Resident Evil (2002)
Resident Evil - Genesis
Die Besetzung
Von Anfang an waren sich alle Beteiligten am Projekt Resident Evil einig, dass der Film mit jungen Schauspielern gedreht werden und die Hauptfigur eine Frau sein sollte. Mit den Worten des Produzenten Samuel Hadida: "Die Schauspieler mussten modern, hip und glaubwürdig sein, damit sich das Publikum mit ihnen identifizieren und so die furchtbaren Begebenheiten des Films durch ihre Augen wahrnehmen kann. Es war wichtig, dass sie eine gemeinsame Energie einbringen konnten. Mit ihrer Hilfe sollte man den Zuschauer durch Pauls extrem komplexe Filmhandlung führen. Ich finde, dass unser Casting ein Volltreffer war."
Was die Rolle der Alice angeht, brauchten die Produzenten nicht lange zu suchen, da ihr zukünftiger Star buchstäblich bei ihnen an die Tür klopfte und darauf bestand, die Rolle spielen zu dürfen. Milla Jovovich, die Heldin aus THE MESSENGER ("Johanna von Orleans", 1999) und LE CINQUIEME ELEMENT ("Das fünfte Element", 1997), sagt: "Ich hatte das Spiel jeden Tag fünf Stunden mit meinem Bruder Marco gespielt und war so begeistert davon, dass ich eigentlich vor hatte, es mit meiner eigenen Produktionsfirma zu verfilmen. Dann fand ich jedoch heraus, dass sich Constantin Film die Rechte bereits gesichert hatte und dass Paul Anderson Regie führen würde. Ich liess mir also einen Termin bei Paul geben und sagte zu ihm: 'Hör' mal, ich finde das Spiel toll, eine Bessere als mich findest Du nicht dafür.' Zum Glück schaffte ich es, ihn soweit zu überzeugen, dass er mich Alice' Rolle vorsprechen liess. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe, dass er gar nicht erst noch irgend jemanden anderes in Betracht zog. Und ich hatte Erfolg! Nachdem ich das erste Mal das Drehbuch gelesen hatte, hatte ich sogar noch mehr Lust auf den Film. Ich weiss noch, wie ich gekreischt habe: 'Ja, genau, so muss es sein!' Paul hat es geschafft, das Wesen des Spiels auf eine äusserst intelligente und einzigartige Weise umzusetzen. Ich bin überzeugt, dass die Fans des Spiels begeistert sein werden."
Milla Jovovich war auch von den subtilen eingeflochtenen Referenzen in Andersons Buch ausgesprochen angetan: "Ich bewundere die Richtung, die Paul der Handlung gegeben hat und halte auch die Verweise auf 'Alice im Wunderland' für eine geniale Idee. Es ist doch so, dass wir im Grunde täglich durch ein verworrenes Wunderland schreiten; man muss sich doch nur einmal die Nachrichten ansehen. Diese abgedrehte Spiegelwelt, die wir in Resident Evil zeigen, ist doch gar nicht so weit entfernt von unserer eigenen genmanipulierten, geklonten Realität. Dieser zeitgenössische Bezug ist eine der herausragenden Stärken des Buchs."
Und sie fährt fort: "Am Anfang des Films hat Alice starke Schuldgefühle, weil sie ihre Erinnerung verloren hat. Durch streiflichtartige Erinnerungen erhält sie mehr und mehr das Gefühl, dass sie selbst es ist, die all das Böse ausgelöst hat. Sie hat das brennende Verlangen zu erfahren, was mit ihr geschehen ist, auch wenn das bedeuten sollte, dass sie eine Mitschuld trägt. Doch bis sie die endgültige Wahrheit erfährt, weiss sie nicht, wie sie sich verhalten soll. Es gibt da dieses wunderbare Zitat aus 'Alice im Wunderland', das ich mir als Motto auf die erste Seite meines Drehbuchs geschrieben habe: 'Ich komme erst wieder an die Oberfläche, wenn ich weiss, wer ich bin. Wenn ich jemand bin, den ich mag, dann kehre ich nach oben zurück. Und wenn nicht, dann bleibe ich hier.' Damit ist meine Rolle umfassend beschrieben. Alice bezieht ihre Motivation daraus, die Dinge zum Besseren hin verändern zu wollen, auch wenn sie selbst vielleicht ein schlechter Mensch sein mag. Sie muss eine Schuld bei ihren Kameraden begleichen und dafür sorgen, dass sie nicht vergebens gestorben sind. Es ist mir äusserst wichtig, nur in Filmen mitzuspielen, an die ich selbst glauben kann, und dieser hier sprach mich von Anfang an an, weil er einfach eine einzige gruselige Achterbahnfahrt nicht nur durch den Hive, sondern auch durch die metaphysische Psyche ist."
