Resident Evil (2002)

Resident Evil - Genesis

Interview mit Paul W.S. Anderson (Drehbuch, Regie, Produktion)

Was war Ihre Absicht, als Sie mit der Arbeit an Resident Evil begannen?

Wir wollten einen Film machen, der Resident Evil-Fans gefällt. Und da zähle ich mich selbst dazu. Ich bin ein Riesenfan des Games. Natürlich sollte Resident Evil auch ein richtig toller Horrorfilm werden. Oder genauer: ein richtiger Zombiefilm, weil das ja ein richtig eigenes Genre ist. In den späten 70er, frühen 80er Jahren waren diese Filme vor allem in Europa ganz gross. Es ist eines der wenigen Genres, das Hollywood noch nicht wieder neu erfunden hat. Die Zeit dafür ist reif. Wichtig ist, dass der Film so echt wie möglich wirkt. Nichts ist Angst einflössender als die Realität. Je mehr man sich davon entfernt, desto schwieriger wird es, dem Publikum eine Gänsehaut zu verpassen. Deshalb stehen auch nicht die Effekte, sondern die Figuren im Mittelpunkt: Man soll mit ihnen mitfiebern. Ihre Angst soll auch die Angst des Publikums sein.

Wo setzten Sie an, um die Zombiefilme von damals zu verbessern?

In George Romeros Filmen bekommt man mit der Zeit Mitleid mit den Untoten. Wenn dieser Punkt erreicht ist, fürchtet man sich nicht mehr vor ihnen. Man muss sogar über sie lachen. Ich glaube, das war Romeros Absicht. Seine Filme haben durchaus komödiantische Elemente. Das hatte ich für unseren Film überhaupt nicht im Sinn. Natürlich sind die Zombies in Resident Evil letztlich auch nur Zombies. Und Zombies sind nunmal langsam und haben ein gewisses Aussehen, weil sie bei lebendigem Leib verfaulen. Daran habe ich nichts geändert, denn in den Spielen sind sie ebenfalls nicht allzu schnell.

Und wie haben Sie es geschafft, dass sie trotzdem gefährlich wirken?

Zombies sind Furcht erregend, wenn man sich in einem engen Raum mit ihnen befindet. Obwohl sie langsam sind, gibt es kein Entkommen vor ihnen. Wenn sie von allen Seiten auf dich zukommen, was machst du dann? Der einzige Fluchtweg ist nach oben, auf die Luftrohre, an die die Zombies gerade nicht rankommen. Und mit einem Mal hat man die nötige Stimmung: klaustrophobisch, düster, schrecklich - allein schon deshalb, weil der Dreh da oben in diesem engen Eck klaustrophobisch, düster und schrecklich ist.

Und die Zombiehunde?

Eine Actionszene mit Hunden beginnt natürlich mit Hunden. Wenn man es sich recht überlegt, sieht man das im Kino ziemlich selten. Aber ich bin mir sicher, dass es noch nie eine Hundeactionszene gegeben hat, in der die Hunde mit Makeup ausgestattet sind, so tun müssen, als wären sie tot und dann danach auch noch im Computer bearbeitet werden. Das ist eine echte Premiere.

Wie gingen Sie bei den Effekten vor?

Das Publikum weiss für gewöhnlich, wenn es einen Effekt sieht. Es weiss nicht genau, woraus der Effekt besteht, aber es weiss, dass es ein Effekte ist. Wenn man einen Fantasyfilm macht, ist das schon okay. Bei Horror ist das allerdings problematisch: Je weiter man sich von der Realität entfernt, desto schwieriger ist es, den gewünschten Effekt zu erzielen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Bernd Eichinger?

Bernd ist unerbittlich, wenn es um das Drehbuch geht. Ihm sind die Figuren und die Struktur ungeheuer wichtig. Das ist sehr gut. Durch seine Mitarbeit wurde das Drehbuch erkennbar besser. Weil er da keinen Millimeter nachgibt, hat man dann ein absolut wasserdichtes Shootingscript - und das macht natürlich den Film besser. Beim Dreh selbst, lässt er einem freie Hand - so wie ich mir einen Produzenten vorstelle. Wenn es um Dinge geht, die ihm wichtig sind, ist er natürlich da und bringt seine Argumente vor. Weil er selbst ein Filmemacher ist, sind die Diskussionen sehr kreativ. Er hat keine Probleme, die Meinung anderer gelten zu lassen. Aber man muss gute Argumente vorbringen, und das respektiere ich.

Ihre Filmcrew war zum Teil international, zum Teil deutsch. Wie kamen Sie damit zurecht?

Es war klasse. Wenn ich die gleiche Crew wieder bekommen könnte, würde ich sofort wieder in Berlin drehen. Jeder hat alles gegeben. Das hat mich schwer beeindruckt. Im Vorfeld hatte ich einige Bedenken, weil ich noch nie in Deutschland gearbeitet hatte. Ich hatte ein paar Geschichten von Produktionen gehört, bei denen die amerikanischen oder britischen Crewmitglieder nicht mit dem deutschen Stab zurecht kamen. Aber da muss wohl im Vorfeld schon einiges schief gelaufen sein. Ich habe nur einzelne Schlüsselpositionen mit Amerikanern und Briten besetzt und sonst fast ausschliesslich mit Deutschen gearbeitet. Was kann ich sagen? Besser kann eine Crew nicht sein.

Streben Sie eine bestimmte Zuschauerschicht an?

Resident Evil ist eine Franchise, die viele Fans hat. Also ist uns eine grosse Aufmerksamkeit gewiss. Aber das ist auch eine belastende Pflicht: Die Erwartungen sind riesig, weil es eine so grosse Gefolgschaft gibt. Wir haben ja nicht einfach nur einen Zombiefilm gedreht. Das ist Resident Evil - und damit muss man den Vergleich mit den Spielen standhalten, damit die Fans nicht enttäuscht sind. Gleichzeitig muss ein Film dieser Grösse auch für Kinogänger funktionieren, die Resident Evil nicht von einem Loch im Kopf unterscheiden können. Die wollen einfach nur einen erstklassigen Horrorfilm sehen. Und den haben wir auch gemacht.

21.03.2002 / filmcoopi