Des vents contraires (2011)

Des vents contraires (2011)

Oder: Jetzt ist sie weg. WEG.

"...und dann baute ich einen Unfall, hihihi."

"...und dann baute ich einen Unfall, hihihi."

Paul (Benoît Magimel) und Sarah (Audrey Tautou) scheinen das perfekte Paar zu sein: Er ist Schriftsteler, sie Ärztin, zusammen besitzen sie eine schöne Wohnung inmitten von Paris, und zudem sind sie glückliche Eltern von zwei Kindern. Doch der Haussegen hängt schon seit einiger Zeit schief: Immer mal wieder gibt es Streit, wobei Paul die Kinder beruhigt, indem er ihnen sagt, dass dies völlig normal sei für Erwachsene. Eines Morgens teilt Sarah am Frühstücktisch mit, dass sie es in der Beziehung nicht mehr aushalte. Die Worte treffen Paul tief und verstärken sich nur noch, als Sarah am Abend nicht nach Hause kommt. Ob sie wohl bei einem anderen Mann ist?

"Jetzt gib schon her. Ich will auch einmal."

"Jetzt gib schon her. Ich will auch einmal."

Als sie auch am nächsten Tag nicht auftaucht, alarmiert Paul die Polizei. Doch die kann die Ehefrau auch nicht finden. Paul fällt danach in ein Loch und entscheidet nach mehreren Monaten, dass ein Tapetenwechsel wohl das Richtige sei. So nimmt er seine beiden Kinder und fährt in seine alte Heimat nach Saint Malo, wo seine Eltern ein Haus besitzen und sein Bruder ihm eine Stelle als Fahrlehrer anbietet. Wird es Paul schaffen, hier ein neues Leben zu beginnen, oder wird Sarah ihn hier auch nicht loslassen?


Film-Rating

Die Fans von Frankreichs Filmliebling Audrey Tautou müssen hier gleich gewarnt werden: Auch wenn der Name der Schauspielerin gross auf dem Poster steht, hat sie nur eine Screentime von geschätzten fünf Minuten. Danach wird dem von Benoît Magimel gespielten Ehemann die Bühne überlassen, und wir werden Zeugen, wie er versucht, sein (Familien-)Leben in den Griff zu bekommen. Dies ist zu Beginn noch überzeugend vorgetragen, doch mit zunehmender Dauer hat der Film vermehrt Glaubwürdigkeitsprobleme, was ihm dann in der Mitte zum Verhängnis wird.

Was genau mit der von Tautou gespielten Ehefrau passiert ist, bleibt lange im Dunkeln. Der Zuschauer ist genau so ahnungslos wie der plötzlich alleinerziehende Vater, dem das Ganze zu viel ist. Da ist es klar, dass diesem bei der Erfüllung seiner Pflichten immer mal wieder Fehler unterlaufen. Doch das Drehbuch hat ihm ein paar zu viele solche aufgehalst. Ab einem gewissen Punkt zieht die Erklärung mit der Verzweiflung nicht mehr, und so verliert die Hauptfigur Sympathiepunkte und der Film dann letztendlich die Glaubwürdigkeit.

Magimel spielt seinen Part aber trotzdem solide. Alleine mit seinen Augen schafft er es, die Trauer und die Verzweiflung verständlich zu machen. Alle anderen Charaktere dienen derweil lediglich als des Hauptfigurs Begleiter auf dem Weg zur Besserung. Dabei gefallen ein paar Figuren, wie zum Beispiel der Versager Bréhel (Bouli Lanners), während andere wie die übernette Polizistin (Isabelle Carré) oder die Fahrschülerin (Marie-Ange Casta) ein paar merkwürdige Entwicklungen durchmachen. Regisseur Jalil Lespert, der auch beim Drehbuch mitschrieb, legte seinen Fokus eindeutig auf die Hauptfigur, und der Rest muss sich ihr klar unterordnen. Dies wäre in Ordnung, wenn wir den im Zentrum stehenden Familienvater mögen würden. Doch Lespert und seine Kollegen haben ihm zu viele unnötige Steine in den Weg gelegt, sodass dies verunmöglicht wird.

Fazit: Des vents contraires hätte ein starkes Drama über Verlust, Verzweiflung und einen Neuanfang werden können. Doch die Hauptfigur benimmt sich etwas gar dämlich in ihrer schwierigien Situation und ist schnell mal untragbar. Da war der ähnlich gelagerte The Descendants um einiges stärker und emotionaler. Zusätzlich spielte dort der Kassenmagnet dann auch während des ganzen Filmes mit.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.52.5

 

07.06.2012 / crs

Community:

Bewertung: 3.0 (3 Bewertungen)

 

 

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