One Way: Interview mit Til Schweiger und Reto Salimbeni

One Way heisst der Film, mit dem Til Schweiger unter der Regie des Thalwilers Reto Salimbeni ein brisantes und aktuelles Thema in die Schweizer Kinos bringt. Keine lockere Komödie wie Wo ist Fred?, sondern ein ernster Thriller über einen Mann, der vor Gericht lügt und somit einem Vergewaltigungsopfer in den Rücken fällt. Die Frau hat aber eigene Methoden, sich am Peiniger zu rächen. Und das auf eine Weise, die man bisher kaum im Kino gesehen hat.

Die beiden Hauptpersonen waren für die Promotion des Filmes in Zürich und OutNow.CH hatte die Möglichkeit, sie in einem Hotelzimmer kurz zu treffen. Während Til Schweiger, cool wie immer, eine Zigarette nach der anderen reinzog, war Regisseur Reto Salimbeni gespannt, was ihn da wohl erwarten würde. Übrigens, seine Frau (Sharon) konnten wir bereits vor der Hotelzimmertüre erleben. Sehr sympathisch...

Anyway, nach einer kurzen Begrüssung mit freundlichen Worten (Til: "OutNow.CH kenn ich doch. Da les ich ganz tolle Texte über meine Filme") setzte man sich in die bequemen Sessel und der Ernst des Lebens begann.

OutNow.CH (ON): One Way hat ja bereits zu landesweiten Diskussionen geführt und wird entsprechend durch die Presse getragen. War das eure Absicht?

Til Schweiger: Nein, Absicht war das keinesfalls. Du kannst so was nicht planen. Wir haben einen Unterhaltungsfilm gemacht und keine Dokumentation. Klar, es ist ein Thema, das brenzlig ist und nahe geht, aber es ist reine Fiktion. Planen kann, oder sollte, man das echt nicht. Aber es ist schön, wenn Leute nach dem Kinobesuch noch über das Gesehene diskutieren und der Film ein bisschen zu Gesprächen anregt.

ON: Aber es ist schon eine willkommene Publicity, oder?

TS: Naja, Publicity ist natürlich immer gut, denn es zieht Menschen in den Kinosaal und macht den Film erfolgreicher. Aber der Film soll ja hauptsächlich wegen seiner Machart bewegen.

Reto Salimbeni (RS): Es ist schön, wenn Leute sich mit einem heiklen Thema beschäftigen und nach dem Film über das Gesehene diskutieren. Von dem her passt natürlich die Aufmerksamkeit, die der Film momentan kriegt, schon recht gut.

ON: Til, wie hast du dich auf eine solche Rolle vorbereitet. Gibt es da Vorbilder?

TS: Nein, Vorbilder gibt es nicht. "Ich mach das jetzt wie Robert de Niro in seinem Film", das geht nicht. Man liest das Drehbuch und entwickelt den Charakter. Aber es jemandem "nachmachen", das möchte ich natürlich nicht. Ich will ja selber zeigen, was ich kann.

ON: Und wie siehts von der Regie-Seite her aus? Wie geht man an so ein Projekt heran?

RS: Das ging natürlich relativ einfach durch das Buch und war insofern aber dann doch schwieriger, wegen den ganzen Finanzierungen. Aber Stanley Kubrick hat mal gesagt: "Einen Film zu machen, ist wie wenn du auf einer Achterbahn 'Krieg und Frieden' schreibst". Es sieht nicht sehr schwierig aus, ist aber beim genaueren Hinsehen eine Heidenarbeit.

ON: Til, hast du jetzt Blut geleckt und machst vermehrt solche anspruchsvolleren Filme?

TS: Och, Nee. Einen der nächsten Filme, den ich drehen werde, ist eine romantische Komödie. Also ich versuch schon, ein paar verschiedene Filme zu drehen. Am Anfang wollte ich mir selber auferlegen, dass ich ein paar Mal einen Knacki spielen sollte und dann wechseln. Aber das ging dann doch nicht auf. So kann ich meine Variety zeigen. Und das ist für einen Schauspieler doch eigentlich nicht schlecht, oder?

ON: Til, wenn du auf deine Filme zurückschaust, war One Way der Schwierigste?

TS: Der Schwierigste war er insofern, als dass ich in den ganzen Hintergrund mit den Finanzierungen, den Terminen etc. auch involviert war. Das war ein riesiger Aufwand. Aber als Schauspieler ist natürlich immer der aktuelle Film am Schwierigsten.

ON: Ich hab gelesen, dass du in Saving Private Ryan eine Rolle abgelehnt hättest. Und zwar diejenige des Soldaten, der Tom Hanks erschiesst. Bereust du das noch?

