Bad 25 (2012)

Bad 25 (2012)

Oder: Shamone!

Bad 25

Bad Boys in der U-Bahn

Am 31. August 1987 veröffentlichte Michael Jackson das Nachfolge-Album zu seinem Megaseller "Thriller" - notabene bis heute das meistverkaufte Album aller Zeiten. Unter von ihm selbst auferlegtem Erfolgsdruck sollte "Bad" bis zu 100 Millionen mal verkauft werden. Diese Zahl schrieb sich der King of Pop angeblich sogar auf seinen Badezimmerspiegel. Produziert in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Quincy Jones und Sound Engineer Bruce Swedien, schafften es schlussendlich zehn Tracks auf die Platte (ein elfter, "Leave Me Alone", kam erst beim CD-Release neu dazu). Diese hiessen:

1. "Bad"
2. "The Way You Make Me Feel"
3. "Speed Demon"
4. "Liberian Girl"
5. "Just Good Friends"
6. "Another Part of Me"
7. "Man in the Mirror"
8. "I Just Can't Stop Loving You"
9. "Dirty Diana"
10. "Smooth Criminal"

Jeder dieser Songs und der dazugehörige Videoclip, die Jackson immer nur Kurzfilme nannte, hat seine ganz eigene Geschichte. Regisseur Spike Lee hat diesen mit Jacksons Weggefährten und seinen berühmtesten Fans nachgespürt.


Film-Rating

Michael Jacksons Musik ist unverwüstlich, er selber als King of Pop unsterblich. Gleich fünf Singles aus dem Album "Bad" schafften es auf die Eins in den US-Charts - ein Rekord, der erst Jahre später von Katy Perry mit fünf Auskopplungen aus ihrem Longplayer "Teenage Dream" gebrochen wurde. So klingt das im Musik-Industrie-Jargon, wenn man über den 2009 verstorbenen Superstar schreibt. In der Tat hat Jacksons Musik etwas Zeitloses und animiert auch 25 Jahre später noch zum Mitsingen und Mitwippen. Wenn dann ein einigermassen renommierter Regisseur wie Spike Lee (The Inside Man) zum fröhlichen Reminiszenen-Austauschen ruft, dann kommen sie auch alle angestürmt: vom Bodyguard über den Tastenhauer bis zum Choreographen, mehreren Backgroundsängerinnen, dem Anwalt, Jacksons Drummer, den Tänzern, ja sogar einer Archivarin, die jeden Zettel zu kennen scheint, den Jackson je vollgekritzelt hat.

Bei so einer geballten Ladung "Zeitzeugen", wie Spike Lee seine Interviewpartner nennt, erstaunt es nicht, dass in Bad 25 die eine oder andere nie vorher gehörte Geschichte zu hören gibt oder eine lang nicht mehr gesehene Sequenz zu sehen ist. Die Jackson-Erben gaben ihr Okay, weshalb Lee Archivmaterial zuhauf zur Verfügung hat: Jackson, der spanisch singt, ein Plastilin-Werbespot für kalifornische Wybeeri und direkte Vergleiche zwischen Fred-Astaire-Filmen und dem Clip zu "Smooth Criminal" sind kleine Highlights in einem zweistündigen Bilderreigen. Man hört auch gerne der Background-Sängerin Siedah Garrett zu, wie sie damals mithalf beim Komponieren von "Man in the Mirror". Und endlich sieht man auch mal Sheryl Crow unter voluminöser Blondlockenpracht mit Jackson im Duett. Bisher hat man ja nur vom Start ihrer Karriere als Backgroundsängerin auf der Bad-Tournee gelesen.

Es hat aber wenig Sinn, dem Blabla einer Mariah Carrey, eines Justin Bieber oder Kanye West Beachtung zu schenken. Nur weil Plattitüden aus dem Munde eines Celebrity kommen, werden diese nicht gehaltvoller. Und Bad 25 ist leider ziemlich voll von solchen Gestalten. Dafür fehlt Neues von Quincy Jones ganz - er kommt nur in Archiv-Material zu Wort. Es fehlt dem Film auch an einer ordentlichen Struktur. Themen werden hastig angeschnitten und gleich wieder fallengelassen. Mit dem Kauf der Beatles-Rechte und "Wacko Jacko"-Berichten wird Unschönes in Jacksons Karriere auch nicht ausgelassen, aber ein durchdachter Aufbau ist ausser der Tracklist vom Bad-Album nicht wirklich zu erkennen. Ein besserer Regisseur hätte da mehr daraus gemacht. Der direkte Vergleich mit Marley bietet sich an, und in dieser Hinsicht macht Bad 25 massiv Zweiter. Nicht mal einen ordentlichen Vorspann hat man dem Film gegönnt.

Was bleibt, ist die Musik. Und die ist - um wieder dem IFPI-Lingo zu verfallen - halt wirklich "Evergreenig vom Feinsten". Falls Spike Lee sie denn auch mal ausspielt. Vor allem die Livemitschnitte vom Jackson-Konzert im Londoner Wembley-Stadion sind eine Wucht. Wenn man dann erfährt, dass dieses zusammen mit der "Bad"-Re-Edition zum 25-jährigen Jubiläum, erstmals auf DVD erscheinen wird, ist auch klar, was Bad 25 wirklich darstellt: ein schludrig zusammengestiefeltes Promo-Tool auf TV-Niveau, an dem Perfektionist Michael Jackson, bei dem schon die Demotapes lupenrein daherkamen, wohl keine grosse Freude hätte.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.02

 

01.09.2012 / rm

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