Beyond the Hills - Dupã Dealuri (2012)

Beyond the Hills - Dupã Dealuri (2012)

Oder: Ach du lieber Gott

Beyond the Hills - Dupã Dealuri

Kochen - ein Gemeinschaftserlebnis

Alina (Cristina Flutur) und Voichita (Cosmina Stratan), die zusammen im Waisenhaus aufwuchsen, waren einst unzertrennlich und durch eine tiefe Liebe miteinander verbunden - bis Alina ihre Freundin in Richtung Deutschland verliess, wo sie ihr Glück suchen wollte. Doch nun ist sie zurückgekehrt, um wieder bei Voichita zu sein. Diese hat mittlerweile zu Gott gefunden und lebt als Nonne in einem abgelegenen, orthodoxen Kloster mit strengen Regeln.

Beyond the Hills - Dupã Dealuri

Massage tut gut.

Voichita versucht, ihrer Freundin ihre Liebe zu Gott zu erklären, doch Alina fühlt sich vor den Kopf gestossen und verspürt eine rasende Eifersucht. Diese äussert sich in unbändigen körperlichen Aggressionen gegenüber den anderen Nonnen, weshalb sie ins Spital eingeliefert und unter Beruhigungsmittel gesetzt wird. Da im Spital Platzmangel herrscht, überredet Voichita den verantwortlichen Priester (Valeriu Andriuta), Alina in ihrem Zimmer im Kloster einzuquartieren, damit sie sich dort erholen kann - denn ihre Freundin hat sonst niemanden, der sich um sie kümmert. Nach einigem Zögern willigt der Priester Voichitas Vorschlag ein. Eine folgenschwere Entscheidung...


Film-Rating

Was ist stärker: die Liebe zwischen zwei Menschen oder diejenige zwischen einem Menschen und Gott? In Cristian Mungius neuem Film geht es um grundlegende Fragen rund um das Thema Liebe und Glauben. Diese rollt er am Beispiel einer engen Beziehung zweier Frauen auf. Ob es sich dabei um eine sexuelle oder "nur" um eine platonische Beziehung handelt, wird nicht näher erklärt; nur in einer Szene wird ersteres angedeutet. Aber dies ist in diesem Kontext auch gar nicht relevant. Viel entscheidender sind die zwischenmenschlichen Aspekte.

Im Vergleich zu Mungius Vorgängerfilm und Palmengewinner 4 months, 3 weeks and 2 days bietet Beyond the Hills ein anderes Setting, ist aber gleichermassen emotional und geht an die Nieren. Die Beziehung der beiden jungen Frauen, die vom Glauben der einen gewissermassen konkurrenziert wird, ist von einer bedrückenden Intensität, gerade auch, weil sie im strengen Umfeld eines Klosters spielt - also dort, wo Emotionen eigentlich verboten sind.

Der Film ist lang, sehr lang, rund zweieinhalb Stunden, und über weite Strecken von Dialogen und dem Rauschen des Windes im Hintergrund dominiert. Im Kontrast dazu stehen die panischen Aggressionen von Alina und die verzweifelten Versuche der Nonnen, die junge Frau zu bändigen und zu beruhigen. Diese Szenen sind hektisch und dramatisch und lassen die bittere Wendung erahnen, die die Geschichte nehmen wird. In seiner Intensität zieht sich der Film zum Ende durch, einem Ende, das einigen nicht gefallen wird. Tatsächlich mag es ein wenig "over the top" wirken, doch es sei an dieser Stelle gesagt, dass es - wieder einmal - auf einer wahren Begebenheit beruht.

Beyond the Hills ist auch ein Film über Religion, ein Film, der die Macht der Kirche kritisch reflektiert. Erfreulicherweise macht er dies sehr differenziert und widersteht der Versuchung, ein allzu plattes Kirchen-Bashing zu betreiben, obwohl sich die Geschichte dafür durchaus anbieten würde. Stattdessen bietet er ein einfühlsames Liebesdrama, das trotz seiner langen Laufzeit und der ruhigen Inszenierung kaum sperrig daherkommt. Auch wenn es ganz bestimmt kein Gute-Laune-Film ist: Hier lohnt sich etwas Sitzleder.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

19.05.2012 / ebe

Community:

Bewertung: 4.8 (5 Bewertungen)

 

 

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