Argo (2012)

Argo (2012)

Oder: Ar-go-fuck-yourself!

Argo

Wer ist hier nochmals der Regisseur?

Teheran, 1979: Nach dem Sturz des diktatorisch regierenden Schahs Pahlavi haben die Revolutionstruppen die Macht im Iran übernommen. Da der Schah in die Vereinigten Staaten geflohen ist und diese eine Auslieferung verweigern, stürmt ein wütender Mob die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt und nimmt 52 US-Diplomaten als Geiseln. Im Tumult schaffen es jedoch sechs Amerikaner, durch eine Hintertür zu fliehen, und finden Unterschlupf in der kanadischen Botschaft. Freilich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Revolutionstruppen ihr Fehlen bemerken.

Argo

Hey, warum muss gerade ich am Ende sterben?

Tony Mendez (Ben Affleck) ist CIA-Agent und tüftelt in Washington daran, wie die sechs Entkommenen schnellstmöglich aus dem Iran rausgeschmuggelt werden können. Eines Tages hat er die zündende Idee: Man könnte unter dem Vorwand, einen fiktiven Hollywoodfilm im Iran drehen zu wollen, ins Land einreisen und die Diplomaten rausholen. Mendez' Chef (Bryan Cranston) ist vom Vorschlag zuerst zwar gar nicht begeistert, willigt dann aber ein. Zusammen mit dem Maskenbildner John Chambers (John Goodman) und dem Filmproduzenten Lester Siegel (Alan Arkin) macht sich Mendez sogleich an die Arbeit.


Film-Rating

Es scheint, als habe Ben Affleck nach einer vielerseits belächelten Schauspielkarriere nun endlich seine Berufung hinter der Kamera gefunden. So feierte er als Regisseur mit seinen ersten Filmen Gone Baby Gone und The Town sowohl beim Publikum wie auch bei den Kritikern Erfolge. Mit seinem neusten Werk, dem Politthriller Argo, scheint Affleck nun nochmals ins Schwarze getroffen zu haben: Der Film wurde am Filmfestival Toronto von allen Seiten bejubelt und bereits zum heissen Oscaranwärter gekürt.

Tatsächlich beginnt Argo vielversprechend: Die Eröffnungssequenz, welche den Sturm der amerikanischen Botschaft in Teheran und die darauffolgende Geiselnahme zeigt, fesselt sogleich und darf als inszenatorische Meisterleistung bezeichnet werden. Gekonnt verbindet Affleck seinen klassisch-schnörkellosen Erzählstil, mit dem er bereits in seinen letzten beiden Filmen punktete, mit einem authentischen Siebzigerjahre-Look. Die körnigen, leicht verblassten Bilder von Kameramann Rodrigo Prieto besitzen zwar nicht die Brillanz, die letztes Jahr im historisch vergleichbar angesiedelten Tinker Tailor Soldier Spy zu bewundern war, erzeugen aber nichtsdestotrotz eine dichte, knisternde Atmosphäre.

Auch inhaltlich ist Argo im Vergleich zu Tinker Tailor Soldier Spy weniger eigenwillig, da die Geschichte klar aufs Massenpublikum zugeschnitten wurde. Statt auf ein kompliziertes Figurengeflecht setzt Affleck lieber auf geradlinige Spannungserzeugung und Protagonisten mit eindeutiger Motivation. Dennoch flüchtet sich der Film nie in billige Actionsequenzen und mutet den Zuschauern durchaus eine differenzierte Sicht der politischen Hintergründe zu. So wird der iranisch-amerikanische Konflikt nie in ein Gut-Böse-Schema gepresst und die Mitschuld der Vereinigten Staaten am Schlamassel keineswegs verschwiegen. Lobenswert ist es ebenfalls, wie der Film neben den (beinahe unheimlich aktuellen) Nachrichtenbildern von Anti-USA-Parolen schreienden Muslimen auch solche von wütenden Amerikanern zeigt, die einen iranischen Einwanderer auf der Strasse verprügeln.

Könnte das Goldmännchen für den besten Film im Februar 2013 also an Argo gehen? Dafür gibt es dann doch das eine oder andere Gegenargument: Emotional bleibt der Film leider etwas oberflächlich, da die Figuren wie erwähnt eher blass sind. Gerade der von Affleck selbst verkörperte Protagonist bleibt ziemlich farblos, wenn nicht geradezu austauschbar. Das Hauptproblem liegt jedoch vor allem darin, dass die Hollywood-Szenen mit John Goodman und Alan Arkin - so unterhaltsam sie auch sind - im Gesamtwerk etwas wie ein Fremdkörper wirken. Sie bewegen sich stilistisch im Bereich von Hollywood-Satiren wie Wag the Dog, was nicht recht zur ernsten Tonlage des restlichen Filmes passen will.

Mit Argo stellt Ben Affleck einmal mehr sein Können als Regisseur unter Beweis und liefert einen spannenden Politthriller im Stil von Genreklassikern wie All the President's Men. Ob es tatsächlich zum Oscarruhm reichen wird, ist angesichts einiger Schwächen jedoch zweifelhaft.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

29.09.2012 / jon

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