aus Thai-Boxen und Aerobic - und Karatetritten zu Musik an, um sie einerseits in den gleichen Rhythmus und andererseits in Topform zu bringen. Wir übten in einer Halle mit einer Bergsteiger-Kletterwand, damit sie sich daran gewöhnten, an Seilen gesichert von einer Höhe herabzuhängen, da dies bei den Szenen mit den Untoten in den Versorgungstunneln wichtig sein würde. Ich brachte ihnen auch Nahkampftechniken bei, und wie man sich als militärische Einheit bewegt. Einmal befahl ich ihnen, übungshalber eine im ersten Stock gelegene Toilette in den Filmstudios Adlershof einzunehmen und zu sichern. Das hat ihnen unheimlich viel Spass gemacht, und sie haben auch viel dabei gelernt. Die Idee dazu kam von Paul, der dadurch die Realistik betonen wollte."

Butler, der im Film auch den Labor-Techniker Clarence spielt - "Ich musste ein Gipsmodell von meinem Kopf anfertigen lassen, den Alice mir dann mit einem Karatetritt abschlägt!" - trainierte auch Colin Salmon und Martin Crewes. Er erklärt: "Colin benötigte gesondertes Training, da er als One die korrekten Führungseigenschaften an den Tag legen muss. Obwohl Martin ausgesprochen gelenkig und ein hervorragender Sportler ist, musste er für seine spektakuläre Todesszene besonders geschult werden. Da wird er von diesem 'Licker'-Ungeheuer aus dem Zug gezerrt, und die Kamera zeigt in Grossaufnahme sein Gesicht, während er schreiend in den Tod stürzt. Dazu musste Martin sich vor einer hängenden Blue Screen von der Studiodecke fallen lassen, um genau den gewünschten Effekt zu erzielen. Darauf musste er so gut wie möglich vorbereitet sein."

Was die übrigen Schauspieler angeht, hat Butler für ihre sportlichen Leistungen nichts als Lob übrig: "Eric ist sowieso topfit; selbst, als ich ihn einmal die Kletterwand mit einer Hand auf dem Rücken habe hochklettern lassen, haben wir danach im Hotel noch eine weitere Trainingsrunde eingelegt. Milla kann hervorragend treten. Da die notwendige Gelenkigkeit bereits vorhanden war, musste ich nur aus Gründen der Sicherheit dafür sorgen, dass sie auch die nötige Kraft dazu mitbrachte. Michelle ist ebenfalls ungeheuer sportlich und brachte bereits durch ihre Rolle in GIRLFIGHT ("Girlfight", 2000) enorme Erfahrungen im Boxen mit. Sämtliche Schauspieler - einschliesslich Anna Bolt, die für ihre Unterwasser-Schock-Szene als Green intensiven Tauchunterricht nehmen musste - waren während der gesamten Dreharbeiten sowohl körperlich als auch mental in absoluter Topform. Ich finde, es spricht Bände, dass bei keiner der wesentlichen Stunt-Szenen Doubles benötigt wurden."

Das war gerade für Milla Jovovich wichtig, die hinzufügt: "Die Zuschauer akzeptieren keine Stuntdoubles mehr. Mir würde das ganz genauso gehen. Daher war ich von vornherein darauf vorbereitet, alles selbst zu spielen, denn es ist für die Spannung einfach wichtig, dass sich das Publikum gemeinsam mit dem Schauspieler durchgehend in der Szene befindet. Hinein geschnittene Kampfszenen zerstören diese Illusion. Dank dem Karate- und Nahkampftraining habe ich Sprünge, Drehungen und Tritte sowie gymnastische Übungen hingekriegt, die ich nie für möglich gehalten hätte. Gerade in dieser einen komplizierten Actionszene, in der Alice in weniger als 30 Sekunden fünf Untote zur Strecke bringt, war das absolut wichtig. Ich hatte gedacht, dass ich schon für meine Rolle in LE CINQUIEME ELEMENT ("Das fünfte Element", 1997) hart trainiert hätte, aber Resident Evil hat mir wirklich das Letzte abverlangt."

