Quando la notte (2011)
Quando la notte (2011)
Oder: Hohe Berge, tiefe Gefühle
Über eine Ferienhaus-Agentur hat die junge Mutter Marina (Claudia Pandolfi) für die Sommerferien eine Wohnung in einem kleinen italienischen Bergdorf gebucht. Im Alltag war sie oft überfordert mit ihrem zweijährigen Sohn Marco, nun hofft sie auf etwas Entspannung in der ruhigen Umgebung und darauf, dass die Bergluft auch dem Kleinen guttut. Doch auch hier verlangt ihr das stets weinende Kind alles ab, sie steht zeitweise am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Manfred (Filippo Timi), der Besitzer des Hauses, der gleich unter ihr wohnt, kann zwar wegen des Babygeschreis kaum schlafen, hält sich aber auf Distanz. Der schweigsame Bergler ist grundsätzlich misstrauisch gegenüber Frauen und macht sich lieber auf eine Bergtour, als sich mit seinem Feriengast zu unterhalten. Doch eines Abends, nachdem Marina vor Erschöpfung eingeschlafen ist, nimmt das Schicksal seinen Lauf, als der kleine Marco sich aufmacht, das Regal mit den Weinflaschen zu erkunden...
Kinofilm-Rating
Falls Italiens Tourismusverantwortliche irgendwann das Gefühl haben, es sei an der Zeit, ihr Land nicht mehr nur auf Strand, Meer, Sonnenschein und gutes Essen zu reduzieren, könnten sie durchaus auf einen Szenen-Zusammenschnitt aus Quando la notte zurückgreifen. Denn in diesem Film zeigt Italien mal ein anderes Gesicht, und zwar eines als ein Land der Berge, Alphütten und Kühe. Und mit echten Bergdörfern jenseits der Retortenstationen, wie man sie beispielsweise in La solitudine dei numeri primi gesehen hat. Fast wähnt man sich dabei in der Schweiz - wobei man auch gar nicht so sehr danebenliegt, denn der Film wurde in Macugnaga gedreht, einem Dorf auf der italienischen Seite des Monte-Rosa-Massivs, also sehr nahe der Schweizer Grenze.
Die Bergaufnahmen sind denn auch wunderschön und wecken Lust, selbst wiedermal wandern zu gehen. Auch sonst ist die erste Hälfte des Filmes durchaus stimmig. Die Hauptfigur Marina wird von Claudia Pandolfi überzeugend als unsichere und überforderte Mutter porträtiert, die sich nicht zu helfen weiss, wenn ihr Kind aus voller Lunge schreit - was nicht nur ihrem Konterpart Manfred alias Filippo Timi, sondern auch den Zuschauern ziemlich an den Nerven zerrt. Beim männlichen Protagonisten wird dann schon etwas tiefer in der Klischeeschublade mit der Aufschrift "knorriger Hinterwäldler" gewühlt, doch Timi schafft es dennoch, dem misstrauischen Bergler ein glaubwürdiges Stoppelbart-Gesicht zu geben. Auch wenn die Kontaktlinsen dabei nicht so richtig ins (Klischee-)Bild passen.
So richtig unglaubhaft wird's dann erst in der zweiten Filmhälfte. Nachdem sich die Ereignisse überstürzt haben, kommt ein brüsker Zeitsprung fünfzehn Jahre nach vorne. Die optisch kaum gealterten Protagonisten überkochen nun plötzlich vor Emotionen und werfen diese einander und auch den Zuschauern richtiggehend an den Kopf - in Form von Dialogen, die einem zweitklassigen Schmachtfetzen entnommen sein könnten.
In ihrem eigenen gleichnamigen Roman, den sie hier verfilmt hat, hat Autorin und Regisseurin Cristina Comencini der Entwicklung der Figuren während dieser 15 Jahre vermutlich etwas mehr Raum gegeben. Im Film zumindest nimmt man ihnen die plötzliche Eruption der Gefühle nicht ab, zumal danach ziemlich unvermittelt der Abspann durchrollt. Da muss man sich halt wiederum an den Landschaftsaufnahmen aus den italienischen Alpen trösten, die auch in der winterlichen Umgebung ganz malerisch anzuschauen sind.
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