Sal (2011)

Sal (2011)

Oder: Der letzte Tag

Sal

Hätte ich mich damals doch an James rangemacht...

Im zarten Alter von 16 Jahren spielte Sal Mineo (Val Lauren) an der Seite von James Dean in Rebel without a cause. Für seine Darstellung von John "Plato" Crawford wurde der Teenie für einen Oskar nominiert. Fünf Jahre später folgten die zweite Nominierung und ein Golden Globe für seine Performance in Exodus. Danach wurde es ruhig um den talentierten Jungschauspieler.

1976 folgte eine positive Wende in Sals Karriere: Das Stück P.S. Your Cat Is Dead, in welchem er mitspielte, erlangte grosse Aufmerksamkeit und sollte nun auch in Los Angeles aufgeführt werden. Doch am 12. Februar 1976, im Alter von 37, wurde er auf dem Heimweg von den Theaterproben erstochen und erlag seiner Wunde. Ein tragisches Ende, beinahe wie der Tod der Filmfigur Plato, die ihn zum Ruhm verholfen hatte. Doch wie hat der Akteur seine letzten Stunden verbracht?


Kinofilm-Rating

Gerade noch als Moderator der diesjährigen Oscarverleihung und in Rise of the planet of the Apes zu sehen, versucht sich James Franco nun als Regisseur. In Sal zeigt er in dokuähnlichem Stil, wie Sal Mineo seinen letzten Tag verbracht hat. Einigen wird der Name vielleicht aus dem James-Dean-Klassiker Rebel without a cause bekannt sein. Darin spielte er Deans Filmfreund Plato, der in dessen Armen stirbt. Ironischerweise sagte Sal mal in einem Interview, er habe die Sterbeszene mehrmals drehen wollen und so die Möglichkeit gehabt, zu wissen, wie es sich anfühle, wenn man sterbe und jemand um einen trauere. Ein leicht makabrer Vorgeschmack auf den bald folgenden Besuch des Sensemannes.

Francos Film zeigt die letzten Stunden in Sals Leben. Man sieht ihn beim Krafttraining, beim Essen mit einem Kollegen, beim Impfen, Einkaufen, Telefonieren, Autofahren... - eben dem, was jeder von uns tagsüber so tut. Würde diese Doku im TV laufen, würden die meisten wohl nach einigen Minuten zu zappen beginnen. Sieht man sich den ganzen Film an, schleicht sich der Gedanke ein, ob man nicht mal seine Mutter einen Tag lang mit der Kamera begleiten möchte. Das wäre unter Umständen vielleicht sogar noch ein Mü spannender. Man stelle sich die Raufereien am Schnäppchentisch vor.

Obwohl sich Franco Mühe gegeben hat, ist Sal kein Must-see-Film. Wüsste man es nicht, könnte man meinen, er habe den Typen effektiv mit der Kamera begleitet und seinen Abgang dokumentiert. Als Erstling kann sich der Film einigermassen sehen lassen. Aber am Drehbuch und Aufbau müsste noch ein Quäntchen gefeilt werden. Wie dem auch sei: Sal wird keine grossen Wellen schlagen, und es ist unwahrscheinlich, dass es der Film in die Schweizer Kinos schafft. Also lieber den James-Dean-Klassiker abstauben und gucken.

Kurz gesagt: Sal ist ein nettes, zu lange geratenes Experiment von James Franco. Wer's mag, guckt's an. Aber Mammas Klatsch und Tratsch mit der Nachbarin ist spannender.

2.0 Sterne
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04.09.2011 / faz