Nachdem all die Szenen mit den Untoten mit Hinblick auf grösstmögliches Grauen im Kasten waren - "Die sieben Monate, die wir mit den Untoten geprobt hatten, zahlten sich wirklich aus; die Resultate waren fantastisch," weiss Paul Anderson zu berichten -, wandte sich der Regisseur der Herausforderung zu, den 'Licker' auf die Leinwand zu bringen. "Der 'Licker' ist einer der Dreh- und Angelpunkte für echte Aficionados des Spiels. Das erste Mal taucht dieses Wesen in "Resident Evil 2" auf und ist ab dann eines der Highlights jeder neuen Folge des Spiels. Man sieht, wie Blut vom Dach tropft, und wenn man aufblickt, dann sieht man dieses groteske Wesen mit offenliegendem Hirn und einer langen tödlichen Zunge, wie es an der Decke entlang kriecht und sich plötzlich umdreht und einen mit einem grauenerregend kaltem Blick fixiert. Wir wussten genau: Wenn es uns gelingen würde, dieses Bild auf der Leinwand umzusetzen, dann ergäbe das nicht nur eine fantastische Szene, sondern würde auch unsere Ehrerbietung gegenüber dem Spiel zum Ausdruck bringen."

In einer Mischung aus computeranimierten Special Effects und Computergrafiken wurde die 'Licker'-Szene im U-Bahnhof am Reichstag erstellt. Anderson beschreibt den Ablauf so: "Der 'Licker' stürzt sich auf Spence und verschlingt ihn. Doch da der 'Licker' genetisch instabil ist, fängt er an - nachdem er sich Spences DNS einverleibt hat - sich in einen stromlinienförmigeren und grösseren 'Über-'Licker' zu verwandeln, der dann die Überlebenden auf dem Zug attackiert. Dazu haben wir James Purefoy ein Geschirr angelegt, ihn aufgehängt und hin- und her geschüttelt, damit es aussieht, als hätte ihn sich ein riesiges Wesen geschnappt, das ihn zwischen den Zähnen hält. Im Spiel ist das eine cineastisch grossartige Szene und jetzt im Film eine klassische Konfrontation zwischen Mensch und Ungeheuer."

Für die 'Licker'-Szenen entwarf Animated Extras mehrere Puppen in unterschiedlichen Grössen, um das drei Meter lange, ein Meter dreissig hohe Monster darzustellen. Pauline Fowler erklärt: "Für Nahaufnahmen seines augenlosen Kopfes und seines aufgerissenen Mauls bauten wir ein Modell von einem Dreiviertel der Gesamtlänge und ein Modell von halber Länge auf der Basis eines Rammbocks, das sich jemand auf die Schultern setzen konnte. Dazu schneiderten wir Handschuhe mit daran befestigten Krallen, um damit Metallwände aufzuschlitzen. Wir gaben dem Körper dieses Wesens den Anschein rohen Fleisches, den wir durch eine Mischung von getrocknetem Theaterblut und Latex erreichten; dies erweckt den Eindruck kräftiger Muskulatur. Und wir entwickelten auch eine schlabbernde Zunge aus Latex, dies aber mehr, um den Schauspielern etwas zu geben, worauf sie reagieren konnten, als in der Erwartung, dass sie nach dem endgültigen Schnitt noch zu sehen sein würde. Denn durch nachträgliche digitale Bearbeitung lässt sich erreichen, dass die Zunge des 'Lickers' schliesslich tatsächlich dieselben beängstigenden Ausmasse wie im Spiel hat. Darüber hinaus verbrauchten wir 30 Liter medizinischen Gallert, um dem 'Licker' ein geronnenes und organisches Aussehen zu verleihen. Wer das Spiel und den 'Licker' kennt und liebt, wird davon beeindruckt sein, wie sehr wir sein 'Terror-Potential' noch gesteigert haben."

