Weekend (2011)

Weekend (2011)

Oder: Gay Rite of Passage

Weekend

"Ich mag nicht, wie der auf mich herabschaut."

Müde verlässt Russell (Tom Cullen) am Freitagabend die Party seines Freundes Jamie (Jonathan Race). Doch anstatt nach Hause beschliesst er, ins Propaganda - eine Bar für Homosexuelle - zu gehen, um einen Partner für die Nacht zu finden. Bald fällt ihm der gleichaltrige Glen (Chris New) auf, der schliesslich mit ihm nach Hause geht. Am nächsten Morgen kann sich Russell nicht mehr an viel erinnern. Zu viel Alkohol und Drogen waren im Spiel. Doch anstatt sich schnell zu verabschieden, trinken die beiden noch Kaffee im Bett, plaudern und verabreden sich für den nächsten Abend.

Weekend

"Ha, dem hab ich gezeigt, wer der Grösste ist!"

So beginnt ein Wochenende mit vielen Gesprächen und Sex, an dem sich die beiden immer näher kommen. Russell und Glen tauschen sich über ihre Kindheit aus und thematisieren, ob sie glücklich sind mit ihrem Leben. Diese Intimität löst bei Russell den Wunsch nach einer ernsteren Beziehung aus. Doch Glen ist überhaupt nicht der Beziehungstyp und nicht auf der Suche nach einem festen Freund. Da rückt Glen plötzlich auch noch mit einem Geheimnis heraus, mit dem Russell nur schwer umgehen kann.


Film-Rating

Mit Weekend präsentiert Andrew Haigh seinen erst zweiten Langspielfilm als Regisseur. Wie auch Greek Pete erzählt Weekend vom Zusammentreffen zweier Männer, die sich aus ihrer Begegnung nicht ganz dasselbe erhoffen. Anstatt, wie in seinem Regiedebüt die Geschehnisse eines Jahres aufzuzeigen, konzentriert sich Haigh, der auch gleich das Drehbuch verfasst hat, auf ein einziges Wochenende. Was dabei herauskommt, ist eine sehr naturalistische, authentische und einfühlsame Momentaufnahme einer dieser Begegnungen, die man das ganze Leben nicht mehr vergisst.

Weekend besticht neben guten Dialogen und schön inszenierten Momenten vor allem auch durch die Kameraführung. Urszula Pontikos lässt den Charakteren ihren Raum, zeigt die beiden Hauptakteure oft aus sicherer Distanz. Ganz bewusst wählt Haigh diesen starken Kontrast zwischen dieser Distanz und der grossen Intimität zwischen den beiden Hauptcharakteren. Dieser Kontrast zeigt auch, wie Homosexuelle in der Öffentlichkeit oft nicht ausgelassen miteinander Zeit verbringen können, wie das heterosexuelle Paare ungeniert tun. Einige persönliche Gespräche während des Kennenlernens enthält der Regisseur zudem den Zuschauern vor, indem die Kamera halt gerade nicht in Hörweite ist oder die Umgebungsgeräusche zu laut sind.

Die beiden Hauptdarsteller Tom Cullen und Chris New, beides Newcomer im Filmbusiness, wirken vielleicht gerade durch ihre Unerfahrenheit sehr authentisch und lassen einen keine Sekunde an der Besonderheit ihrer Begegnung zweifeln. Cullen als Russell zeigt viele Gefühle und eine solche natürliche Körpersprache, wie man sie eigentlich nur im richtigen Leben sieht. Er kaut an den Nägeln und schützt seinen Körper reflexartig mit den Armen, wenn heiklere Themen zur Sprache kommen.

Auch die Entscheidung des Regisseurs, den Film nicht mit Musik zu untermalen, bringt den Naturalismus stark zum Ausdruck und lässt einen im Glauben, gerade dieselbe Luft wie die Charaktere zu atmen. Geschickt zeigt Haigh zu Beginn keine zu intimen Momente, lässt die Charaktere sich zuerst kennenlernen, so dass die später gezeigten Szenen, die Sex nicht nur andeuten, deutlich sehen lassen, dass hier auch Liebe im Spiel ist. Was an dem Film stört, ist aber, dass er zu sehr versucht, Homosexualität als etwas in der Gesellschaft noch nicht gänzlich Akzeptiertes darzustellen. Die beiden Männer scheinen von ihrer Sexualität völlig eingenommen, als wären sie in erster Linie Homosexuelle und dann erst Menschen. Diese verbissene Hervorhebung von Homosexualität als Sonderstatus nimmt Weekend ein wenig von seiner Glaubwürdigkeit.

Fazit: Die vielen interessanten Dialoge, die sich wiederholenden Gesamtbilder, die das gegensätzliche Verhalten der beiden Männer in den eigenen vier Wänden und in der Öffentlichkeit aufzeigen, sowie die beindruckende Schauspielleistung von Tom Cullen machen Weekend zu einem Must-see.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

27.03.2012 / stb

Community:

Bewertung: 4.8 (10 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

0 Kommentare