Le Gamin au vélo (2011)
Le Gamin au vélo (2011)
Oder: Des Widerspenstigen Zähmung
Der 13-jährige Cyril (Thomas Doret) ist neu im Kinderheim und will unbedingt zu seinem Vater zurück. Doch dieser hat den Kontakt zu seinem Sohn vollkommen abgebrochen: Seine Telefonnummer ist ausser Betrieb, die Wohnung verlassen und sein Aufenthaltsort unbekannt. Cyril sucht trotzdem störrisch weiter nach seinem Papa und haut dafür auch aus dem Heim ab. Dabei trifft er auf die Coiffeuse Samantha (Cécile de France), an die er sich zufällig klammert, als ihn die Heimleiter packen wollen.
Samantha hat Mitleid mit Cyril und bringt ihm sein altes Velo ins Heim. Da es verkauft wurde, hat Cyril einen ersten Anhaltspunkt für den Verbleib seines Vaters und möchte bei Samantha bleiben. Sie willigt ein und hat ihn ab sofort fürs Wochenende bei sich. Cyril weckt dabei auch das Interesse des Tunichtguts Wes (Egon Di Mateo), der im Quartier einen schlechten Ruf hat. Wes ist beeindruckt von der Street-Smartness von Cyril und versucht, ihn auf die schiefe Bahn zu bringen. Da Cyril sich eingestehen muss, dass sein Vater wirklich nichts mehr mit ihm zu tun haben will, ist er dafür empfänglich. Natürlich hat seine neue Pflegemutter Samantha etwas dagegen.
Kinofilm-Rating
Das belgische Städtchen Seraing; Schauspieler wie Jérémie Renier und Fabrizio Rongione: Man merkt schnell, wenn man sich ein einem Film der Gebrüder Dardennes (L'Enfant, Le Silence de Lorna) befindet. Sie filmen immer am gleichen Ort und scharen gern Regulars um sich. So auch in Le gamin au vélo, wo die beiden Obengenannten in Nebenrollen zu sehen sind. Neu sind aber der Gebrauch von Musik (Beethovens 5. Klavierkonzert), das Engagement eines bereits bekannten Stars (Cécile de France, welche trotz ihres Namens ursprünglich aus Belgien stammt) und der kleine Thomas Doret, der sich einreiht bei den schauspielerischen Entdeckungen von Luc und Jean-Pierre Dardenne.
Mein Grosi hätte den jungen Blondschopf einen "Gispel" genannt. Ständig unter Strom mit leichtem Hang zur Aggression, wird er als Cyril von den Dardennes durch eine Geschichte von Schuld und Sühne getrieben. Er ist in fast jeder Einstellung zu sehen und wirkt glaubhaft, ob nun verzweifelt, gestresst oder tobend. Cécile de France ist hingegen die Gutmütigkeit in Person. Fast zu nett dargestellt, lässt sie für einen wildfremden Buben sogar den Freund links liegen. Doch auch diese leicht unglaubwürdigen erzählerischen Freiheiten sind aus früheren Werken der Dardennes bekannt. Sie können aber auch wie gewohnt aus sehr alltäglich wirkenden Szenen eine unglaubliche Spannung ziehen. Immer dann, wenn sich die Handlung in den Wald um Seraing verlagert, rutscht man unwillkürlich auf die Stuhlkante.
Fazit: Die Dardennes haben es immer noch drauf. So machen Arthouse-Filme Spass. Im Unterschied zu anderen gefeierten Regisseuren, die eine gewisse erfinderische Trägheit an den Tag legen - Woody Allen sei als Beispiel genannt - stört mich das immer ähnlich zubereitete Süppchen bei den Belgiern weniger. Vielleicht einfach, weil ihr Oeuvre weniger Werke umfasst.
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