TS: Bereuen tu ichs natürlich nicht mehr. Denn was geschehen ist, ist passiert. Aber damals war ich echt hin und her gerissen. Auf der einen Seite war da ein Tom Hanks auf seinem, wie ich finde, Zenith und der machte diese grosse Kiste mit Steven Spielberg. Ich mein Spielberg! Hallo? Auf der anderen Seite war die Rolle, die ich hätte spielen sollen, so derart Scheisse, dass ich echt in der Zwickmühle sass. Also da hätte der Tom Hanks einen deutschen Soldaten gerettet und der hätte ihm aus Dank eine Kugel verpasst. Und so was wollte ich damals einfach nicht spielen. Ich bekam danach einen Anruf von Wim Wenders, der mir gratulierte, dass ich diese Rolle abgelehnt habe. Ausserdem kann ich heute sagen: "Hey, ich hab Steven Spielberg einen Korb gegeben" (Er lacht).

ON: Zum Schluss noch ein paar Pop-Ups für euch zwei. Michael Clarke Duncan.

TS: Gross. Sehr guter Schauspieler

RS: Einer der Schauspieler, mit denen ich mal zusammenarbeiten wollte.

ON: Hollywood

TS: Auf den ersten Blick sind es diese grossen Buchstaben auf dem Berg. Aber wenn du dann sieben Jahre da lebst, verlieren auch die ihren Glanz.

RS: Viel Gutes, aber auch manch Übles.

ON: Medienarbeit

TS: Macht Spass. Gehört dazu. Ist nicht so schlimm

RS: Ja, gehört dazu. Tut dem Film gut.

ON: Der Deutsche Film

TS: Der deutsche Film ist momentan auf einem sehr guten Niveau, was die Produktionen anbelangt. Klar gibt es immer noch nicht so dolles, aber im Gesamten ist er dort, wo man vor ein paar Jahren dachte, soweit würde man es nicht schaffen. Gefällt mir, wie sich der deutsche Film im Moment präsentiert. Und es ist eine Heidenarbeit für eine deutsche Produktion, das nötige Budget zusammen zu kratzen.

RS: Da schliess ich mich doch einfach mal an.

ON: Der Schweizer Film

TS: Ich kenne ein paar Schweizer Filmschaffende und hab erlebt, dass es in der Schweiz noch mühsamer ist, für einen Film Unterstützung zu kriegen, als in Deutschland. Aber da kann Reto sicher mehr dazu sagen.

RS: Es ist wirklich mühsam. Wenn du als Paradebeispiel Kanada nimmst. Dort werden Produktionen gedreht, die Leute kommen in eine Stadt und das Geld fliesst. Den Leuten geht es gut, weil sie wissen, dass eine Filmproduktion auch Geld bringt. Wenn man das in der Schweiz, speziell in Zürich, auch begreifen würde und sich ein Beispiel an den Kanadiern nehmen würde, dann würde Zürich aufblühen.

ON: Diesen Film würde ich am liebsten aus meinem Lebenslauf streichen

TS: Welchen?

ON: Das musst schon du uns sagen!

TS: Ja, da gibt es schon ein paar, auf die ich nicht gerade stolz bin. Aber natürlich werde ich keine Namen nennen, denn diejenigen, die an diesen Filmen mitgearbeitet haben, mussten ebenso hart arbeiten wie die vermeintlich "besseren" Produktionen. Also aus Respekt gegenüber diesen Leuten sag ich hier mal nichts.

RS: Ich hab noch zuwenig Filme gedreht, um einen wirklich Schlechten dabei zu haben (er lacht).

ON: OutNow.CH

TS: Kenn ich natürlich. Ihr habt Super-Kritiken zu One Way und Barfuss geschrieben. Find ich klasse. Macht weiter so. Echt!

RS: Sehr nett, gute Leute.

Kurz und schmerzlos war's. Das Autogramm auf die Til Schweiger-DVD durfte natürlich nicht fehlen. Und wenn ich Barfuss zuhause gefunden hätte, hätte der gute Mann nicht auf der Traumschiff Surprise unterschreiben müssen ;)

Nett waren sie. Alle beide. Der Deutsche war ein bisschen cooler und versteckte seine anschwellende Backe (Weisheitszahn!) gut vor unserem Fotografen. Und dass wir nach dem kurzen Gespräch völlig verraucht waren, war auch nicht so toll. Aber das überleben wir knapp.

Quelle: OutNow.CH

30.01.2007 00:00 / muri


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