The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn (2011)

Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn'

The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn (2011) Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn'

Oder: Mit Schiff, Charme und Melonen

The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn

Nix Schlaues in der Zeitung.

Als der junge Reporter Tim (Jamie Bell) eines Tages auf dem Flohmarkt ein altes Schiffsmodell entdeckt, ist er sogleich fasziniert davon und ersteht es für einen Dollar. Unmittelbar danach versucht der zwielichtige Iwan Iwanowitsch Sakharin (Daniel Craig), ihm die "Einhorn" - so der Name des Schiffes - abzukaufen, aber Tim bleibt standhaft. Doch lange bleibt das Schiff nicht in seinem Besitz: Kurze Zeit später wird es aus seiner Wohnung geklaut.

The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn

"Hunderttausend heulende... äääh... Rakrohre!"

Dies ruft die Polizisten Schulze und Schultze (Simon Pegg, Nick Frost) auf den Plan, die Tim aber keine allzu grosse Hilfe sind, da sie gerade ihre volle Konzentration darauf verwenden, einen gerissenen Taschendieb dingfest zu machen. So beginnt Tim, alleine nachzuforschen und stösst schon bald auf eine alte Sage um die "Einhorn". Es scheint, als habe der dubiose Sakharin etwas mit der Sache zu tun. Was genau, erfährt Tim allerdings erst einige turbulente Abenteuer später, die ihn und seinen treuen Terrier Struppi nicht nur auf die hohe See und in die nordafrikanische Wüste führen, sondern bei denen sie auch den rabauzigen, Whisky-liebenden Kapitän Haddock (Andy Serkis) kennenlernen...


Kinofilm-Rating

Schon der stimmungsvolle Vorspann im originalen Hergé-Look macht klar: In ihrer Umsetzung der beinahe 70-jährigen Vorlage legen die beiden Hollywood-Masterminds Steven Spielberg und Peter Jackson Wert auf Details. Und dies, obwohl sie sich durchaus ihre Freiheiten herausnehmen. Für den Film setzen sie nämlich die Handlung aus Versatzstücken von mindestens drei Tintin-Bänden zusammen. Neben dem "Geheimnis der Einhorn" und dem "Schatz Rackhams des Roten", die schon im Original zusammengehören, ist ein Handlungsstrang der Geschichte aus "Die Krabbe mit den goldenen Scheren" entnommen. Zudem finden sich Elemente aus anderen Bänden, wie beispielsweise der fliegende Whisky aus Tims Mondabenteuer, wie auch einige neu erfundene Inhalte, die sich aber harmonisch ins Gesamtbild einfügen.

Es ist erstaunlich, wie sehr die im Performance-Capturing-Verfahren animierten Figuren den Comicfiguren gleichen, ohne ein Abklatsch zu sein. Wie im Original ist der Protagonist Tim (ein sehr bubenhafter Jamie Bell) auch hier eher ein langweiliger Charakter, während die Nebenfiguren das Salz in der Suppe sind. Die kaum zu erkennenden Simon Pegg und Nick Frost als schnauzbärtige Melonenträger Schulze und Schultze haben einige komische Momente, während der fluchende und aufbrausende Alkoholiker-Kapitän Haddock, gespielt von Andy Serkis, der heimliche Held des Films ist. Wenn er am Schluss gegen Daniel Craig in der Rolle des finsteren Bösewichts Sakharin zum Duell antritt, sind ihm die Sympathien der Zuschauer sicher. Nicht zu vergessen ist schliesslich Struppi, an dessen Hinterpfoten sich die Kamera mehrmals heftet, während er im Dienste seines Herrchens durch die Welt hechelt. Diese rasante "Struppi-Cam" ist eines der technischen Highlights des Films.

Auch weitere bekannte Nebenfiguren machen dem Film ihre Aufwartung, beispielsweise die schrille Opernsängerin Bianca Castafiore, einziger relevanter weiblicher Charakter im Tintin-Universum, der fiese Kapitän Allan oder schliesslich Nestor, der später Haddocks treuer Diener werden wird. Nur einer fehlt in diesem Reigen der bekannten Charaktere: Professor Bienlein - dieser dürfte allerdings in der Fortsetzung, die am Schluss bereits vorgespurt wird, zu seinem Auftritt kommen.

Natürlich ist die Geschichte von Tintin recht grob gestrickt. Sie hat keine Message und vermittelt keine tieferen Wahrheiten. Doch das muss sie auch nicht, denn der Film gibt nie vor, etwas anderes zu sein, als das, was er sein will: eine spannende, süffige und rasante Abenteuerstory, gewürzt mit viel Humor und Action, frei von Längen und allzu rührseligen Momenten. Gleichzeitig ist er auch eine Hommage an den legendären Comic. Spielbergs Tim-und-Struppi-Version fängt Hergés Stil ein, ohne ihn zu kopieren, peppt ihn mit zeitgemässen CGI-Elementen auf und bietet knapp zwei Stunden kurzweilige Unterhaltung - für Fans der Vorlage genauso wie für Neulinge.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (70 Bewertungen) | 18 Kommentare

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18.10.2011 / ebe