Von Animated Extras kamen auch die 'Zombie-Hunde', ein weiteres beliebtes Element aus dem Spiel, gegen die sich Alice zur Wehr setzen muss. Dazu Fowler: "Wenn es um richtige Tiere geht, sind Computeranimationen nicht die ideale Lösung. Daher entschieden wir uns dafür, abgerichteten Dobermännern Kunststofffolien anzukleben, die sie aussehen liessen, als wäre ihnen das Fell bei lebendigem Leibe abgezogen worden. Doch da es auch bei den Dingen, die man einem Hund ans Fell pappen kann, Grenzen gibt, färbten wir eine Bahn eines bestimmten Stoffes in dunklen Farben, nähten es zur Form eines Hundes zusammen, setzten ihm einen 'Brustkorb' ein und bestückten es mit Fettgewebe, Muskeln und Blut. Durch leichte computergrafische Bearbeitung an den Augen wurde die Illusion dann perfekt. Des Weiteren bauten wir einen weiteren 'Zombie'-Hund in Lebensgrösse, dem Alice dann das Genick 'brechen' durfte."

Für die Computergrafiken und sämtliche visuellen Effekte in Resident Evil zeichnet der mehrfach Oscar®-nominierte Richard Yuricich verantwortlich. Der Filmpionier, in dessen eindrucksvoller Referenzliste u.a. MISSION: IMPOSSIBLE ("Mission: Impossible", 1996) und M:I-2 ("M:I-2", 2000) aufgeführt sind, war bereits für die visuellen Effekte in Andersons EVENT HORIZON ("Event Horizon - Am Rande des Universums", 1997) zuständig. Mit den Worten des Produzenten Jeremy Bolt: "Richard ist ein wichtiges Mitglied unseres Teams. Für EVENT HORIZON hatten wir ihn unter Vertrag genommen, weil Paul und ich von seiner Arbeit in CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND ("Unheimliche Begegnung der Dritten Art, 1977) und BLADE RUNNER ("Blade Runner", 1982) so begeistert waren. Er besitzt eine unglaubliche Erfahrung, wovon jeder profitieren kann. Es war Richard, der uns letztendlich davon überzeugt hat, dass wir es schaffen würden, Resident Evil in elf Wochen abzudrehen."

"Wenn man schon so lange im Geschäft ist wie ich," merkt Richard Yuricich an, "dann hat man bald einen sechsten Sinn dafür, mit wem man gut zusammenarbeiten kann und mit wem nicht. Bei EVENT HORIZON konnte ich feststellen, wieviel Paul die visuellen Effekte bei einem Film bedeuten und wie gern er sich da auch einmischt. Das stört mich bei Paul überhaupt nicht, weil es sein Interesse ist, den bestmöglichen Film zu drehen und er das Fantasy-Genre liebt, da er weiss, wie kraftvoll es die Fantasie beflügeln kann. Er ist eine jener anspruchsvollen Persönlichkeiten, mit denen es mir Freude bereitet zusammenzuarbeiten, weil wir gemeinsam grosse Kunst schaffen."

Obwohl einige der entscheidenden visuellen Effekte in Resident Evil computergeneriert sind, ging es Yuricich mehr um CGI-Qualität denn um reine Menge, wie er selbst erklärt: "Die Computer Film Company ist eine der besten Firmen für digitale Bildbearbeitung in Europa. Ihr oblag es, einige der holografischen Darstellungen der Red Queen zu entwerfen, doch die meisten Einstellungen mit ihr wurden durch meine Abteilung simuliert. CFC arbeitete auch die Szenen mit dem 'Licker' und den Zombie-Dobermännern nach; bei den Hunden animierten sie den Bereich um die Augen und eine ins Bild ragende Schnauze. Aber grundsätzlich war ich der Ansicht, dass wir die Effekte so real wie möglich halten sollten, um den besonderen Eindruck körperlich spürbaren Entsetzens zu vermitteln. Als Alice von den Hunden angegriffen wird, ist Milla lediglich durch eine Glasscheibe von den Tieren getrennt. Derartige Probleme wollte ich lieber auf einfache und wirkungsvolle Art lösen, anstatt mich auf teure digitale Nachbearbeitung während der Postproduktion zu verlassen.

