Anna Karenina (2012)

Anna Karenina (2012)

Oder: Schmachten und Leiden in Russland

Weiss, weisser, Lenor?

Weiss, weisser, Lenor?

Russland im 18. Jahrhundert: Anna Karenina (Keira Knightley) reist von St. Petersburg nach Moskau, um ihren Bruder Silva und seine Frau zu besuchen. Silva hat sich mit der Haushälterin vergnügt, und ein solcher Ehrbruch kann in der Welt der Adligen verheerende Folgen haben. Doch auch Anna Karenina selbst wird in St. Petersburg in Versuchung geführt: Als sie den charmanten Alexei Vronsky (Aaron Johnson) kennenlernt, erwägt auch sie, ihren Ehemann (Jude Law)) zu betrügen.

Extremsport im alten Russland

Extremsport im alten Russland

In Hinblick auf die Schande, die eine Affäre über ihren Namen bringen könnte, hält sich Anna Karenina zurück und kehrt zu ihrem Mann, dem Politiker Karenin, nach St. Petersburg zurück und versucht sich selbst davon zu überzeugen, dass sie Vronsky bereits vergessen habe. Kurze Zeit später trifft dieser jedoch ebenfalls in der Stadt ein, und Anna Karenina wird erneut mit ihm konfrontiert. Kann sie ihm widerstehen, obwohl ihr Herz eindeutig für ihn schlägt?


Film-Rating

Wenn man an Leo Tolstois Roman Anna Karenina denkt, kommen einem wohl als erstes Worte wie 'Schinken' oder 'Dampfwalze' in den Sinn, denn der Wälzer ist mit seinen über tausend Seiten nicht gerade Lese-Fastfood. Seit 1927, damals mit Greta Garbo in der Hauptrolle, wurde das Werk immer wieder filmisch umgesetzt, zuletzt als TV-Miniserie. Nun ist aber wieder die grosse Leinwand an der Reihe, und Joe Wright kehrt nach seinem kurzen Ausflug ins Action-Genre (Hanna) wieder zurück zum Kostümfilm, sozusagen zurück nach Hause.

Mit Keira Knightley in der Hauptrolle wurde zwar nicht der grosse Casting-Coup gelandet, aber man bekommt, was man erwartet. Mit ihrem kantigen Gesicht strahlt Knightley eine gewisse Kälte aus, und darunter leidet die zentrale Liebesgeschichte ein wenig. Die neu gefundene Lebensfreude, das Feuer, das Vronsky in ihr entfacht, knistert nicht wirklich, und die Chemie zwischen ihr und Aaron Johnson ist irgendwie auch nicht recht vorhanden. Weitaus besser wurden die Nebenrollen besetzt. Jude Law und Domhnall Gleeson gilt es zu erwähnen. Ihre Figuren wirken weitaus dreidimensionaler und spannender als das zentrale Liebespaar, was eigentlich schade ist.

Ein Joe Wright-Film wäre kein solcher, würde er nicht auf Kameratricks und Gimmicks zurückgreifen. Während die langen Kamerafahrten und innovative Regie seinen bisherigen Werken zugute kam, hat er sich für Anna Karenina etwas besonders Nerviges ausgedacht: Das Ganze beginnt als Theaterstück, und im Verlaufe der Handlung kehren wir immer wieder auf die Bühne zurück. Hintergründe wechseln wie Kulissen, zwischen Szenen gehen die Figuren plötzlich hinter der Bühne spazieren, und eine Sequenz in der Fabrik wird zu einer Art Musicalnummer, während bei einem Pferderennen die Tiere über die Theaterbühne gallopieren. Immer wieder reissen einen diese stilistischen Spielereien aus der Handlung, und immer wenn man sich wieder in die Geschichte eingelebt hat, wirken diese Momente störend.

Keine Frage, Joe Wright hat mit dieser stilisierten Verfilmung des Klassikers ein interessantes Experiment durchgeführt, doch auch diese können hin und wieder misslingen. Die Betrachtung des Experiments jedoch bleibt interessant, und mit einigen tollen Darsteller-Leistungen wird man auch noch belohnt. Bleibt zu hoffen, dass Wright sich vielleicht doch wieder einmal ins Actiongenre verirrt...


OutNow.CH:

Bewertung: 3.03

 

24.11.2012 / ma

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