"Milla hat eine unglaubliche Präsenz. In ihrem Gesichtsausdruck ist immer so ein leichter Anflug, als käme sie aus einer anderen Welt; damit ist sie ideal geeignet für so eine hintergründige Fantasy-Geschichte", merkt Jeremy Bolt an. "Es ist alles andere als einfach, eine Schauspielerin zu finden, die einerseits eine Aura verborgener Tiefe suggeriert und andererseits glaubwürdig mit einer Waffe umgehen kann, aber Milla bewältigt beides mit spielerischer Leichtigkeit. Nachdem Milla bei uns an Bord war, überlegten wir uns, dass es doch eine tolle Idee wäre, ihr, dem umjubelten Weltstar, eine weitere weibliche Hauptrolle aus dem Lager des Independent-Films zur Seite zu stellen. Michelle Rodriguez war zu dem Zeitpunkt gerade beim Sundance Film Festival mit ihrem Film 'GIRLFIGHT ("Girlfight", 2000) in aller Munde, und da dachten wir uns, dass sie die Idealbesetzung für die energiestrotzende Elitekämpferin Rain wäre."
Michelle Rodriguez freute sich riesig, als ihr eine Rolle in Resident Evil angeboten wurde. "Ich liebe dieses Spiel. Ich hatte schon zu meinem Agenten gesagt, dass ich in dem Fall, dass es da jemals einen Film dazu geben sollte, alles stehen und liegen lassen würde, um zu versuchen darin mitzuspielen. Ich habe auch tatsächlich einen ausgesprochen lukrativen Nike-Werbespot dafür abgesagt, nur um sicher zu gehen, dass ich für den Film auch tatsächlich zur Verfügung stehe. Ich hatte schon immer den Wunsch gehabt, einmal eine Action-Heldin vom Typ einer Sigourney Weaver zu spielen. Durch die Rolle der Rain konnte ich zwei Posten auf meiner Liste gleich auf einmal abhaken. Ganz ehrlich, als ich dieses wunderbare Script gelesen habe, da hätte ich glatt auch eine Rolle als Zombie-Hot-Dog-Verkäuferin in dem Kino, in dem der Film gezeigt wird, angenommen, nur um irgendwie dabei zu sein! Aber tatsächlich an der Action beteiligt zu sein und gegen Horden angreifender Untoter anzukämpfen, das ist einfach cool."
Sie fährt fort: "Die Anstellung bei der Umbrella Corporation bedeutet für Rain, dass ihr Leben einen Sinn hat, dass es einen Ort gibt, wo sie hingehört. Die Kommando-Einheit ist ihr Zuhause, und ihre Vergangenheit als Kampfschwimmerin bei der Navy drückt aus, dass sie von den Adrenalinschüben lebt, die man erfährt, wenn hinter jeder Ecke der Tod lauern kann. Ich habe eine derart lebhafte Fantasie, dass ich die Action und ihre Gefühle geradezu körperlich nachempfinden kann. Das ist mein Stil zu arbeiten; ich sehe zu, dass ich mich mit den Rollen, die ich spiele, vollkommen identifiziere. Neben ihrer Wut auf die hoffnungslose Situation, in der sie steckt - insbesondere, wenn sie von der Untoten gebissen wird -, verfügt sie über die unterschiedlichsten charakterlichen Facetten. Dies ist ein wesentlicher Aspekt in Pauls Buch, durch den die erschreckenden Momente doppelt so schlimm werden, weil man sich so mit den Figuren identifiziert."
"Man hätte die weiblichen Hauptrollen einfach nicht passender besetzen können; sie ergänzen sich auf geradezu ideale Weise", sagt Paul Anderson. "Beide sehen fabelhaft aus und sind meine schärfsten Kritiker, wenn es um die subtileren Aspekte des Universums von Resident Evil geht. Beide kennen das Spiel in- und auswendig und haben mich jedesmal in unmissverständlicher Weise darauf hingewiesen, wenn ich in der Hinsicht irgend welche Fehler gemacht habe. Die Rolle der Rain war ursprünglich viel kleiner angelegt gewesen, doch nachdem ich Michelle kennengelernt hatte, war mir klar, dass es eine unglaubliche Vergeudung wäre, wenn wir ihr Talent nicht in jeder Hinsicht einsetzen würden. Michelles Rolle ist einerseits herb und andererseits auch ausgesprochen menschlich; das Publikum wird niemals erwarten, dass gerade sie es ist, die einige der schockierendsten und traumatischsten Ereignisse des Films durchleben muss."
