Take Shelter (2011)
Take Shelter (2011)
Oder: Zufluchtsort Luftschutzkeller
Curtis (Michael Shannon) ist ein rechtschaffener Bauarbeiter, der mit seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) und seiner schwerhörigen Tochter ein geruhsames Leben in Ohio führt. Obwohl seine Familie aufs Geld schauen muss, beneiden ihn seine Kollegen für das, was er in seinem Leben erreicht hat. Wenn da nur nicht die apokalyptischen Visionen wären, die ihn in letzter Zeit befallen. Darin zieht ein grausamer Sturm auf mit öligen Regentropfen als Vorboten. Sein Hund beisst ihn. Und Vogelschwärme agieren seltsam. Curtis versucht, die Träume, die er für bare Münze nimmt, vor seiner Frau geheim zu halten und geht in eine psychologische Beratung.
In immer panisch werdender Angst vor dem Sturm will Curtis aber auch seinen Luftschutzkeller wieder in Betrieb nehmen. Er nimmt einen Bankkredit dafür auf und entwendet heimlich Baumaschinen von seinem Arbeitgeber für die Renovation. Cutis' ungewöhnliches Verhalten beunruhigt seine Frau immer mehr. Und die Behandlung mit Medikamenten wirkt nicht wirklich. Die Frage ist: Braut sich wirklich ein zerstörerischer Sturm zusammen, oder sind Curtis' Träume nur Hirngespinste?
Kinofilm-Rating
Take Shelter ist der Gewinner der Semaine de la Critique von Cannes 2011, der auch schon in Sundance im gleichen Jahr Aufmerksamkeit erregte. Mit einfachen, aber eindrücklichen Bildern wird das Leben eines einfachen Mannes und seiner Familie geschildert. Nur die Effekte des aufkommenden Sturms in seinen Albträumen sind Hollywood-würdig. Das ist aber auch das einzige, was der Film gemein hat mit einem 0815-Katastrophenfilm.
Zwar zeigt Regisseur/Autor Jeff Nichols hier die typische US-Familie mit süsser Tochter. Damit diese aber nicht altkluge Sätze von sich geben kann, ist sie gleich mal taubstumm, ohne dass dies gross thematisiert würde - bis auf die Kosten, die eine anstehende Operation mit sich bringen würde, was die Familie weiter belastet. Ihren Vater verkörpert Michael Shannon, ein gern gesehener Nebendarsteller (World Trade Center, oscarnominiert für Revolutionary Road), der den Film fast alleine trägt. Es ist nach Shotgun Stories die zweite Zusammenarbeit des korrigen Typs mit Jeff Nichols. Und er passt perfekt. Denn trotz seines starken Körperbaus hat er etwas Wehleidiges in seinem Blick. Die ideale Hauptfigur, ein normaler Bürger, mit dem man miträtselt und mitleidet. Dank Shannons Präsenz und der spärlich eingesetzten Musik entwickelt der Film selber den Sog eines Sturms.
Das soll aber die Leistung von Jessica Chastain als Curtis' Ehefrau nicht schmälern. Chastain war in der fast stummen Rolle der liebenden Mutter in Terrence Malicks Tree of Life eine weitere Entdeckung in Cannes 2011. Die schreckliche Erkenntnis, dass ein geliebter Mensch den Verstand zu verlieren droht, bekommt sie bestens hin. Take Shelter ist deshalb nicht nur wegen Shannons eindrücklicher Leistung sehenswert, sondern bietet auch mehr Anschauungsmaterial für alle, die Chastain mal sprechen hören wollen im Kino.
Take Shelter ist als Film das Gegenteil eines Luftschutzkellers. Ist man erst einmal drin, wird die Unsicherheit, je länger man einsitzt, desto grösser. Die chronologische Erzählung einer an sich simplen Ausgangslage für einen Mann, der sich selber helfen will, aber aus finanziellen und geographisch-soziologischen Gründen nicht kann, fesselt bis zur allerletzten Einstellung, die windgleich alles davor Gesehene durcheinanderwirbelt.
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4.6 Sterne (27 Bewertungen) | 6 Kommentare



