Qualunquemente (2011)

Qualunquemente (2011)

Oder: Sex, Drogen und Spaghetti

Qualunquemente

Endlich mal was Gutes im Fernsehen!

Cetto La Qualunque (Antonio Albanese) kehrt nach vier Jahren in sein kalabrisches Heimatstädchen zu seiner Familie zurück, im Gepäck eine neue Frau und deren Tochter. Cettos Ehefrau (Lorenza Indovina) tobt wie eine Furie, aber egal, so sind halt die Frauen. Sohn Melo (Davide Giordano) hat sich während Cettos Abwesenheit nicht vorteilhaft entwickelt. So latscht er nicht nur im Nerd-Look durch die Gegend, nein, der Weichling pflegt mit Helm Motorrad zu fahren und hat mit einem Mädchen angebandelt, das weder anständige Brüste noch einen ausladenden Po hat. Welch eine Schande - höchste Zeit, dass der Papa mal ein Machtwort spricht!

Qualunquemente

Die besten Sausen sind lila.

Doch auch im Dorf sind die Dinge nicht mehr wie früher. Staatliche Institutionen machen Cettos Freunden das Leben schwer, und zur anstehenden Wahl des Bürgermeisters steht nur ein Kandidat zur Verfügung, der sich für unmögliche Dinge wie Gemeinschaftssinn, Verantwortung und Bürgerpflichten einsetzt. Für Cettos Clique ist klar: Ein Gegenkandidat muss her. Und dafür kann es nur einen geben: Cetto La Qualunque! Doch: Wie führt man eigentlich einen Wahlkampf? Um Cetto mehrheitsfähig zu machen, wird der abgebrühte PR-Spezialist Jerry (Sergio Rubini) engagiert.


Kinofilm-Rating

Der Charakter des feisten Kotzbrockens Cetto La Qualunque wurde 2003 vom Komiker Antonio Albanese fürs italienische Fernsehen RAI ins Leben gerufen. Er ist eine Art italienischer Harry Hasler: eine stark überzeichnete, angeberische und anzügliche Machofigur, deren Ansichten so unmöglich sind wie die Manieren. Der Unterschied: Während sich Hasler mit der Pattaya-Bar begnügt, will's Qualunque in der Politik wissen. Sein Credo: "Più pilu per tutti"! Frei übersetzt: Muschis für alle!

"Qualunque" heisst zu deutsch "irgendeiner" - ein vielsagender Name und ein Pfeil gegen die italienische Nimm-dir-was-du-kannst-Mentalität. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass dem Charakter keineswegs "irgendeiner", sondern eine ganz bestimmte reale Person Pate stand: der italienische Premierminister Silvio Berlusconi. Dessen Sex-Eskapaden - Stichwort "Bunga Bunga" - könnten kein besseres Vorbild für Cetto La Qualunques Lebensphilosophie liefern. Ein klassischer Fall von der Realität, die die Satire ein- und überholt.

Qualunquemente ist freilich nicht der erste Film, der sich mit satirisch überspitzten Mitteln gegen "König Silvio" richtet. Erst kürzlich hat Sabina Guzzanti mit Draquila ihre Spitzen in Richtung des Noch-Premiers losgelassen. Und auch Nanni Moretti hat Berlusconi 2006 in Il Caimano schon böse auf die Schippe genommen. Eine gewisse Übersättigung kann sich da schon breitmachen. Zumal davon auszugehen ist, dass schlussendlich all diese Filme am Fahrenheit-9/11-Syndrom scheitern: Diejenigen Zuschauer, die bereits gegen Berlusconi sind, fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt; seine Anhänger hingegen schauen solche Filme gar nicht erst und wenn doch, tun sie ihn als Propagandakram von linken Neidern ab. Politisch dürfte der Film deshalb nicht so viel bewirken, wie sich dessen Macher dies vielleicht erhoffen.

Unterhaltsam ist es aber allemal, auch wenn der nicht sehr subtile Humor oftmals mit dem Schlaghammer seine Pointen setzt und sich diese mit fortgesetzter Filmdauer zu wiederholen beginnen. Doch einige umwerfende Szenen entschädigen dafür. Das flotte Erzähltempo sorgt zudem dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Denn Langeweile ist für Loser und Weltverbesserer. Soviel habe ich von Cetto La Qualunque schon gelernt.

4.3 Sterne
4.3 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
18.02.2011 / ebe