Eric Mabius, der die Rolle des Matt spielt, kann sich über einen Mangel an unheimlichen Momenten ebenfalls nicht beklagen. Durch seinen engen Freund Bharat Nalluri (den Regisseur der Secon Unit von Resident Evil) war Paul Anderson mit Mabius' bisherigen Arbeiten bereits vertraut, da Nalluri den Star aus CRUEL INTENTIONS ("Eiskalte Engel", 1999) für THE CROW: SALVATION ("The Crow III - Tödliche Erlösung", 2000) besetzt und bei dem Film auch die Regie geführt hatte.
Mabius meint: "Ich spiele gern Figuren, die anders sind, als sie anfangs scheinen. Matt war das ideale Vehikel für dieses leicht durchtriebene Element. Matt durchlebt einige wirklich starke und schmerzvolle Augenblicke in dem Film, dessen emotionale Aufrichtigkeit mich wirklich überrascht hat, weil ich das überhaupt nicht erwartet hatte. Jeder, der erwartet, dass dieser Film nichts anderes als eine oberflächliche Adaption eines geilen Videospiels ist, wird sich schwer wundern."
Er fährt fort: "Die Szene, in der ich meine tote Schwester Lisa in den Armen halte, ist sehr bewegend und stellte an mich als Schauspieler hohe Anforderungen. Dieser Augenblick ist der Höhepunkt eines grossartigen Bogens gradueller Veränderung im Buch und reflektiert den Grad von Matts Selbstfindung. Anfangs ist er Verdächtiger, dann Gefangener und schliesslich Alice' potenzieller Geliebter. Doch der Anblick von Lisa als gottlose untote Hülle ist für ihn so schockierend, dass seine harte äussere Schale Risse bekommt, seine Fassade des Einzelkämpfers in sich zusammenfällt und er zu einem wichtigen Mitglied des Kommandos wird. Resident Evil ist ein knappes, böses und effizientes Genrewerk mit furchteinflössenden und zärtlichen Momenten, die auf eine bewundernswerte Art miteinander verknüpft sind und im Resultat einen einzigartigen Film ausmachen.
James Purefoy, den man aus MANSFIELD PARK ("Mansfield Park", 1999) und A KNIGHT'S TALE ("Ritter aus Leidenschaft", 2001) kennt, spielt in Resident Evil den mysteriösen Spence. Er nahm die Rolle aus folgenden Gründen an: "Ich spiele gern einmal einen positiven Helden und dann wieder den Bösewicht. Auf diese Art weiss das Publikum nie, was es als nächstes von mir zu erwarten hat und fragt sich jedesmal: 'Was wird er wohl diesmal für einer sein?' Im Gegensatz zu all den übrigen Schauspielern kannte ich das Spiel vorher nicht. Ich habe die Rolle im Wesentlichen angenommen, weil ich Paul Anderson mag, sowohl persönlich als auch von der Art her, wie er arbeitet. Ich finde, er hat eine wirklich faszinierende Fantasie. Ich weiss, dass er mich besetzt hat, weil ich ein Gesicht habe, dem die Menschen ohne Nachzudenken vertrauen, und er dadurch der negativen Figur des Spence eine faszinierende Zweischneidigkeit verleihen konnte."
Er fährt fort: "Ich finde die Rolle des Spence interessant, da er bei seinem ersten Erscheinen auf der Leinwand sein Gedächtnis verloren hat und sich erst gegen Ende des Films wieder an alles erinnern kann. Er gehört zwar zur Einheit, kann sich aber weder an seine Ausbildung erinnern, noch daran, was er einmal für ein Mensch gewesen ist. Spence ist einer, der ständig am Stöhnen ist, und bringt damit oft das zum Ausdruck, was das Publikum gerade denkt. Auf diese Art schafft er es, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen, was wieder einer von Pauls perfiden Tricks ist, um das Publikum in die Irre zu führen und zu Tode zu erschrecken. Als Spence schliesslich sein Gedächtnis wiedererlangt und seine antrainierten militärischen Züge wieder zum Tragen kommen, stellt er sich als berechnender, kaltblütiger Mörder heraus, der denen, die ihm am meisten vertraut haben, nach dem Leben trachtet."
