Liebe und andere Unfälle (2012)
Liebe und andere Unfälle (2012)
Oder: I Was a Swiss Banker
Seit ihr Mann die Fliege gemacht hat, schmeisst die Milchbäuerin Marie Meier (Lea Hadorn) ihren Bauernhof selbst. Neben ihrem Jungen wohnt dort nur noch ihre Mutter Ursula (Heidi Maria Glössner), die ihre Tochter gerne wieder unter der Haube sähe. Doch Marie will von Männern nichts mehr wissen - schon gar nicht von solchen Kotzbrocken wie dem geschleckten Banker Philipp Sturzenegger (Beat Marti), der eines Tages auf ihrem Hof aufkreuzt und ihr eröffnet, dass dieser wegen Maries Überschuldung vor der Zwangsversteigerung steht.
Doch als Sturzenegger in seinem Sportwagen davonbrausen will, hat er ein unerwartetes Rencontre mit einem tierischen Hofbewohner und kollidiert deswegen mit dem nächsten Baum. Marie und Ursula transportieren den bewusstlosen Banker ins Haus und rufen schnell die nächste Ärztin. Diese (Susanne Kunz) ist zwar Tierärztin, kann aber trotzdem schnell mit einer Diagnose aufwarten, als der verwirrte Mann aufwacht und sich an nichts erinnern kann: Amnesie! Dies bringt Marie auf eine Idee: Um dem Zwangsverkauf ihres Hofes zu entgehen, quartiert sie Sturzenegger bei sich ein und sagt ihm, er sei ihr Ehemann. Doch das neue "Eheleben" bringt einige Unwägbarkeiten mit sich...
Kinofilm-Rating
Ein guter Plot ist bei einer Komödie meist schon fast die halbe Miete. Und dieser Plot ist im Regiedebut von Thomas Gerber ja gar nicht mal soo übel: Selbstgefälliger Arschloch-Banker mit Amnesie findet sich plötzlich als währschafter Milchbauer wieder. Man kann die Slapstickszenen förmlich riechen, die sich daraus ergeben - selbstredend, dass weder Traktor, Melkschemel noch Mistgabel fehlen dürfen.
Mindestens so holprig wie eine Traktorfahrt ist allerdings auch die Handlung. Zudem spielt die Geschichte in einer Art Paralleluniversum. Einem Paralleluniversum, in dem ein Banker als Fussballtrainier begnadeter ist als Lucien Favre; in dem ein heikles Beweisstück in Form eines knallroten Sportwagens spurlos verschwinden kann; in dem ein Bauernjunge in fünf Minuten eine Photoshop-Fälschung hinkriegt, die danach nicht als solche erkannt werden kann; und in dem schliesslich aus einem Super-Kotzbrocken ein guter Mensch wird, wenn er nur eben schnell das Gedächtnis verliert.
Dieser Kotzbrocken ist - wie übrigens auch sämtliche anderen Figuren - dermassen grobkörnig gezeichnet, dass es beinahe schmerzt. Nur der Bündner Dialekt mag da irgendwie nicht recht zum Klischee des geschleckten Bankfritzen passen. Passend ist hingegen, dass die Rolle von Beat Marti verkörpert wird, der ja schon in Thomas Imbachs I was a Swiss Banker den titelgebenden Protagonisten verkörpert hat. Auf jeden Fall ist er noch der beste der Darsteller. Die übrigen agieren eher wie ein überambitioniertes Dorftheaterensemble, das es grad noch knapp bis Vorstellungsbeginn geschafft hat, die hölzernen Dialoge auswendig zu lernen - Dialoge, die manchmal sogar einen absurden Einschlag haben, wie bei der Bemerkung, dass der Banker "ja eigentlich gar nicht so stier" sei, worauf Lea Hadorn als Marie erbost antwortet: "Er ist nicht mein Banker!".
Mit Hadorn in der Haupt- und Susanne Kunz in einer - reichlich dämlichen - Nebenrolle mühen sich in Liebe und andere Unfälle gleich zwei Frauen mit Vergangenheit beim Schweizer Fernsehen ab. Von diesem wurde der Film auch produziert, zweifellos für das Sonntagabendprogramm. Doch selbst dafür ist er dermassen bieder und klischeehaft, dass der gleichzeitig bei der ausländischen Konkurrenz laufende Rosamunde-Pilcher-Film im Vergleich fast schon wie ein Oscarkandidat daherkommt.
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3.0 Sterne (7 Bewertungen) | 3 Kommentare

