Vampire (2011)
Vampire (2011)
Oder: Dann lieber Knoblauch und Kruzifix
Simon (Kevin Zegers) ist Biologielehrer im Nordwesten der USA, schaut unauffällig aus mit seinen ins Gesicht hängenden Strähnen und seiner Brille. Gleichzeitig sucht er in Selbstmord-Chats nach Suizidwilligen, mit denen er in Kontakt tritt, um gemeinsam aus dem Leben zu scheiden.
Was diese nicht wissen: Simon hat überhaupt nicht vor, zu sterben, sondern benutzt die Selbstmordgefährdeten nur als Nahrungsaufnahme. Simon hat nämlich das dringende Bedürfnis, menschliches Blut zu trinken. Dabei muss er vorsichtig vorgehen, damit niemand auf seine Identität als Vampir kommt. So ist er vor allem auf der Suche nach jungen, scheuen Frauen, welchen er das Blut abzapft und deren Leichen er in Kühltruhen deponiert.
Zu Hause jedoch ist er wieder der fürsorgliche Sohn, der seine an Alzheimer erkrankte Mutter (Amanda Plummer) pflegt. Als jedoch die Bekannte Laura (Rachel Leigh Cook) ausgerechnet Simon als neuen Freud auserkoren hat und sich ständig bei ihm zu Hause rumtreibt, ist seine doppelte Identität in Gefahr.
Kinofilm-Rating
Oje! Vampire ist einer dieser Filme, bei welchem man fast jede Minute bereut, die man im Kino gesessen und die Aufmerksamkeit der Leinwand geschenkt hat. Angefangen damit, dass der Film "Vampire" heisst, die einzigen Blutsauger jedoch zwei Egel sind. Vampire haben aufgrund ihrer literarischen und filmischen Tradition gewisse Eigenschaften, die sie auszeichnen. Zudem ist die Figur des Vampirs stark sexuell aufgeladen. Hier heisst der Vampir Simon und ist ein völlig normaler Mensch. Diese Erdung kann grundsätzlich spannend sein und der Vampir als Metapher verwendet werden. Dies geschieht hier jedoch nicht mal im Ansatz. Und im Vergleich zur Hauptfigur ist sogar der Twilight-Edward ein Sexprotz. Der Titel soll also vor allem eins: Auf den Trend-Zug aufspringen und möglichst viele Leute unter falschen Absichten ins Kino locken.
Dann gibt es ein Wiedersehen mit Kevin Zegers (Transamerica), Rachel Leigh Cook und Keisha Kastle-Hughes. Dies ist aber nicht wirklich erfreulich. Im Gegenteil: Damit sind Whale-Rider-Erinnerungen zerstört, und sogar She's All That wird vermisst. Grottige Schauspielleistungen durchs Band von beinahe einschlafenden Protagonisten, denen man weder Vampir noch nervtötende Möchtegernfreundin oder selbstmordgefährdete junge Mutter abnimmt. Und Amanda Plummer spielt eine geistig verwirrte Mutter, welcher der Vampir riesige Ballone anhängt, damit sie nicht aus dem Zimmer kommt. Hilfe!
Iwai Shunji ist sowohl Regisseur, Drehbuchautor, Komponist, Cutter und Kameramann. Für das Catering war er vermutlich auch zuständlich. Während er zumindest teilweise poetische Bilder für diesen tristen Film findet, versagt er vor allem als Drehbuchautor. Die Story ist mehr als hanebüchen, voller Logiklöcher, abbrechenden Handlungssträngen und lächerlichen Dialogen. Beispiel: Wenn eines der potentiellen Opfer dem Vampir anbietet, es bei sich zu Hause zu töten und dieser sich Sorgen um das Entsorgen der Leiche macht, antwortet das Opfer: "Keine Sorge, ich habe eine Kühltruhe!"
Durch die Entscheidung des Vampirs, nur suizidgefährdete Menschen zu töten, lenkt Shunji automatisch den Fokus auf das Thema Selbstmord, was in diesem Kontext auf sträfliche Weise verharmlost wird. Wenn der Vampir sterbewilligen Jugendlichen hilft, aus dem Leben zu scheiden, wirft dies moralische Fragen auf, auf die der Film keine Antwort liefert. Es interessiert ihn schlicht nicht, wer da aus dem Leben scheidet. Damit bleibt eine Begründung für die Selbstmorde offen, und der Film wirft die Frage auf, ob die Beihilfe zum Suizid gleich schlimm ist wie die Tötung von Menschen, welche nicht sterben wollen. Dies ist eine ethisch heikle Frage, zu welcher der Film eine zu wenig differenzierte Meinung liefert.
Vampire ist ein völlig misslungenes Werk, welches nicht nur schlecht gemacht ist, sondern auch einen bedenkliche Haltung transportiert.
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