Silver Linings Playbook (2012)

Silver Linings Playbook (2012)

Oder: Fünf gewinnt

Silver Linings Playbook

"...und seit diesen zwei Hangovern trinke ich nur noch Wasser."

Pat Solitano (Bradley Cooper) kommt nach einem Aufenthalt in einer Nervenklinik wieder nach Hause zu seinen Eltern. Dort angekommen hat er nur ein Ziel im Kopf: Er will seine Ex-Frau Nikki (Brea Bee) zurückgewinnen. Dies ist jedoch schwierig: Pat hat sie nämlich vor ein paar Jahren mit einem anderen Mann in der Dusche erwischt und den Lover dann fast totgeprügelt, weshalb er ursprünglich in der Klinik gelandet ist. Doch Pat glaubt an seine Chance und versucht trotz einstweiliger Verfügung seiner Herzensdame langsam wieder näherzukommen.

Silver Linings Playbook

"Wir sind beide schon etwas gestört, hihihi."

Bei einem Essen mit Freunden lernt Pat eines Abend Tiffany (Jennifer Lawrence) kennen. Diese hat ihren Mann durch einen Unfall verloren und ist seither in einem dauerhaften Trauerzustand. Sie stürzt sich deshalb auch immer wieder in kurze Affären und plant auch Ähnliches mit Pat. Doch dieser lehnt ab, schliesslich sei er doch verheiratet. Als Tiffany Pat anbietet, dass sie für ihn Kontakt zu Nikki herstellt, hat sie nur eine Bedingung: Pat soll mit Tiffany an einem Tanzwettbewerb teilnehmen.


Film-Rating

Das Filmfestival von Toronto hat sich in den letzten Jahren als wichtiger Indikator für die fünf Monate später stattfindenden Academy Awards erwiesen. Als Beispiele sollen hier The King's Speech und Slumdog Millionaire genannt werden, die ihre Siegeszüge in der kanadischen Grossstadt starteten. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass auf eine Jury bestehend aus wenigen Filmschaffenden verzichtet wird und es lediglich Publikumspreise gibt, also wie bei den Oscars die Masse entscheidet. Dieses Jahr stellte die Filmwelt überraschend fest, dass nicht Ben Afflecks im Vorfeld gehypter Argo den Hauptpreis holte, sondern Silver Linings Playbook von David O. Russell. Die beiden Werke miteinander zu vergleichen, wäre jedoch unfair, sind sie doch so grundverschieden. SLP gehört aber wie Argo ebenfalls zweifelsohne zu den besten Werken des Filmjahres 2012.

O. Russells Nachfolgewerk zu The Fighter ist wieder eine Demonstration grossartiger Schauspielerleistungen. Alle profitieren dabei vom hohen Dialogniveau der Vorlage von Matthew Quick. Da hier jeder ein klein wenig gestört ist, reden sie sich um Kopf und Kragen und versuchen sich so ihre Lebenssituation schönzureden. Die Dialoge geben so das Tempo vor.

Im Zentrum steht dabei der von Bradley Cooper gespielte Pat. Dass sein Vorhaben, die Ex zurückzugewinnen, zum Scheitern verurteilt ist, ist so klar, wie dass die Aussicht auf Besserung in Form einer anderen beschädigten Seele auftaucht. Doch gross Kitsch gibt es deshalb nicht. Zu verschroben sind die verschiedenen Charaktere und so liebenswürdig, dass man ihnen auch das romantische Finale verzeiht.

Diese heilende, andere Seele wird von der herausragenden Jennifer Lawrence verkörpert. Sie spielt diese verletzliche und zerbrechliche Figur so überragend, dass ihre Performance zu den besten ihrer noch jungen Karriere gehört. Ihre Szenen mit Cooper sind die Highlights des Filmes, da sie sich beide einander wunderbar die Bälle zuspielen. Sie ist es auch, die mal auf einen Vorwurf keck eine Antwort gibt, während die anderen Charaktere, unter anderem ein endlich wieder einmal vollends überzeugender Robert De Niro, des Öfteren aneinander vorbeireden.

Schade, dass es sich Russell mit dem Tanz in der zweiten Hälfte dann etwas zu einfach macht. Die Lösung aller Probleme lässt sich dort finden, was in einer schauspielerisch grossartigen (Stichwort: Oscar-Clip), aber auch etwas konstruierten Szene, seinen Anfang nimmt. Dies passt nicht wirklich mit dem feinfühligen Beginn zusammen. Die Tanzdarbietung ist aber gelungen und gehört zu den besten seit Little Miss Sunshine - das Grinsen bei den Zuschauern wird zweifelsohne ähnlich sein.

Fazit: Silver Linings Playbook ist ein wenig wie das echte Leben: mal lustig, mal traurig, mal niederschmetternd und manchmal einfach wunderschön. Trotz der vielen Problemchen ist es ein optimistisch stimmendes Werk, das für die kalte Jahreszeit gerade der richtige Film ist, um das Herz zu erwärmen und auch ausserhalb von Toronto das Zeug hat, zum Publikumsliebling zu werden.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

30.11.2012 / crs

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