Tinker, Tailor, Soldier, Spy (2011)

Dame, König, As, Spion

Tinker, Tailor, Soldier, Spy (2011) Dame, König, As, Spion

Oder: Der Film, der aus der Kälte kam

Tinker, Tailor, Soldier, Spy

Er hat die Tapete schön.

Im Jahr 1973 ist der Kalte Krieg in vollem Gange. Der Chef des britischen Geheimdienstes MI6, "Control" (John Hurt), schickt seinen Agenten Jim Prideaux (Mark Strong) auf eine Mission nach Budapest. Doch die Mission geht schief, Prideaux gerät in einen Hinterhalt und wird in den Rücken geschossen. Dies kostet Control und dessen Topspion George Smiley (Gary Oldman) den Job - die beiden werden aus dem "Circus", wie der MI6 intern genannt wird, entlassen. Eine neue Garde, bestehend aus Percy Alleline (Toby Jones) und dessen Mitarbeitern Bill Haydon (Colin Firth), Roy Bland (Ciarán Hinds) und Toby Esterhase (David Dencik) übernimmt die Führung.

Tinker, Tailor, Soldier, Spy

"Das waren noch Zeiten, als ich König war!"

Eine Weile später ist Smiley zurück im Business. Er wird von der Regierung angeheuert, um verdeckt innerhalb des MI6 zu ermitteln. Es wird vermutet, dass sich dort ein Doppelagent eingeschlichen hat, der für die Sowjetunion arbeitet. Im Laufe seiner Untersuchungen wird Smiley mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Ein russischer Meisterspion mit dem Decknamen "Karla", mit dem Smiley bereits früher das Vergnügen hatte, scheint auch jetzt wieder involviert zu sein...


Kinofilm-Rating

Nach Vampiren beschäftigt sich der Schwede Tomas Alfredson in seinem ersten englischsprachigen Film nun mit Spionen. Alleine schon das Wort "Spion" gemahnt an Zeiten des Kalten Kriegs und an die unzähligen Romane und Filme, die in eine Welt der Agenten, Doppelagenten und allerlei geheimer Machenschaften entführten. John Le Carré, selbst ein ehemaliger Agent, ist einer der bekanntesten Genreautoren, sein Charakter George Smiley einer der bekanntesten Romanhelden, und Tinker, Tailor, Soldier, Spy eines seiner bekanntesten Werke. 1979 wurde es bereits in einer BBC-Miniserie mit Alec Guinness in der Hauptrolle verfilmt, 32 Jahre und einen beendeten Kalten Krieg später folgt nun die Kinoadaption.

Während sich die Serie 7x45 Minuten Zeit nehmen konnte, um die komplexe Agentengeschichte zu erzählen, bleiben Alfredson nur etwas mehr als zwei Stunden. Es versteht sich von selbst, dass diese so dicht sind, dass man als Zuschauer kaum zum Durchatmen kommt - insbesondere, wenn man die Romanvorlage bzw. die Serie nicht kennt. Höchste Konzentration ist daher vonnöten, denn gerade am Anfang ist es bei der verwirrenden Vielzahl an Charakteren und den vielen Dialogen ziemlich schwierig, in die Filmhandlung reinzukommen, zumal diese nicht chronologisch erzählt wird. Erst gegen Mitte des Filmes lichtet sich der Nebel, und die Charaktere rund um den von Gary Oldman verkörperten Meisterspion Smiley werden etwas zugänglicher.

Trotz aller Konzentration auf die Handlung sei es aber doch auch empfohlen, die Ausstattung nicht völlig ausser Acht zu lassen. Das wäre schade. Denn das Seventies-Flair wird vom Film ausserordentlich gut eingefangen: angefangen bei den matten Farben, über die Frisuren, die Brille des Protagonisten bis hin zu den Kleidern. Wären da nicht die bekannten Gesichter der Schauspieler wie Oldman, Colin Firth oder Mark Strong, der mit ungewohnter Haarpracht endlich mal wieder eine etwas differenziertere Rolle als den Bösewicht spielen darf, dann könnte man glatt glauben, der Film sei in den Siebzigern entstanden.

Alfredsons Inszenierung ist dabei nordländisch kühl, um nicht zu sagen unterkühlt, ausgefallen. Obwohl in Le Carrés Story einige Liebesaffären und Leidenschaften vorkommen, werden diese höchstens leise angedeutet; der Film konzentriert sich ganz auf die Fakten, man zuckt beinahe schon zusammen, wenn mal eine Figur eine Andeutung von Gefühlen zeigt. Dies muss allerdings nicht schlecht sein, gerade diese Kühle der Inszenierung verleiht dem Streifen mit zunehmender Dauer eine steigende Spannung.

Jedenfalls ist Tinker, Tailor, Soldier, Spy ein komplexer und intellektueller Agententhriller. Im Erfolgsfall ist der Weg für eine Fortsetzung bereits geebnet, denn am Schluss werden wohlweislich längst nicht alle Fragen beantwortet. Und schliesslich hat Le Carré zahlreiche weitere Smiley-Romane geschrieben, die einer (Neu-)Verfilmung bereits harren.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (34 Bewertungen) | 10 Kommentare

4.54.5
06.09.2011 / ebe