To the Wonder (2012)

To the Wonder (2012)

Oder: Lovestory à la Malick

To The Wonder

Wo ist das Bett im Kornfeld?

Die Ukrainerin Marina (Olga Kurylenko) hat in dem Amerikaner Neil (Ben Affleck) die Liebe ihres Lebens gefunden. Zusammen bereisen sie zu Fuss und mit Hilfe des TGV ganz Frankreich. Wieder zurück in Amerika, hat Neil immer noch Marina in seinem Arm und auch ihre zehnjährige Tochter Tatiana (Tatiana Chiline) bei sich aufgenommen. Tatiana fühlt sich aber alles andere als wohl, da sie keine Freunde hat und auch Marina bekundet immer mehr Mühe in ihrer neuen Heimat.

Da nach einer gewissen Zeit Marinas Visa abläuft und Neil nie Anstalten gemacht hat, sie zu heiraten, fliegt sie mit ihrer Tochter wieder zurück nach Paris. Kurze Zeit später trifft Neil seine Jugendliebe Jane (Rachel McAdams) und beginnt mit ihr eine Beziehung, die jedoch auch nicht wirklich lange hält. Zur gleichen Zeit hat der Priester Quintana (Javier Bardem) eine Glaubenskrise. Er möchte einen Beweis für die Existenz Gottes, da er jeden Tag in den Slums und in Gefängnissen, die er besucht, soviel Leid sieht und langsam zu zweifeln beginnt.


Film-Rating

Fünf, zwanzig, sieben, sechs. Das sind die Anzahl Jahre, die Wenigfilmer Terrence Malick zwischen den Veröffentlichungen seiner bis zum Jahre 2011 entstanden fünf Werke verstreichen liess. Nach der Fertigstellung von Tree of Life schien ihn im Alter von 67 Jahren dann doch noch die Arbeitswut gepackt zu haben. In den Jahren 2012 und 2013 werden ganze vier Filme erscheinen, von denen einige sogar gleichzeitig gedreht wurden. Den Auftakt macht To the Wonder, eine Art Lovestory, die so wirkt, als wäre der medienscheue Regisseur etwas zu rigoros im Schneideraum vorgegangen.

Wie schon beim letztjährigen Cannes-Gewinner sträubt sich Malick auch hier wieder gegen eine normale Erzählsweise. Wir bekommen erneut viele Naturbilder, flüsternde Voiceovers, aber nur sehr wenig Handlung und Dialoge serviert. Gewiss: Neue Fans wird Malick mit diesem Film nicht gewinnen. Aber er droht mit der etwas gar dünnen Story um eine unglückliche Liebe einige zu verlieren.

Nur um das Thema Liebe geht es natürlich nicht. Es geht auch um Gefängnisse, die wir uns selbst bauen, die Suche nach Gott und die Natur als einzige Zuflucht vor all dem Leid. Doch die Figuren bleiben uns die ganze Zeit über fremd, da der Film zu lange auf Sonnenuntergängen, Wiesen und leeren Strassen verweilt. Am schlimmsten trifft dies Ben Affleck, der meist nur leicht bedeppert dreinguckt. Sein Neil bleibt ein Mysterium. Der Auftritt von Rachel McAdams als zwischenzeitliche Freundin von Neil ist zudem so überflüssig wie ein Kropf.

Letztendlich müssen sie aber froh sein, überhaupt im Film Auftritte zu haben, denn wer für Malick spielt, landet auch nicht immer auf der Leinwand. Dies mussten hier Rachel Weisz, Michael Sheen, Barry Pepper, Amanda Peet und Jessica Chastain erfahren. Dabei sind dafür neben den bereits erwähnten Affleck und McAdams Javier Bardem und Olga Kurlyenko, wobei es das ehemalige Model ist, um welches die wieder schwerelos scheinende Kamera die meiste Zeit dreht. Sie schlägt sich ganz gut in der Rolle der unglücklichen Frau, die nur geliebt werden will.

Die Highlights sind aber natürlich die wunderbar eingefangenen Naturbilder und der Schnitt, für den Malick mit insgesamt fünf Editoren zusammenarbeitete. Handwerklich kann man ihm wie immer nichts vorwerfen, und die Bilder sind von unbeschreiblicher Schönheit. Das Hauptproblem ist die Geschichte, welche zu sehr verstümmelt wurde.

Fazit: Im Presseheft zu To the Wonder steht, dass Neil ein gescheiterter Autor ist und dass Marina mit 16 Jahren ohne finanzielle Mittel die Ukraine verlassen hat. Im Film ist davon aber nichts zu sehen, womit man annehmen muss, dass Malick nicht nur einige Stars, sondern auch viel von der Handlung im Scheideraum entfernt hat. Der übriggebliebene Rumpf fühlt sich wie eine aufgeblasene Liebesgeschichte an, die mit wunderschönen Naturbildern verschönert wurde. Da Malick zwischen den Releases seiner Filme fünf und sechs nur 15 Monate gewartet hat, muss sein Neuster als ein missglückter Schnellschuss angesehen werden.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.52.5

 

02.09.2012 / crs

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