Ein hervorragendes Beispiel für das, was Yuricich damit meint, ist die Szene, in der One durch Laserskalpells zerschnitten wird. Er erläutert: "Das hätten wir auch durch digitale 3-D-Animation hingekriegt, aber ich war mir sicher, dass die Szene enorm an Unmittelbarkeit gewinnen würde, wenn wir bewährte und erprobte fotografische Techniken einsetzen würden. Wir erstellten ein Modell von Colin Salmon in der letzten Position, in der er sich befindet, bevor er in Stücke geschnitten wird, und zersägten dieses Modell dann in kleine Blöcke. Diese Blöcke hafteten bis zu dem Augenblick, in dem One auseinanderfallen musste, mithilfe von Elektromagneten aneinander. Im entscheidenden Moment wurde dann einfach der Strom abgeschaltet. Weil es sich bei Resident Evil nicht um ein althergebrachtes Splatter-Movie handelt, ist auch kein Blut zu sehen, da die Blutgefässe in dem Augenblick, in dem der Laserstrahl durch den Körper fährt, sofort gekautert werden. Als der Laser Ones Kopf in Dreiecke schneidet, rutscht ein Stückchen allmählich ab und seine Augäpfel fallen heraus! Obgleich der grösste Teil der Szene im Spiegelbild dargestellt wird, ist sie einfach, erschreckend wirkungsvoll, ungeheuer schockierend und wird dem erwartungsvollen Publikum, das mit weit aufgerissenen Augen dasitzt, das Blut in den Adern gefrieren lassen."

"Sämtliche visuellen Effekte und die Szenen äussersten Horrors sind hervorragend gelungen," bemerkt Paul Anderson. "Die Szenen mit den Untoten übertrafen all unsere Erwartungen, der 'Licker' ist auf geradezu magische Art zum Leben erwacht, und durch die Darsteller herrscht permanent eine Atmosphäre unterschwelligen Horrors, bis zu dem Punkt, an dem ich das Publikum von seinen Sitzen vor Entsetzen aufspringen lasse. Völlig egal, wieviel teurer technischer Firlefanz einem zur Verfügung steht, letztendlich hängt der Erfolg eines Films ausschliesslich von der Glaubwürdigkeit des Drehbuchs und der Leistung der Schauspieler ab. Sollte ich anfangs irgendwelche Bedenken gehabt haben, mit Resident Evil ein unglaublich erfolgreiches Videospiel in einen ausgesprochen kostspieligen Kinofilm umzusetzen, schwanden sie in dem Augenblick, in dem die erste lebende Leiche vor dem Kameraobjektiv auftauchte und ich den Ausdruck echten, abgrundtiefen Entsetzens auf den Gesichtern der Schauspieler sah."

Produzent Jeremy Bolt führt die erfolgreichen Dreharbeiten zu Resident Evil darauf zurück, dass sowohl er als auch Anderson sich selbst wie auch ihren früheren Filmen gegenüber gnadenlos kritisch waren. Er führt aus: "Nach jedem Film, den wir gemeinsam gedreht haben, haben wir uns zusammengesetzt und diskutiert, was uns gelungen war und was nicht. Diese extreme Selbstkritik und Gründlichkeit von unserer Seite ist Resident Evil fraglos zugute gekommen. Keiner von uns hatte jemals zuvor derartig viel Kraft und Energie in einen Film gesteckt. Unsere Erfahrungen und Lektionen aus der Vergangenheit haben reichlich Früchte getragen. Man kann sagen, dass jeder Aspekt von Resident Evil das in ihn investierte Geld wert ist."

Paul Anderson fügt hinzu: "Ich hätte alle möglichen Videospiele verfilmen können, aber mir lag an diesem einen, weil ein gutes Videospiel wie ein gutes Buch ist. Es gibt nicht allzuviele von ihnen, und wenn man eines entdeckt, dann muss man zugreifen. Resident Evil war das erste Videospiel nach "Mortal Kombat", von dem ich glaubte, dass sich daraus ein aufregender und spannender Film machen liesse. Als ich bei MORTAL KOMBAT ("Mortal Kombat", 1995) Regie führte, gab es noch keine Tradition von Videospiel-Verfilmungen. Jetzt möchte ich behaupten, dass wir diese Wegmarke mit Resident Evil hinter uns gelassen haben. Die hervorragenden Leistungen und die Begeisterung der Schauspieler, die spektakulären Actionszenen und die unerträgliche Spannung fliessen zu einem einzigartigen Beitrag zum Untoten-Genre zusammen und beleben es mit genau der frischen Brise, die es verdient hat."

21.03.2002 / filmcoopi