Tom Sawyer (2011)

Tom Sawyer (2011)

Oder: Mark Twain mal deutsch

Malerische Pose Nr. 17

Malerische Pose Nr. 17

Im kleinen Südstaaten-Städtchen St. Petersburg ist der Lausbub Tom Sawyer (Louis Hofmann) für manchen Streich verantwortlich. Anstatt brav die Aufträge seiner Tante Polly (Heike Makatsch) zu verrichten, stürzt er sich lieber mit seinem besten Kumpel Huck Finn (Leon Seidel) in kleine Abenteuer. Seine häuslichen Pflichten schiebt er immer wieder und mit viel Geschick seinem Halbbruder Sid (Andreas Warmbrunn) oder anderen Mitschülern zu. Gut dastehen möchte er eigentlich nur vor der hübschen Becky Thatcher (Magali Greif), der Tochter des Richters, die gerade neu in die Stadt gezogen ist.

Nach dem Sprung in den Malkasten

Nach dem Sprung in den Malkasten

Als Tom und Huck bei einem nächtlichen Ausflug auf den Friedhof zufällig einen Mord beobachten, ist es jedoch vorbei mit dem friedlichen Lausbubenleben. Denn nun stecken die beiden Jungs in einer argen Zwickmühle: Der harmlose Trunkenbold Muff Potter (Joachim Król) wird des Mordes bezichtigt und soll gehängt werden. Der wahre Mörder ist jedoch das Halblut Indianer-Joe (Benno Fürmann) - und dieser wird mit Tom und Huck kurzen Prozess machen, sollten sie jemals die Wahrheit erzählen...


Film-Rating

Naheliegend ist es nicht, ausgerechnet in Deutschland Mark Twains "uramerikanischen" Roman über den frechen Tom Sawyer zu verfilmen. Trotzdem landete Produzent Boris Schöndorfer bei seiner Suche nach einem zeitlosen Stoff für Gross und Klein unweigerlich bei dem Werk, das ihn als Kind im TV begeistert hatte. Unter der Regie von Hermine Huntgeburth (Bibi Blocksberg, Die weisse Massai) und mit einem starbesetzten Cast wurde schliesslich an verschiedenen Orten in Deutschland sowie in Rumänien gedreht, wo man die erhaltenen Kulissen aus Cold Mountain nutzen konnte. Für amerikanische Landschaften können die Kulissen freilich kaum herhalten; insbesondere die Wiesen sehen verdächtig nach europäischem Durchschnitt aus, die dann im Computer gelb eingefärbt wurden.

Überzeugend sind dafür die Kinderdarsteller: Tom (Louis Hofmann) und Huck (Leon Seidel) zeigen tolle Kumpel-Chemie und können den Film mühelos auf ihren kleinen Schultern tragen. Besonders Hofmann tritt sowohl in den frechen als auch den eher dramatischen Sequenzen souverän und sympathisch auf. Seidel ist zwar auch recht niedlich, weil ihm die Rohheit eines Huck Finn aber etwas fehlt, droht er beinahe, neben seinem frechen Leinwandpartner unterzugehen.

Die prominente deutsche Schauspielerriege punktet hingegen nur bedingt. Ganz in Ordnung sind Heike Makatsch als Tante Polly und Joachim Król als chaotisch-liebenswerter Muff Potter. Bei Benno Fürmann als Indianer Joe wirkt die Promibesetzung jedoch mehr als unangebracht, denn selbst mit roter Schminke und aufgeklebter Adlernase sieht er stets wie ein angemalter Weisser aus. Dass mit rassistischen Stereotypen vorsichtig umzugehen ist, scheint den Filmemachern durchaus bewusst gewesen zu sein. So wird Indianer Joe als Opfer der Umstände gezeigt, der vielleicht nur deshalb kriminell wurde, weil die Weissen ihn nicht akzeptieren wollen. Dies will freilich nicht ganz zu seiner Rolle als Bösewicht der Story passen und hinterlässt zusammen mit Fürmanns Malkasten-Version eines Indianers einen eher schalen Beigeschmack.

Tom Sawyer ist gut gemachtes deutsches Familienkino mit überzeugenden Kinderdarstellern und viel Liebe zum Detail. Bei aller Nähe zur Buchvorlage fehlt aber leider etwas der Pepp. Die relative Langsamkeit des Filmes ergibt sich auch dadurch, dass merklich Zeit damit verplempert wird, in der Schönheit der Landschaft und der Niedlichkeit der Kids zu schwelgen. Das nimmt dem ganzen Film einiges an Tempo, und die Filmdauer zieht sich arg hin.

So fehlt dem Film das letzte Quäntchen Frechheit, um das abenteuerliche Erlebnis zu werden, das die Macher wohl gerne auf die Leinwand gezaubert hätten. Vertrauen in die Qualität des Filmes scheint man allemal zu haben, hat man mit den Dreharbeiten zur Fortsetzung Huck Finn doch schon längst angefangen. Ob eine deutsche Version des - literarisch weit angeseheneren - Amerikaromans allerdings hinhaut, ist eine andere Frage.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.53.5

 

07.10.2011 / pps

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Bewertung: 3.4 (4 Bewertungen)

 

 

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