Für Martin Crewes, der zuvor zwei Jahre in der Fernsehserie "Dream Team" mitspielte, ist Resident Evil der erste Spielfilm; er spielt Kaplan, den genialen Computer-Experten im Team. Über seine Figur sagt Crewes: "Kaplan ist ein hervorragend trainierter, intelligenter Soldat, aber ein noch qualifizierterer Computerspezialist. Er ist auch zuvor schon in brenzligen Situationen gewesen, aber immer nur innerhalb einer gesamten Einheit. Und als ein von ihm verursachter Fehler den Anführer seines Teams das Leben kostet, bricht er mental zusammen. Das Schamgefühl darüber, dass er nicht der Soldat ist, für den er sich gehalten hat, lastet schwer auf ihm, und es fällt ihm nicht leicht, mit dem Trauma der Schuld am Tod seines besten Freundes zu leben."
Er fährt fort: "Colin Salmon (der den Anführer One spielt) und ich hatten uns eine gemeinsame Vorgeschichte für unsere beiden Rollen überlegt, um sie möglichst glaubwürdig erscheinen zu lassen. Wir einigten uns darauf, dass sie früher beide in der Armee gedient hatten. Als One dann die Gelegenheit bekam, sein Team für die Umbrella Corporation selbst zusammenzustellen, holte er mich dazu. One ist Kaplans Anführer, Freund und Vaterfigur. Sie verbringen ihre Freizeit zusammen, gehen am Wochenende zusammen in die Kneipe und kennen die Familien des jeweils anderen. Kaplan bringt nach Ones Tod den Mut auf, die Mission in dessen Sinne fortzuführen. In diesem Augenblick kommen sein eigentlicher Mut und seine Loyalität wieder zum Vorschein, bis zu dem Punkt, an dem dieses Licker-Wesen auftaucht."
An der Spitze des Teams, das entsandt wird, um den T-Virus zu isolieren und dem Treiben der marodierenden Untoten in Resident Evil ein Ende zu setzen, steht Colin Salmon, dem Kinopublikum weltweit bekannt als M's Stabschef in den James-Bond-Filmen TOMORROW NEVER DIES ("Der Morgen stirbt nie", 1997) und THE WORLD IS NOT ENOUGH ("Die Welt ist nicht genug", 1999).
Zu seiner Rolle als One sagt er: "Jeder Junge träumt davon, einmal einen Actionhelden spielen zu dürfen. Hier kommt noch dazu, dass diese hochspannende Action sich in einer ausgesprochen düsteren und unheimlichen Umgebung abspielt. Ich führe eine Einheit an, die man praktisch als Reparaturkolonne bezeichnen kann, die in den Hive geschickt wird, um herauszufinden, was da vor sich geht. Ich komme relativ schnell dahinter, dass das Schlimmste, was dort stattgefunden hat, den Menschen widerfahren ist, die den T-Virus erschaffen haben. Alles, was wir mit unseren Waffen noch anrichten können, ist nichts verglichen mit dem, was bereits durch Chemikalien angerichtet wurde. Paul Andersons Buch hat so viele Ebenen, dass es insgesamt weit aus dem üblichen, genretypischen Repertoire an Horrorthrillern herausragt. Meine Freunde spielen das Spiel wegen der unvermittelten Schocks und der gruseligen Atmosphäre, und genau das haben wir mit allen Mitteln versucht, im Film adäquat wiederzugeben."
"Was mich an den Schauspielern begeistert hat, ist, dass sie alle für mich da waren und alle versuchten, aus Resident Evil einen so guten Film zu machen, wie es nur irgend möglich ist", begeistert sich Paul Anderson. "Ich glaube, es war hilfreich, dass wir den Film praktisch in chronologischer Abfolge gedreht haben, so dass sie sich privat in ähnlicher Weise allmählich näherkamen wir ihre Figuren im Film. Sie können sich nicht vorstellen, wie stolz ich war, als ich erfuhr, dass James Purefoy seine Kollegen in sein Hotel eingeladen hatte, um sich dort mit ihm zusammen eine Folge von ALIEN anzusehen. Er war der Ansicht, es wäre ihrer Arbeit zuträglich, einmal bewusst ein klassisches Ensemble bei der Arbeit zu beobachten. Ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich noch nie zuvor so stolz auf die Auswahl einer Besetzung gewesen bin wie bei diesem Film. Die Energie und Hingabe der Schauspieler hat mir ein ums andere Mal die Sprache verschlagen."

