Buebe gö z'Tanz (2012)

Buebe gö z'Tanz (2012)

Oder: Gegensätze ziehen sich an, oder so.

"Wie wäre es mit 'Dance with somebody'?"

Dass man nicht das ganze Leben lang als Tänzerin arbeiten kann, ist Izumi Shuto, einem Mitglied des «Bern:Ballett»-Ensembles, klar. Deshalb plant sie, später ihr Geld als Choreografin zu verdienen. Doch an eine solche Stelle zu kommen, ist schwierig, und meist hat man nur einen einzigen Versuch, um zu beweisen, dass man das Zeug dafür hat. Zusammen mit ihrer Kollegin Martina plant Izumi aus diesem Grund etwas Aussergewöhnliches.

"Somebody?"

"Somebody?"

Die beiden wollen die Berner Band Die Kummerbuben für ein Projekt gewinnen. Die Mundartrocker sollen fürs Ballett Stücke komponieren und diese dann live im Stadttheater Bern während der Vorführung vorspielen. Doch das klingt alles leichter gesagt als getan. Während die Ballettfraktion einem riesigem Stress ausgesetzt ist, scheinen die Kummerbuben sich auch schon mal besser verstanden zu haben. Trotzdem planen beide Seiten, ihre Aufgabe zu erfüllen, damit dann am Ende eine einzigartige Vorführung entstehen kann.


Film-Rating

Auf der einen Seite Mundartrocker, die während den Proben gerne mal ein Bier trinken und eine Zigi rauchen, auf der anderen Balletttänzer, die hochkonzentriert nach der Perfektion suchen - es ist ein krasser Gegensatz, den Regisseur Steve Walker in seinem Dokumentarfilm Buebe gö z'Tanz zeigt. Doch bekanntlich ziehen sich Gegensätze ja an, und auf der Bühne wie auch bei diesem Film vereinen sie sich zu einem wirklich tollen Projekt, bei man nicht wirklich Rock- oder Ballettfan sein muss, um es zu toll zu finden.

Zugute kommt dem Film definitiv, dass ein Ziel erkennbar ist. Am Ende steht der Auftritt vor dem ausverkauften Stadttheater in Bern, und dieser soll so gut wie möglich werden. Dies hilft sehr bei der Dramaturgie. Der Dokumentarfilm ist eben nicht nur unterhaltsam dank der Gegensätze, sondern auch spannend, da nicht immer alles auf ein gelungenes Ende hinweist. Mal gibt es einen Nervenzusammenbruch, mal einen Bandaustritt und dann wieder Probleme bei den Proben. Es fliesst nicht nur Schweiss, sondern es werden auch ein paar Tränen vergossen. Doch nichts davon wirkt aufgesetzt oder inszeniert. Weder die Rocker noch die Tänzer versuchen nur wegen der Anwesenheit einer Kamera zu schauspielern, sondern bleiben zu jeder Zeit natürlich.

Doch worum es in dem fertigen Stück genau geht, wird nicht richtig klar. Es soll sich um einen Aussenseiter drehen, der versucht, in eine Gruppe zu kommen. Mehr ist nicht bekannt. Auch wie die Geschichte dann mit den Liedertexten funktionieren soll, wird selten ersichtlich, da der Zuschauer nur Songpassagen zu hören bekommt und nie ein ganzes Stück. Die Musik gefällt aber trotzdem und könnte den einen oder anderen dazu animieren, mal "Die Kummerbuben" bei YouTube einzugeben oder ein Konzert der Band zu besuchen.

Fazit: Buebe gö z'Tanz ist eine gelungene Dokumentation über ein auf dem Papier schräges Projekt. Die Unterschiede der beiden Gruppen geben dem Film einen grossen Unterhaltungswert und da die Band einiges an Humor besitzt, gibt es immer mal wieder was zu lachen. Etwas mehr Informationen zu den beiden Gruppen und zum Stück selbst wären aber noch wünschenswert gewesen. Trotzdem ist der Film von Steve Walker einer der besseren Schweizer Dokumentarfilme der letzten Zeit.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

27.04.2012 / crs

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