O Abismo Prateado (2011)
O Abismo Prateado (2011)
Oder: Eye to Eye
Sie kann es nicht glauben, was sie soeben gehört hat. Nach einer Liebesnacht mit ihrem Ehemann geht die Zahnärztin Violeta (Alessandra Negrini) am nächsten Tag ganz normal zu ihrer Arbeit. Doch als nach dem Mittagessen ihre Combox abhört, ist da eine Nachricht ihres Mannes drauf, der ihr verkündet, dass er sie verlässt. Verzweifelt beginnt sie, nach Antworten und Gründen zu suchen, wird in ihrem Umfeld aber nicht fündig. Violeta entschliesst sich deshalb, ihrem Mann nachzureisen, der erwähnt hat, dass er zuerst nach Porto Alegre gehen werde.
Doch als sie beim Flughafen ankommt, ist der letzte Flieger soeben weg, und erst am kommenden Morgen fliegt der nächste. In dem Hotel, in welchem sie für die Nacht absteigt, hält sie es aber nicht lange aus. Sie beschliesst, in einen Club zu gehen und dort ihre Sorgen für eine kurze Zeit zu vergessen. Als ihr dies nur bedingt gelingt, läuft sie in Richtung Strand. Dort lernt sie das Mädchen Bel mit seinem Vater Nassir (Thiago Martins) kennen, die sie etwas aufmuntern können.
Kinofilm-Rating
Buchverfilmungen gibt es immer mal wieder im Kino zu bestaunen. Meistens sind jedoch 1:1-Umsetzungen ein Ding der Unmöglichkeit, und trotzdem wird das Kürzen immer wieder von den Kennern der Vorlage kritisiert. Aber was passiert, wenn nicht ein Buch die Vorlage bietet, sondern ein Musikstück? Diese dauern durchschnittlich vier Minuten, und das ist wenig Zeit, um eine ganze Geschichte zu erzählen. Im Falle von O Abismo Prateado haben es Regisseur Karim Aïnouz und sein Team trotzdem gewagt und das Lied "Olhos nos Olhos" (den Liedtext gibt es hier) auf 85 Minuten gestreckt. Mit Hilfe von vielen langen Sequenzen, in denen nicht viel passiert, sind sie zum Ziel gekommen. Das dies trotzdem nicht allzu langweilig wird, haben sie dem starken Spiel von Alessandra Negrini zu verdanken.
Negrini kann in ihrer Rolle alle möglichen Emotionen zeigen: vom Lachen bis hin zum Weinen. Der Film erzählt dabei keine wirkliche Story an sich, sondern folgt der Figur lediglich durch die Nacht und filmt sie bei dem Versuch, mit dem Verlust fertigzuwerden. Herausragend ist da vor allem eine Szene, in der sie in einen Nachtclub geht und dort versucht, ihre Sorgen wegzutanzen. Dies wird von Tanzschritt zu Tanzschritt immer verzweifelter, und passenderweise läuft dazu "She's a Maniac" von Michael Sembello.
Da aber Aïnouz nicht viel mehr hinzuzufügen weiss, werden Szenen wie das Durchlaufen einer Flughafenhalle zur reinen Geduldsprobe. Wenn die gute Frau emotionslos ist, ist auch sonst nicht viel los. Auch hätte man die Einführung mit dem nackten behaarten Ehemann nicht so deutlich sehen wollen. Das Hinzufügen von zwei zusätzlichen Figuren gegen das Ende hin kann dann zwar als nette Idee abgetan werden, aber es ist unglaubwürdig, wenn ein Vater mit seiner Tochter zusammen um drei Uhr morgens in Rio unterwegs ist.
Fazit: Aïnouz‘ O Abismo Prateado hat seine ganz starken Momente, wenn er sich vollkommen auf Hauptdarstellerin Negrini fokussiert. Sie macht die Gefühle ihrer Figur für den Zuschauer spürbar, weshalb der Film auch eine Zeitlang gut funktioniert. Doch dass es hier um ein aufgeblasenes Werk handelt, spürt man zu oft bei vielen Hängern. Wir freuen uns aber trotzdem auf kommende Songverfilmungen wie zum Beispiel "Paint it Black" von den Rolling Stones. Obwohl man dort wahrscheinlich schon nach wenigen Minuten von der ewigen Schwarzmalerei genervt sein wird.
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3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 1 Kommentar


