Preisträger der 30. Jugendfilmtage

Szene aus "Versuch Nr. 99"

Szene aus "Versuch Nr. 99"

Am letzten Samstag gingen die Schweizer Jugendfilmtage mit der Preisverteilung in der Roten Fabrik in Zürich zu Ende. Seit 30 Jahren werden die Springenden Panther nun schon verteilt. Die Karrieren von heute bekannten Machern aus der Filmszene nahmen an diesem kleinen Festival ihren Anfang. Anna Luif (Regie Little Blue Girl), Filip Zumbrunn (Kamera Strähl und Grounding), Lukas Hobi (Produzent Achtung, Fertig, Charlie!) versuchten vor Jahren ihr Glück.

Die Preisträger der 30. Ausgabe konnten mehr oder weniger überzeugen. In der Kategorie A (Schul- und Jugendtrefffilme, bis 19 Jahre) hatte mit Versuch Nr. 99 der Kanti Wettingen ein Gefängnisfilm mit Legofiguren auf dem zweiten Platz das Nachsehen. Der Panther ging an Klischees, in der die Kanti Hohe Promenade in Zürich mit Klischees aufräumen wollte, aber zum Thema "der erste Eindruck täuscht nie! ... oder?" dooferweise auch nur Klischees übers Klischee Haben verbreitete.

Etwas gewagter waren die Preisträger in der Kategorie B (freie Produktionen, bis 19 Jahre). Mit verfremdeten Bilder aus dem Neuenburgerland zeigte Cyril Delachauxs Homo Sapiens 2012 auf Platz 2 die Unfähigkeit des modernen Menschen in der freien Natur zurecht zu kommen. Im Gewinnerfilm Daywatch hatten dann wieder die Klischees ihren Auftritt. Die Doku von Luca Zuberbühler über einen Jugendlichen aus Michigan erinnerte oft an Bowling for Columbine, aber irgendwie fehlte da ein richtiger Knalleffekt am Ende, der das ganze als Farce entlarvt hätte.

Richtig professionell waren die freien Produktionen der 20-25-Jährigen (Kategorie C). Würkli!? (Platz 1), ein Film über "Wahrheiten", und Rebel's Art (Platz 2), Grossstadtkino im Kleinformat, hätten auch auf bedeutenderen Festivals durchaus eine Chance. Gespannt darf man auch sein was der Tessiner Riccardo Bernasconi in Zukunft noch so alles produzieren wird. Für seine beiden Animationsfilme L'Ombra sul muro und Sentimento Plastico bekam er die UNICA-Medaille verliehen.

In der Kategorie D (Filmschulen, bis 30 Jahre) lief dann so einiges, was auch an anderer Stelle (Kurzfilmtage Winterthur, Solothurn oder im Xenix) schon gezeigt wurde. Michael Koch konnte mit dem Fankurven-Film Wir sind dir treu nach Winterthur und Clermont-Ferrand auch in Zürich den Hauptpreis abräumen. Platz zwei ging an Romance Mayonnaise, der hoffentlich Geld bekam für das intensive Produkt Placement der Kägi-Fret.

Wir sind dir treu wurde vielleicht in der Roten Fabrik zum letzten Mal öffentlich gezeigt. Denn die vielen Hundert Leute aus der "Muttenzer Kurve" des Basler St. Jakobs-Parks, die man in Film in Aktion zu sehen bekommt, haben nicht alle ihr schriftliches Einverständnis für ein Erscheinen auf der Grossleinwand gegeben. Schliesslich entstand der mittlerweile mehrfach preisgekrönte Film ursprünglich im Rahmen einer Hausaufgabe der Kunsthochschule für Medien Köln, bei der es darum ging, eine Doku ohne Interview und Offtext zu machen. Wer hätte gedacht, das sich diese Fingerübung als Renner auf verschiedenen Festivals entwickeln würde?

Quelle: OutNow.CH

10.04.2006 14:19 / rm

Links zum Thema:

» Die Jugendfilmtage online
» Die Preisliste mit den Begründungen


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